MÜNCHEN (Dow Jones/ks)–Der im November 2009 zurückgetretene Konzernchef Håkan Samuelsson, der frühere Finanzvorstand Karlheinz Hornung, Ex-Nutzfahrzeuge-Chef Anton Weinmann sowie drei weitere ehemalige Manager sollen 237 Mio Euro zahlen, bestätigte Samuelssons Anwalt einen Bericht der “Süddeutschen Zeitung” vom Montag.

Der Konzern werfe seinem Ex-Chef und dessen Kollegen vor, das Unternehmen nicht genügend kontrolliert zu haben, berichtete die Zeitung weiter. So sei es über Jahre zu den Schmiergeldzahlungen beim Verkauf von Lastern und Bussen gekommen. “Wir haben das geprüft und halten die Forderung für unberechtigt”, sagte Samuelssons Anwalt. Er erinnerte zudem daran, dass die Staatsanwaltschaft erklärt habe, der Vorstand habe die Bestechungspraxis in den Griff bekommen.

Der MAN-Aufsichtsrat mit VW-Kontrolleur Ferdinand Piech an der Spitze hatte die Kanzlei Wilmer Hale beauftragt, das Geld von den Ex-Vorständen einzutreiben. Die Summe von 237 Mio Euro, die theoretisch von jedem einzelnen Ex-Vorstand stellvertretend für alle anderen gefordert werden kann, überrascht. MAN mache sämtliche Kosten geltend, die dem Unternehmen durch die Affäre entstanden seien, also neben der Geldbuße auch Anwaltskosten und interne Ermittlungen, hieß es in dem Bericht. Wilmer Hale wollte auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

Die Münchener Staatsanwaltschaft hatte Schmiergeldzahlungen in Höhe von 51,6 Mio Euro zwischen 2002 und 2009 aufgedeckt. Die Affäre kostete rund 20 Top-Manager, Führungskräfte und Mitarbeiter den Job. Die Strafe von 151 Mio Euro hatte MAN akzeptiert. Das umstrittene Provisionssystem wurde inzwischen abgeschafft.