Die IG Metall wirft der Politik Untätigkeit bei der Insolvenz von Manroland und der Krise der

Die IG Metall wirft der Politik Untätigkeit bei der Insolvenz von Manroland und der Krise der deutschen Druckmaschinenkrise insgesamt vor (Bild: Imago).

Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (Dow Jones)–Die Offenbacher “Manroländer” beispielsweise zogen vor das Allianz-Gebäude in Frankfurt und machten ihrem Unmut Luft. Man wisse zwar um die Schwierigkeiten des Unternehmens und der Branche, schimpfte IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild, die Eigentümer hätten sich jedoch aus ihrer Verantwortung gestohlen: “Das akzeptieren wir nicht”. Manroland habe an allen Standorten eine Zukunft, so Schild. Nun müssten Eigner, Banken, Politik und Arbeitnehmervertreter gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter eine industrielle Strategie erarbeiten, forderte er.

Gewerkschaftsführer Berthold Huber warf der Politik Untätigkeit bei der Insolvenz von Manroland und der Krise der deutschen Druckmaschinenkrise insgesamt vor: “Die Manroland-Beschäftigten gehen auf die Straße, weil ihre und tausende weiterer Arbeitsplätze in der Druckmaschinenindustrie auf der Kippe stehen und der Bundeswirtschaftsminister schaut tatenlos aus Berlin zu”, kritisierte Huber. Jetzt sei eine aktive Industriepolitik nötig.

Manroland hatte Ende vergangener Woche den Antrag auf die Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt, nachdem die Übernahmeverhandlungen mit dem Schweizer Investoren Capvis auf der Zielgeraden gescheitert waren. Die Eigner, die Allianz-Tochter ACP sowie der Nutzfahrzeug- und Maschinenhersteller MAN, wollen das seit geraumer Zeit defizitäre Unternehmen mit seinen noch rund 6.500 Mitarbeitern nicht mehr weiter alimentieren.

Die Arbeitnehmerseite hatte die Gesellschafter in den vergangenen Tagen deswegen scharf kritisiert. Die Manroland-Insolvenz ist die größte in Deutschland seit der Pleite des Handelskonzerns Arcandor im Jahr 2009. Der Beteiligungsgesellschaft Capvis waren die Zahlen des Druckmaschinenherstellers zu schlecht, eine Sanierung wäre somit zu teuer geworden.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Werner Schneider ernannt, der sich unter anderem durch seine Arbeit bei den Insolvenzverfahren des Anlagenbauers Böwe Systec und der Walter Bau AG einen Namen machte. Sein Ziel ist es nach eigenem Bekunden, bis zur förmlichen Eröffnung des Manroland-Verfahrens am 1. Februar eine Investorenlösung zu präsentieren.

Eine Aufspaltung des rund 160 Jahre alten Traditonsunternehmens in die Bereich Rollen- und Bogenoffsetdruck gilt in Branchenkreisen als mögliches Szenario, um einem Käufer die Geschäfte schmackhaft zu machen. Auch Schneider schloss eine solche Option nicht aus. Bereits Anfang der Woche liefen nach seiner Aussage erste Gespräche mit potenziellen Interessenten. Namen wurden bislang nicht bekannt.

Die Branche, in der Manroland nach Heidelberger Druck und Koenig & Bauer die Nummer Drei ist, hat schwer mit der momentan schwierigen Wirtschaftslage zu kämpfen. Denn Unsicherheit ist Gift für die konjunktursensible Industrie, da Kunden in unsicheren Zeiten große Investitionen – wie eben für teure Druckmaschinen – nicht selten auf die lange Bank schieben. Zudem schränkt die prekäre Lage an den Finanzmärkten die Finanzierungsmöglichkeiten der potenziellen Käufer ein.

Neben den aktuellen Marktturbulenzen macht der einstigen deutschen Vorzeige-Branche auch ein seit Jahren anhaltender Strukturwandel zu schaffen: Die zunehmende Bedeutung des Internets – sowohl in der Werbung als auch in der Medienwelt – kostet die Hersteller von klassischen Bogen- und Rollendruckmaschinen seit geraumer Zeit Geschäft, da immer mehr traditionelle Printinhalte ins Internet abwandern. Der Markt ist seit 2008 um nahezu die Hälfte geschrumpft.

Die schwere Branchenkrise hatte die deutschen Konkurrenten in verschiedendsten Szenarien über ein Zusammengehen verhandeln lassen. Im Herbst 2009 war die Fusion von Weltmarktführer HeidelDruck und Manroland allerdings kurz vor der Ziellinie gescheitert. Der Branchenprimus konnte damals nur durch Staatshilfen vor der Pleite gerettet werden.