Hauptverwaltung von Manroland in Offenbach: Der Insolvenzerwalter hat eine eventuelle Aufspaltung

Hauptverwaltung von Manroland in Offenbach: Der Insolvenzerwalter hat eine eventuelle Aufspaltung des Unternehmens in die Bereiche Zeitungsdruck und Bogenoffset angedeutet (Bild: Manroland).

HAMBURG (Dow Jones/ks)–Angesichts des überschaubaren Marktes könne er aber keine Namen nennen, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider der “Financial Times Deutschland” (FTD – Dienstagausgabe). “Die Ernsthaftigkeit der Interessenten muss erst noch geprüft werden. Wir werden in dieser und in der nächsten Woche noch erste Gespräche führen.” Schneider und der als Generalbevollmächtigte für die Restrukturierung neu ins Management berufene Anwalt Frank Kebekus stehen dabei unter Zeitdruck. Nachdem das Management am Freitag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet hat, braucht der Konzern mit Sitz in Augsburg nun vor allem Geld, um Lieferanten bei der Stange zu halten und den Kunden eine Perspektive aufzuzeigen. Der 68-jährige Insolvenzspezialist Schneider geht von einem Massekredit in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe aus, um den Betrieb fortzusetzen.

Hierzu soll es am Dienstag erste Gespräche mit Banken geben. “Es wäre ungewöhnlich, wenn ich den Massekredit nicht bekommen sollte”, sagte Schneider. Möglichst bis Ende der Woche möchte Schneider die Finanzierung fest vereinbart haben.

Die Produktion an allen drei Standorten soll nach Informationen des “Handelsblatts” vorerst weiterlaufen. Die 6500 Beschäftigten in Augsburg, Offenbach und Plauen erhielten nun drei Monate lang Insolvenzgeld. Mitarbeiter, die bislang in Kurzarbeit waren, würden wieder voll beschäftigt.

Schneider deutete an, dass es zu einer Aufspaltung des Konzerns mit 6.500 Beschäftigten in die Bereiche Zeitungsdruck und Bogenoffset kommen könnte. “Eine getrennte Lösung wäre einfacher”, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter. “Anpassungen in kleineren Einheiten sind leichter.” Zu den Details der voraussichtlichen Sanierungsschritte könnten noch keine Angaben gemacht werden.

Zum Verlauf der weiteren Gespräche sagte Schneider, dass es das Hauptziel sei, bis zur formellen Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. Februar eine Investorenlösung zu präsentieren. “Ich wünsche mir, dass es bis dahin eine Lösung gibt, mit einem neuen Eigentümer.” Nach Wegfall des Insolvenzgeldes wäre es andernfalls nicht einfach, weiter Aufträge zu erhalten.

Für Schneider ist die Besonderheit des Verfahrens die industriepolitische Komponente. Schließlich handele es sich um die Pleite des Weltmarktführers für Zeitungsdruckmaschinen. “Braucht die Welt drei Anbieter dieser Art, oder nur zwei, oder kommt irgendwann die Druck-Deutschland-AG?”, fragt Schneider. Neben Manroland dominieren aktuell Heidelberger Druckmaschinen und Koenig & Bauer den deutschen Druckmaschinenmarkt.