Der Strukturwandel in der Druckbranche macht nicht nur Manroland das Leben schwer: Die Marktgröße

Der Strukturwandel in der Druckbranche macht nicht nur Manroland das Leben schwer: Die Marktgröße liegt bei nur noch 50% des Niveaus vor Beginn der Krise 2008 (Bild: Manroland).

Von Natali Schwab, Dow Jones Newswires

AUGSBURG (ks)–Das zuständige Amtsgericht bestätigte den Eingang des Antrages auf Insolvenz, der derzeit geprüft wird. Eine Entscheidung des Gerichts liegt noch nicht vor. Dabei strebt das Unternehmen eine Sanierung wesentlicher Unternehmensteile in Eigenregie an, wie Manroland mitteilte. Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Werner Schneider wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt und Rechtsanwalt Frank Kebekus zum Generalbevollmächtigten für die Restrukturierung benannt.

Vor einigen Tagen war bereits bekannt geworden, dass die Eigner der Nummer 3 der Branche – Allianz und MAN – Optionen für den angeschlagenen Druckmaschinenhersteller sondieren. Allianz hält rund 75% und MAN rund 23%. Dabei hatten sie auch mit einem potenziellen strategischen Investor verhandelt. Dieser habe sich aber “überraschend zurückgezogen”, sagte nun der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Kerner. “Gescheitert sind alle Lösungen an mangelnder finanzieller Unterstützung”, so Kerner, welcher der IG Metall angehört und die Arbeitnehmerinteressen im Aufsichtsrat von Manroland vertritt. Dabei kritisierte er die Anteilseigner: “Vor allem aber waren die Altgesellschafter MAN und Allianz nicht zu weiterer Unterstützung bereit.”

Manroland erklärte, Auslöser für den Gang zum Insolvenzrichter sei der erneute dramatische Einbruch im Auftragseingang seit Mitte Juli gewesen, der sich zuletzt nochmals beschleunigt habe. Das Interesse der Kunden sei da, jedoch erschwere die Finanzkrise die Finanzierungsmöglichkeiten. Zudem beklagte das Unternehmen den hohen Wettbewerbsdruck. Die Marktgröße liege bei nur noch 50% des Niveaus vor Beginn der ersten Krise 2008.

Der stellvertretende Aufsichtsratsvoritzende Kerner betonte, im Mittelpunkt stehe jetzt die Sicherung von möglichst vielen Arbeitsplätzen. Er forderte Allianz und MAN auf, “daran mit erheblicher finanzieller Unterstützung mitzuwirken.” Von der Insolvenz betroffen sind rund 6.500 Arbeitsplätze, davon 5.000 in Deutschland.

Das Unternehmen, das auf eine über 160-jährige Geschichte zurückblicken kann, schreibt seit längerem rote Zahlen. Von der durch die Wirtschaftskrise ausgelösten Rezession im Jahr 2008 hat sich der Konzern wie seine Konkurrenten Heidelberger Druck oder Koenig & Bauer (KBA) trotz Stellenabbau und Restrukturierungsprogramm noch nicht wieder erholt.

Zart sprießende Hoffnungen auf bessere Geschäfte, die im Sommer in der Branche noch vorherrschten, wurden im Herbst durch die sich eintrübende Konjunktur wieder zunichte gemacht. Alle drei Druckmaschinenbauer mussten von ihren Ergebniszielen für das laufende Jahr Abstand nehmen. Als einziger der drei erwartet KBA noch schwarze Zahlen.

Dabei sind es auch strukturelle Sorgen, welche die Branche umtreiben. Der zunehmend wichtiger werdende Digitaldruck sowie der Schwenk der Werbe- und Zeitungslandschaft hin zum Internet sorgen für Einbußen im klassischen Rollen- und Bogendruckmaschinengeschäft. Vor allem im Geschäft mit Rollendruckmaschinen, die im Zeitungsgeschäft zum Einsatz kommen, ist Manroland stark und hier sogar Weltmarktführer, während die Nummer 1 der Branche, Heidelberger Druck, stärker im Bogendruck vertreten ist.

Spekulationen über eine Konsolidierung der Industrie gab es aufgrund der Überkapazitäten immer wieder. Eine Fusion von Manroland und Heidelberger Druck, an der die Allianz ebenfalls beteiligt ist, scheiterte aber in der letzten Krise auf der Zielgeraden.

Die IG Metall fordert nun einen Zukunftsplan für Manroland: “Wir fordern die Gläubiger, Anteilseigner und den Vorstand auf, mit der IG Metall und den Betriebsräten gemeinsam an einem Fortführungskonzept zu arbeiten”, sagte die Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Offenbach, Marita Weber. In Offenbach beschäftigt der Konzern rund 1.900 Arbeitnehmer.

Auch sie übte scharfe Kritik: “Seit Jahren hat die IG Metall Vorschläge und Konzepte für die Zukunft der drei deutschen Hersteller in der Druckmaschinenbranche vorgelegt, die gemeinsam den Weltmarkt weitgehend beherrschen.” Diese Lösungen seien von den Vorständen und Anteilseignern immer wieder “aus Kurzsichtigkeit” torpediert worden.

Die IG Metall in Bayern forderte zudem die Bayerische Staatsregierung auf, “ihre Möglichkeiten aktiv auszuschöpfen”.

Während nun tausende Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze bangen, reagierten die Aktien der börsennotierten Konkurrenten Heidelberger Druck und KBA am Freitag mit Kursgewinnen auf die Entwicklung bei Manroland. Vor allem Heidelberger Druck, die vor einigen Wochen selbst wegen eines zunehmend schwachen Geschäftsumfeldes erneut ein hartes Restrukturierungsprogramm vorgelegt hatte, wird als Nutznießer der Insolvenz gesehen.

Mit einem Wettbewerber weniger auf dem Markt, so spekulieren etwa die Analysten von Equinet, könnte der Preisdruck in der Branche nachlassen, der den Unternehmen zu schaffen macht. Manroland sei “aggressiv” in der Preisgestaltung und habe Kunden äußerst günstige Finanzierungsmöglichkeiten geboten.

Zudem könnten die Wettbewerber auf Kosten der Augsburger weitere Marktanteile gewinnen. Sollte Manroland etwa vom Markt verschwinden, so könnte dies mittelfristig zusätzliche Umsätze von 150 Mio bis 200 Mio Euro für Heidelberger Druck bedeuten, rechnet Equinet vor. Insgesamt, so folgern die Analysten, würde sich ein Wegfallen von Manroland trotz des derzeit schwierigen Umfeldes positiv auf das Geschäft und die Profitabilität der Konkurrenz auswirken.

Die Aktien von Heidelberger Druck legten am Freitagnachmittag um mehr als 12% auf 1,46 Euro zu, KBA gewannen immerhin noch knapp 6% auf 10,59 Euro.