Der VDMA rechnet mit 4% Produktionswachstum im nächsten Jahr. Als Voraussetzungen für weiteres

Der VDMA rechnet mit 4% Produktionswachstum im nächsten Jahr. Als Voraussetzungen für weiteres Wachstum sieht der Verband aber den effektiven Kampf gegen die Schuldenkrise an. Steuererleichterungen lehnt der VDMA ab (Bild: Electriceye - Fotolia.com).

FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Nominal, sprich nicht preisbereinigt, könne die Branche mit einem Produktionswert von rund 197 Mrd Euro den Rekord aus dem Jahr 2008 von 196 Mrd Euro sogar leicht übertreffen. “Doch der Zieleinlauf wird denkbar knapp”, warnte Lindner vor zuviel Euphorie.

Grundsätzlich rechnet die Maschinenbau- und Anlagenindustrie im kommenden Jahr mit von Monat zu Monat niedrigeren Wachstumsraten. So gebe es Tendenzen einer Überhitzung der Konjunktur in einzelnen Ländern Asiens und Südamerikas, hier würden bereits Kredite verknappt, um dem gegenzusteuern. Zudem hinterließen die anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten ihre Spuren. “Die Kurve der realen Maschinenproduktion dürfte im Jahresverlauf 2012 ihren Höhepunkt erreichen.”

VDMA-Hauptgeschäftsführer Dr. Hannes Hesse zur Verbandsprognose für 2012

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Trotz erster Anzeichen einer Abkühlung der Konjunktur in Deutschland bekräftigte der Verband seine Prognose für das laufende Jahr. Hier geht der VDMA weiterhin von einem Produktionswachstum in einer Größenordnung von 14% aus. Der Produktionswert stiege damit auf 188 Mrd Euro.

Nominal, also nicht preisbereinigt, könnten wir mit rund 197 Milliarden Euro das Top aus dem Jahr 2008 von 196 Milliarden Euro sogar leicht übertreffen. Doch der Zieleinlauf wird denkbar knapp“, betonte Lindner.

Grundsätzlich rechnet die Maschinenbauindustrie im kommenden Jahr mit von Monat zu Monat niedrigeren Wachstumsraten. Einzelne Länder in Asien und Südamerika müssten bereits auf die Kreditbremse treten, um eine weitere konjunkturelle Überhitzung und inflationäre Preissteigerungen zu bekämpfen. Zudem hätten die anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten Spuren hinterlassen. „Das wirkt sich zeitversetzt auf den Auftragseingang des deutschen Maschinenbaus und – mit der üblichen Weichzeichnung – auf Produktion und Umsatz aus“, sagte Lindner. „Die Kurve der realen Maschinenproduktion dürfte im Jahresverlauf 2012 ihren Höhepunkt erreichen.“

Für dieses Jahr bekräftigte der VDMA-Präsident die Verbandsprognose vom April dieses Jahres mit einem Plus von 14%. „Aktuell geht es dem deutschen Maschinenbau im Branchendurchschnitt gut“, sagte der VDMA-Präsident. Der Produktionswert steigt damit auf 188 Mrd Euro (2010: 163 Mrd Euro). Die Produktion von Maschinen und Anlagen legte in Deutschland in den ersten sieben Monaten des Jahres um real 16,4% zu. Die Exporte expandierten im ersten Halbjahr nominal um 18,2%.

„Die Produktionsanlagen waren im Juli zu 89,9 Prozent ausgelastet. Ein Wert, der über dem langjährigen Durchschnitt von 89,4 Prozent liegt“, betonte Lindner. Folglich wurde auch mehr Personal eingestellt. „Zur Jahresmitte zählten 923.000 Menschen zur Stammbelegschaft unserer Branche. Das sind zehntausend Personen mehr als noch vor einem Jahr. Wir liegen voll im Plan“, hob Lindner hervor. Die Branche rechnet für das Jahr 2011 insgesamt mit 933.000 Beschäftigten.

Der Auftragseingang übertraf im Zeitraum Januar bis Juli 2011 sein Vorjahresniveau um insgesamt 21%. „Die Dynamik der Inlandsorders mit plus 19 Prozent steht derjenigen der Auslandsorders mit plus 21 Prozent kaum nach“, so der VDMA Präsident. Allein die Aufträge aus den EU-Partnerländern verbuchten ein vergleichsweise schwaches Plus von 11%. Der Auftragsbestand lag im Juni im Durchschnitt der gesamten Branche bei 5,8 Produktionsmonaten. „Einige Fachzweige bringen es auf zehn und mehr Monate. Dazu zählen Werkzeugmaschinen, PowerSystems, Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik und Bergbaumaschinen“, berichtete Lindner.

Bekämpfung der Euro- und Staatsschuldenkrise ist Voraussetzung für weiteres Wachstum im Maschinenbau

„Wir werden harte und nicht verhandelbare Regeln für das Zurückführen der aus dem Ruder gelaufenen Schuldenstände und Defizitquoten brauchen“, betonte der VDMA Präsident. Er bekräftigte damit die gestrigen Forderungen des VDMA-Hauptgeschäftsführers Dr. Hannes Hesse. „Was wir jetzt brauchen ist – neben der inhaltlichen Kompetenz der Politik – politische Führung. Hier sehe ich eine Bringschuld ausdrücklich auch bei Bundeskanzlerin Merkel“, sagte Lindner. Hier kritisierte Lindner die Politik der Länder der Europäischen Union deutlich. Europa finde derzeit “den richtigen Weg nicht”. Einzelmaßnahmen wie Schuldenbremse, Finanztransaktionssteuer oder europäische Wirtschaftsregierung, wie sie jüngst Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy verkündeten, liefen ins Leere. “Das sind Nachrichten aus dem Wolkenkuckucksheim.” Zum einen seien die Wünsche unerfüllbar, zum anderen fehle der währungspolitische Masterplan.

Er habe “zwei Wünsche”, sagte Lindner. Eine Einigung der Politik, wohin “die Reise eigentlich geht”. Lindner plädierte dabei darauf, die Stabilitätskriterien von Maastricht nicht auszuhebeln, sondern wiederzubeleben und “zu härten”. Zudem verlangte er von den Protagonisten eine klare politische Führung und damit einhergehend einen glaubwürdigen Kurs.

Die gegenwärtigen Turbulenzen an den Finanzmärkten spielten in der realen Wirtschaft der Abnehmerländer, insbesondere in den Wachstumsmärkten, derzeit noch eine geringe Rolle, zeigte sich Lindner sicher. Allerdings räumte er ein, dass es sich dabei um eine “kurzfristige Sicht der Dinge” handele.

Eine Analogie zum Herbst 2008, als die Banken- und Finanzkrise zu einer weltweiten Rezession führte, wollte er nicht ziehen. Der Vergleich “hinke”. Die Unternehmen seien besser und flexibler aufgestellt als damals. Seine Hand dafür ins Feuer legen wollte er jedoch nicht. So seien die Instrumente der Politik limitierter, einen möglichen Absturz der Wirtschaft abzufedern, die fiskalen Spielräume aufgrund der hohen Staatsverschuldungen geringer.

Wie es nach 2012 weitergehen wird, wollte Lindner aufgrund des unsicheren Umfeldes daher noch nicht einschätzen. Als “zentrale Bedingung” für ein weiteres Wachstum der Branche stellte er eine “wirkungsvolle Bekämpfung” der Euro- und Staatsschuldenkrise.

Lindner sprach sich außerdem gegen jede Art von Steuer(senkungs)-politik aus – „insbesondere in Form einer Klientelpolitik, die als Abkehr von der Konsolidierungspolitik interpretiert werden kann. Das heißt nicht, dass wir steuerpolitisch keine Wünsche hätten. Aber sie zielen nicht primär auf Steuersenkungen und natürlich schon gar nicht auf Steuererhöhungen, sondern auf Strukturreformen des Steuersystems. Ich denke dabei zum Beispiel an die steuerliche Verlustrechnung“, so Lindner. Zur Zeit werde den Unternehmen hier eine faire Besteuerung verweigert. „Um eine Besteuerung nach Maßstäben der Leistungsfähigkeit herzustellen, müsste die Mindestbesteuerung aufgehoben und der Verlustrücktrag deutlich aufgestockt werden“, forderte der VDMA Präsident. „So wie sie heute gestaltet ist, kann die Verlustrechnung ausgerechnet in Krisenzeiten zur Extralast für notleidende Unternehmen werden und damit zu einer Bremse für die wirtschaftliche Entwicklung.“