Hauptsitz von Manroland in Offenbach:  Das Unternehmen hält laut seinem CEO Gerd Finkenbeiner eine

Hauptsitz von Manroland in Offenbach: Das Unternehmen hält laut seinem CEO Gerd Finkenbeiner eine Konsolidierung unter den klassischen Druckmaschinenherstellern für wenig sinnvoll (Bild: Manroland).

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Dieser Kurs werde auch vom Mehrheitsaktionär Allianz Capital unterstützt. Es gebe “eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Allianz Capital”, so der Manager. Im vergangenen Jahr machten Spekulationen die Runde, Manroland könnte mit dem größeren Wettbewerber Heidelberger Druckmaschinen zusammengehen, an dem Allianz Capital ebenfalls beteiligt ist. “Diese Gerüchte haben uns schwer geschadet”, erklärte Finkbeiner und wies darauf hin, dass dadurch Kunden verunsichert worden seien.

Überhaupt hält der Manager, der seit 1999 an der Spitze von Manroland steht, eine Konsolidierung unter den klassischen Druckmaschinenherstellern für wenig sinnvoll. Die Zukunft liege im Digitaldruck, und da habe keiner der drei großen Anbieter in Deutschland – neben Heidelberger Druck und Manroland ist dies noch Koenig & Bauer – ein eigenes starkes Geschäftsfeld, sondern agiere über Kooperationen. Manroland werde daher keine Kombination oder Kooperation eingehen, die für das Unternehmen keinen Mehrwert bringe – auch wenn industrielle Investoren “immer interessant” seien.

Auch einem Börsengang steht der Manager mehr oder weniger kritisch gegenüber. Er hält die Branche wenig geeignet für Börsengänge. Manroland hatte bereits einmal einen Anlauf auf das Börsenparkett genommen, das IPO jedoch im Mai 2008 mit Aufkommen der Finanzkrise abgesagt. Das Unternehmen, welches im Juli 2006 vom Lkw-Bauer MAN verkauft wurde, hatte in der Wirtschaftskrise einen erheblichen Geschäftseinbruch verzeichnet. Manroland befindet sich noch mitten in der Restrukturierung, was auch den Abbau hunderter Stellen beinhaltet.

In den ersten sechs Monaten lagen die Auftragseingänge bei 520 Mio Euro, 13% über Vorjahr. Starke Geschäfte verzeichnete der Konzern in China. Im Bogendruck lagen die Aufträge insgesamt um 2% über Vorjahr, der Bereich Rollendruckmaschinen habe 33% mehr Ordereingänge erzielt. Damit liege Manroland auf einem Niveau, “was nicht ganz dem entspricht, was wir uns vorstellen”, gab Finkbeiner zu. Operativ will das Unternehmen in diesem Jahr nach einem Vorjahresverlust von 66 Mio Euro wieder schwarze Zahlen schreiben und einen Umsatz von 1 Mrd Euro erreichen.

Die Vorkrisenwerte bei Umsatz und Auftragseingang werde Manroland jedoch nicht wieder erreichen, schätzt Finkbeiner. Beim Auftragseingang geht der Manager davon aus, dass der Bogendruck bei einem normalen Geschäftsverlauf 75% des Niveaus von 2007 erreichen kann, derzeit sind es 60%. Bei Rollendruckmaschinen hält er das Erreichen von 60% der früheren Aufträge für möglich. Aktuell sind es 45% bis 50%.

Das Dienstleistungsgeschäft will Finkbeiner ausbauen. Dieses wachse derzeit mit 6% bis 7% pro Jahr und damit stärker als der klassische Druckmaschinenbaubereich. Dennoch hält der Vorstandsvorsitzende den Verbund von Bogen- und Rollendruckmaschinen für zukunftsträchtig.