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Dunkle Wolken über MAN: Die Volkswagen-Tochter rechnet in der zweiten Hälfte 2016 mit Stagnation. - Bild: MAN

Die jüngst durch Sparmaßnahmen verbesserte Marge des Unternehmens wird laut MAN im zweiten Halbjahr wieder zurückgehen: "Wir werden das 6-Prozent-Niveau aus den ersten Monaten des Jahres nicht halten können", sagte Drees.

Für den Gesamtjahresvergleich ist der MAN-Chef gleichwohl weiter optimistisch: "In Summe" werde sich die Marge im Vergleich zum Vorjahr "deutlich verbessern", sagte Drees. "Das zweite Halbjahr ist bei uns durch die Ferienzeit im August grundsätzlich etwas schwächer", erklärte er. In der ersten Jahreshälfte hatte MAN Truck & Bus, also das Nutzfahrzeuggeschäft der VW-Tochter in Europa, eine bereinigte Marge von 6 Prozent erzielt, nach nur 2,8 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Doch nicht allein die Ferienzeit trifft MAN im zweiten Halbjahr: Auch die Marktlage droht dem Unternehmen weniger Aufwind zu verschaffen als noch in der ersten Jahreshälfte. Er sehe den europäischen Markt "für den Rest des Jahres auf dem Niveau des Vorjahres", sagte Drees im Interview. Zwischen Januar und Juni hatte MAN Truck & Bus den eigenen Absatz noch um rund 4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert.

Der europäische Markt befinde sich auf einem sehr guten Niveau, sagte Drees. "Ich glaube aber nicht daran, dass wir weitere Steigerungen sehen", fügte er hinzu. Für das nächste Jahr prognostizierte Drees einen Nachfragerückgang um "ein paar Prozent".

Der europäische Markt sei der einzige Markt, der derzeit gut laufe, berichtete Drees. Auf andere Lkw-Märkte blickt er mit Vorsicht: Russland und die Türkei seien schwierig, auch der brasilianische Markt für Lastwagen und Busse sei weiter sehr schwach. In Südafrika sei die politische Lage unsicher und wirke sich auf den Markt aus

"Manchmal strenger sein"

Fortschritte macht MAN nach Aussage von Drees dagegen bei der Integration mit der ehemals verfeindeten Schwestermarke Scania in die gemeinsame VW-Nutzfahrzeug-Holding. Die Unternehmen hätten zum Beispiel eine Konferenz mit je 100 Ingenieuren von MAN und Scania veranstaltet.

"Dort haben Scania-Chef Henrik Henriksson und ich erklärt, warum unsere Kooperation so wichtig ist. Sie kennen das vielleicht: Wenn Sie Ihren Kindern immer nur sagen, du musst das jetzt machen, dann werden sie bockig. Es hilft immer, die Dinge zu erklären. Und manchmal muss man auch ein bisschen strenger sein. Wichtig ist, die Menschen mitzunehmen auf die gemeinsame Reise", sagte Drees.

Die Konkurrenten Volvo und Daimler verfügten über deutlich höhere Stückzahlen und könnten so die hohen Entwicklungskosten für neue Technologien einfacher stemmen. "Wenn wir nicht die Skaleneffekte nutzen, die wir als Gruppe haben, dann werden wir im Wettbewerb zurückfallen. Wir können uns auf Dauer diese Entwicklungsaufwendungen nicht jeder für sich leisten", mahnte Drees.

Neben dem Diesel-Antrieb müssten die Unternehmen in Elektromobilität, Digitalisierung und Vernetzung investieren. Derzeit heben MAN und Scania allerdings jährlich nur etwa 200 Millionen Euro an Synergien durch einen gemeinsamen Einkauf.

Der VW-Einstieg beim US-Lastwagenhersteller Navistar kommt aus Sicht des MAN-Chefs zum richtigen Zeitpunkt. "Den Fokus auf mehrere Marken und nicht immer nur auf zwei zu richten, das ist ganz gut so. In der Kooperation ist für jede Marke etwas dabei. Es ist eine der wenigen reinen Win-Win-Situationen", sagte Drees. MAN und Navistar haben im Motorenbereich schon zuvor zusammengearbeitet.

"Misserfolge gehören dazu"

Auf der IAA Nutzfahrzeuge stellte MAN unter anderem die Cloud-basierte Plattform "Rio" vor, über die Logistikunternehmen ihre Lastwagen-Kapazitäten effizienter planen können. "Ich bin optimistisch, dass wir sehr schnell eine kritische Größe erreichen, 100.000 oder sogar mehrere Hunderttausend Kunden", sagte Drees zu den Perspektiven für die Plattform. Vom nächsten Jahr an werden alle neuen MAN-LKW serienmäßig mit dem System ausgestattet. Alte Modelle können nachgerüstet werden.

Konkurrenten wie Daimler oder Bosch bieten allerdings sehr ähnliche Systeme an. Drees sieht darin kein Problem. "Sollte es wider Erwarten nicht funktionieren, dann müssen wir uns halt was Neues überlegen", sagte er. "Bei diesen sich wahnsinnig schnell entwickelnden neuen Anwendungen müssen sie 'fail fast' erlauben", sagte der Manager. Er sei jedoch vom Erfolg der Plattform überzeugt.

Drees muss sich derzeit zudem um eine Perspektive für die Sparte Diesel & Turbo bemühen. Ein Verkauf des Unternehmensteils, der etwa Schiffsmotoren herstellt, kommt im Moment nicht infrage. "Wir haben derzeit kein Interesse an einem Verkauf von Diesel & Turbo", hatte Volkswagen-Konzernvorstand Andreas Renschler am Mittwoch im Dow-Jones-Interview gesagt. "Wir werden in der Sparte aber einiges zu bewegen haben", fügte er hinzu. MAN-Chef Drees ließ eine mögliche Umstrukturierung des Unternehmens mit rund 14.500 Mitarbeitern unkommentiert.

Die 10 größten LKW-Hersteller der Welt

  • Shaanxi Truck

    Platz 10: Shaanxi Heavy-duty Automobile Group aus China (105.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zum Unternehmen gehört unter anderem die Marke Shacman. - Quelle: Statista/Bild: Andshel/Wikipedia)

  • Tata Truck

    Platz 9: Tata aus Indien (130.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). - Quelle: Statista/Bild: Tata

  • Foton Truck

    Platz 8: Beiqi Foton Motor aus China (139.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). - Quelle: Statista/Bild: Charles01/Wikipedia

  • Paccar Truck

    Platz 7: Paccar aus den USA (14.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zur Gruppe gehören unter anderem die Marken DAF, Kenworth und Peterbilt. - Quelle: Statista/Bild: DAF

  • CNHTC Truck

    Platz 6: CNHTC aus China (159.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zum Unternehmen gehört unter anderem die Marke Sinotruk. - Quelle: Statista/Bild: Meysam/Wikipedia

  • VW Truck

    Platz 5: VW Group aus Deutschland (165.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zum Unternehmen gehören unter anderem die Marken MAN und Scania. - Quelle: Statista/Bild: VW

  • FAW Truck

    Platz 4: First Automotive Works (FAW) aus China (167.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zum Unternehmen gehört auch die Marke Jiefang. - Quelle: Statista/Bild: FAW

  • Volvo Truck

    Platz 3: Volvo aus Schweden (174.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zum Unternehmen gehört unter anderem auch Renault Trucks. - Quelle: Statista/Bild: Volvo

  • Dongfeng Truck

    Platz 2: Dongfeng aus China (220.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zum Unternehmen gehört auch die Marke fengshen. - Quelle: Statista/Bild: DMC

  • Daimler Truck

    Platz 1: Daimler aus Deutschland (371.000 verkaufte Einheiten im Jahr 2015). Zum Unternehmen gehören unter anderem die Marken Mercedes Trucks, Freightliner, Western Star, Blamat Benz und Mitsubishi Fuso. - Quelle: Statista/Bild: Daimler