Dem Nutzfahrzeug- und Motorenhersteller MAN steht erneut Ärger ins Haus (Bild: MAN Diesel).

Dem Nutzfahrzeug- und Motorenhersteller MAN steht erneut Ärger ins Haus (Bild: MAN Diesel).

Die Compliance-Abteilung von MAN und externe Berater untersuchen, ob beim Verkauf von Viertakt-Schiffsdieselmotoren der Tochter Diesel & Turbo möglicherweise illegal nachgeholfen wurde, wie der Münchener DAX-Konzern am Mittwoch ad-hoc mitteilte.


Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Aufgrund von “Anhaltspunkten für Unregelmäßigkeiten” habe der Vorstand eine entsprechende Untersuchung eingeleitet, die gegenwärtig noch andauere. Nach bisherigen Informationen von MAN war es möglich, die technisch ermittelten Kraftstoffsverbrauchswerte der Motoren auf firmeneigenen Prüfständen von außen zu beeinflussen. Das könnte wiederum den Absatz angeschoben haben.

“In welchem Umfang von dieser Beeinflussungsmöglichkeit im Rahmen der Übergabe an Kunden Gebrauch gemacht wurde und welche finanziellen Folgen sich daraus für den MAN-Konzern ergeben können, ist noch Gegenstand weiterer Untersuchungen”, hieß es in der Pressemitteilung. MAN erklärte, unverzüglich alle notwendigen Maßnahmen zur umfassenden Aufklärung des Sachverhaltes eingeleitet zu haben. Man werde dabei eng mit der Staatsanwaltschaft München zusammenzuarbeiten.

Der Bereich Viertakt-Schiffsdieselmotoren, der zur Sparte “Engines & Marine Systems” der MAN Diesel & Turbo SE gehört, hat im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von rund 371 Mio Euro erwirtschaftet. Insgesamt erlöste der DAX-Konzern 2010 knapp 14,7 Mrd Euro. Im Februar trat bereits Turbo&Diesel-Vorstand Klaus Stahlmann zurück, da er wegen des Verdachts der Bestechung ins Visier der Justiz geraten war.

Die Schmiergeldaffäre hält MAN nun seit dem Frühjahr 2009 in Atem. Der Konzern kurbelte den Verkauf von Lastwagen und Bussen mit Bestechungsgeldern an; insgesamt wurden zwielichtige Zahlungen von mehr als 50 Mio Euro in den vergangenen zehn Jahren aufgedeckt. Ende 2009 erklärte MAN die Ermittlungen in Absprache mit der Münchener Staatsanwaltschaft für beendet und zahlte eine Strafe von fast 151 Mio Euro.

Aktuell laufen außerdem immer noch Ermittlungen gegen die Ex-Tochter Ferrostaal wegen des Verdachts auf Korruption. MAN hatte Anfang 2009 70% an dem Essener Industriedienstleister an den arabischen Staatsfonds International Petroleum Investment Company (IPIC) verkauft, 2010 sollten die restlichen 30% folgen. IPIC weigert sich wegen der nach wie vor ungeklärten Vorwürfe bislang jedoch, die vereinbarte Option zu ziehen. Die Situation ist verfahren, eine Lösung nicht in Sicht. Die Münchener schufen in Reaktion auf die Vorkommnisse der vergangenen Jahre ein sehr striktes Compliance-System.

Die neuen Schwierigkeiten kommen in einer für MAN bewegten Zeit. Anfang Mai hatte Europas größter Autohersteller Volkwagen ein Übernahmeangebot für die Münchener vorgelegt und will gemeinsam mit der schwedischen Tochter Scania eine Lkw-Allianz schmieden, die es mit den Großen der Branche aufnehmen soll. Bereits der Disput um Ferrostaal wurde in Wolfsburg mit Argusaugen beobachtet, da er lange als Hindernis für die geplante Troika galt. VW kontrolliert den schwedischen Nutzfahrzeug-Hersteller Scania und ist mit gut 30% der größte Anteilseigner bei MAN.

VW war für eine Stellungnahme zu den Vorkommnissen bislang nicht erreichbar.