MAN schreibt überraschend rote Zahlen: Der Umbau des Lkw-Bauers durch den Mutterkonzern Volkswagen

MAN schreibt überraschend rote Zahlen: Der Umbau des Lkw-Bauers durch den Mutterkonzern Volkswagen schlägt teurer zu Buche als erwartet. - Bild: MAN

Die VW-Tochter MAN hat zum Halbjahr die selbst gesteckten Jahresziele gekappt. Hohe Kosten für die Restrukturierung des Lkw-Bereichs und ein nach wie vor schwaches Geschäft in Lateinamerika belasten das Ergebnis.

Im zweiten Quartal schrieb der Nutzfahrzeughersteller trotz eines leicht gestiegenen Umsatzes erneut rote Zahlen.

MAN rechnet nun auf Konzernebene mit einem Jahresumsatz leicht unter dem Niveau des Vorjahres, nachdem die Einnahmen zuvor in etwa stagnieren sollten. Das operative Ergebnis wird vor allem durch die Restrukturierungsaufwendungen “stark belastet”, nachdem es zuvor “stabil” bleiben sollte. Die operative Rendite dürfte sich nach Einschätzung des Münchener Unternehmens “mehr als halbieren” statt in etwa auf dem Vorjahresniveau zu verharren.

Nutzfahrzeugbauer rechnet mit sehr schwachem Jahr 2015

Damit dürfte 2015 für MAN ein sehr schwaches Jahr werden. Bereits 2014 blieben von rund 14,3 Milliarden Euro an Einnahmen nur 384 Millionen Euro als operativer Gewinn übrig. Das entsprach einer operativen Marge von 2,7 Prozent.

In den Monaten April bis Juni verzeichnete MAN einen Rückgang beim Auftragseingang von 7 Prozent auf 3,708 Milliarden Euro. Vor allem in Lateinamerika ging es – wie auch bei den Konkurrenten – drastisch bergab. Der Ordereingang sackte dort um 52 Prozent auf 303 Millionen Euro ab.

In Europa zogen die Verkäufe dagegen wieder an. Der Umsatz stieg deshalb gruppenweit leicht um 2 Prozent auf 3,631 Milliarden Euro. Operativ blieben davon vor Sondereffekten noch 151 Millionen Euro übrig, nach 154 Millionen im Vorjahr. Doch die im Juni mit den Arbeitnehmervertretern beschlossene Restrukturierung des europäischen Lkw-Geschäfts belastete das Ergebnis im zweiten Quartal mit 170 Millionen Euro, sodass operativ ein Verlust von 19 Millionen Euro auflief. Nach Steuern und Dritten summierte sich der Fehlbetrag sogar auf 40 Millionen Euro. Vor Jahresfrist stand hier noch ein Gewinn von 61 Millionen Euro.

Effizienzprogramm soll MAN in die Spur bringen

Schwache Ergebnisse hatten sich bereits nach dem ersten Quartal angekündigt, als unterm Strich ein Verlust verbucht wurde. Zuletzt war das rein operative Geschäft bei dem Münchner Konzern jedoch zusehends in den Hintergrund getreten. Neben der neu gegründeten Lkw-Holding, die die beiden Nutzfahrzeugtöchter MAN und Scania enger mit dem VW-Konzern verzahnen soll, beschäftigten zuletzt Nachrichten zur Neuorganisation des Lkw-Geschäfts von MAN die Gemüter.

Schon vor einigen Monaten hatte das Management ein Effizienzprogramm angekündigt, das das Unternehmen in den drei Jahren bis Ende 2017 flexibler aufstellen und die Kosten drücken soll. Im Juni hatten sich Arbeitnehmervertreter und Management schließlich auf ein Maßnahmenpaket geeinigt: Rund 1.800 Stellen werden bis 2017 abgebaut, viele Standorte neu ausgerichtet. Rund 850 Millionen Euro sollen in diesem Zeitraum eingespart werden, hatte damals eine informierte Person zu Dow Jones Newswires gesagt.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke