VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner. Bild: VDMA

VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner. Bild: VDMA

„Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau konnte 2010 seine Produktion um 8,8 Prozent steigern“, erklärte VDMA Präsident Dr. Thomas Lindner anlässlich der VDMA Jahrespressekonferenz heute in Frankfurt. Damit wurde die Produktionsprognose von sechs Prozent vom September 2010 noch einmal deutlich übertroffen.
FRANKFURT (ilk). „Seit Sommer 2009 sehen wir beim Auftragseingang eine beispiellose Aufholjagd, die bislang lediglich in den Monaten September/Oktober 2010 durch eine kurze Atempause unterbrochen wurde.“ Der Branchenumsatz stieg 2010 auf 174 Milliarden Euro (2009: 161,1 Milliarden Euro). Die Kapazitätsauslastung lag 2010 im Schnitt bei 79,8 Prozent (2009: 72,5 Prozent).
Hinter der Durchschnittsentwicklung der Maschinenbauindustrie verbirgt sich auf Fachzweigebene weiterhin eine breite Streuung. „So sind die Umsätze in einigen Maschinenbau-Branchen, wie beispielsweise Bau- und Baustoff-maschinen oder Druck- und Papiertechnik erst auf einen zaghaften Erholungskurs eingeschwenkt und weit entfernt von ihren „Tops“ der Jahre 2006 bis 2008“, betonte der VDMA Präsident. „Andere wie Hütten- und Walzwerkseinrichtungen, Power Systems, Elektrische Automation oder Bergbaumaschinen haben ihre ehemaligen Top-Levels dagegen bereits teils sehr deutlich übertroffen. Sei es, weil sie als Anlagenbauer die Auftragspolster aus den Boomzeiten noch abarbeiten konnten. Sei es, weil viele Kunden nach der Krise sehr zügig zur Tagesordnung übergegangen sind und Engpässe bei der Versorgung schon wieder das Tagesgeschäft beherrschen.“
Im Dezember 2010 hat der Auftragseingang – mit real plus 44 Prozent über dem Ergebnis des Vorjahres – deutlich Fahrt aufgenommen. Das Inlandsgeschäft stieg um 38 Prozent. Bei der Auslandsnachfrage gab es ein Plus von 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau. In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich Oktober bis Dezember 2010 ergibt sich insgesamt ein Plus von 40 Prozent im Vorjahresvergleich, bei den Inlandsaufträgen ein Plus von 29 Prozent und bei den Auslandsaufträgen ein Plus von 45 Prozent. Insgesamt haben die Maschinenbestellungen 2010 um real 36 Prozent zugelegt (Inland plus 29 Prozent, Ausland plus 39 Prozent).
Der Export lag 2010 geschätzt bei 123 Milliarden Euro (2009: 110,9 Milliarden Euro). Die Exportquote stieg 2010 auf 74,8 Prozent (2009: 73,6 Prozent). Deutsche Exporteure profitierten insbesondere von Chinas Wachstumsplänen. Der Absatz ins Reich der Mitte kletterte von Januar bis November 2010 um fast ein Drittel auf 13,7 Milliarden Euro (2009: 10,3 Milliarden Euro). Bereits 2009 hatten die Chinesen die USA als wichtigster Absatzmarkt der deutschen Maschinenexporteure überholt. Die USA erhielten im gleichen Zeitraum (Januar bis November 2010) Lieferungen im Wert von neun Milliarden Euro und landeten damit auf Platz 2, gefolgt von Frankreich (7,2 Milliarden Euro), Russland (5,2 Milliarden Euro) und Italien (4,9 Milliarden Euro). Die größten Exporteure sind die Maschinenbau-Branchen Antriebstechnik, Fördertechnik, Bau- und Baustoffmaschinen, Allgemeine Lufttechnik, und Armaturen.
„Die generell gute Performance Deutschlands schlägt sich natürlich auch in der Beschäftigtenentwicklung unserer Branche nieder“, betonte der VDMA Präsident. Die Zahl der Beschäftigten in den Stammbelegschaften lag zum Jahresende 2010 bei geschätzt 912.000 Personen. Damit stieg die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit Mai 2010 um circa 10.000 Personen. „Unsere Strategie, Beschäftigung zu halten und so einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften vorzubeugen, ist aufgegangen. Das ist zweifelsfrei das Verdienst aller Beteiligten, der Arbeitnehmer, der Betriebsräte, der Unternehmen und natürlich auch des Staates beim Thema Kurzarbeit. Die zentrale Rolle, die die Unternehmen und Unternehmer dabei gespielt haben, kommt meines Erachtens in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz. Dies gilt gerade für das Thema Kurzarbeit, das zu über der Hälfte von den Arbeitnehmern und Unternehmen gemeinsam und nicht
nur aus öffentlichen Kassen finanziert wurde. Viele Unternehmer haben sich in einem unerwarteten
und nicht selbstverständlichen Ausmaß auch ganz persönlich gegen viele Widerstände für den Erhalt von Arbeitsplätzen engagiert. Das verdient hohen Respekt“, sagte Lindner.
Für 2011 rechnet der VDMA mit einem weiteren Beschäftigungsaufbau von 20.000 Stellen in der
Stammbelegschaft, also Ende des Jahres mit ca. 932.000 Beschäftigten.
„Für das laufende Jahr 2011 gehen wir von einer Fortsetzung des Aufschwungs aus. Wir rechnen mit einem realen Wachstum der deutschen Maschinenproduktion in der Größenordnung von zehn Prozent“, erklärte der VDMA Präsident. „Ein wesentlicher Teil dieses Zuwachses geht darauf zurück, dass die Produktion bis Ende des Jahres 2010 schon sehr stark angezogen hat – es gibt also einen sogenannten ‚statistischen Überhang’. Mit anderen Worten: Wir sind mit einem gehörigen Schwung in das Neue Jahr gestartet. Einen Schwung, den wir gut gebrauchen können und der hoffentlich noch eine Zeit lang anhalten wird“, so Lindner. „Für den Fall, dass sich diese Prognose erfüllt, werden wir 2011 in Summe aber immer noch neun Prozent unter dem Wert von 2008 liegen.“
„Von der Politik erwarten wir, dass sie es unterlässt, die Belastbarkeit der Wirtschaft zu testen“, erklärte der VDMA Präsident. „Denn die Unternehmen müssen nicht nur die Kosten der Krise verdauen. Wir sehen uns nach der Krise einem beschleunigten Strukturwandel gegenüber, mit entsprechend höheren Anforderungen an unsere Innovationsfähigkeit und an die betriebliche Flexibilität.“
Es sei leichtsinnig, das Instrument der Zeitarbeit massiv zu gefährden, indem man es zur Manövriermasse bei den Verhandlungen zur Reform von Hartz IV mache. „In der Krise hat die Zeitarbeit – neben der Kurzarbeit – maßgeblich dazu beigetragen, dass die Unternehmen ihre Stammbelegschaft auf einem sehr hohen Niveau halten konnten. Das Argument, Zeitarbeitnehmer würden die Stammbelegschaft verdrängen, stimmt also nicht, auch wenn es die Gewerkschaften gebetsmühlenartig wiederholen. Nun, in der Phase des Aufschwungs, ermöglicht Zeitarbeit den Betrieben, die Produktion zügig wieder hochzufahren“, so Lindner.
Falls die Politik den Equal Pay zwangsweise verordne, würde die Zeitarbeit teurer und bürokratischer werden. Opfer einer solchen Politik wären diejenigen, die fast nur über die Zeitarbeit einen sozialversicherungspflichtigen und tarifgebundenen Vollzeitjob finden. „Denn rund zwei Drittel der Zeitarbeitnehmer kommen aus der Arbeitslosigkeit“, so der VDMA Präsident. „Ihnen würde durch eine gesetzliche Verschärfung auch die Möglichkeit genommen, sich über die Zeitarbeit die Fähigkeiten anzueignen, die Voraussetzung für eine dauerhafte Anstellung sind. Denn die Erfahrung zeigt, dass viele Betriebe durchaus Zeitarbeiter übernehmen.“
Die Diskussion um die Einführung einer Frauenquote in Führungsgremien bezeichnete der VDMA Präsident als einen Nebenkriegsschauplatz. Viel wichtiger sei die Frage, wie man es schaffe, das Potential gut ausgebildeter Frauen in der Breite zu mobilisieren. Das zentrale Thema sei dabei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Lindner lobte in diesem Zusammenhang ausdrücklich die in dieser Woche zwischen Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik vereinbarte „Charta für familienbewusste Arbeitszeiten“. „Es freut mich insbesondere, dass hierin deutlich zum Ausdruck kommt: Die bei diesem Thema noch zu machenden Hausaufgaben liegen nicht nur bei den Unternehmen. Sie liegen auch bei der Politik und den Tarifpartnern“, so Lindner.