Laut einer EY-Studie wurden in 18 Prozent der deutschen Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren ein größerer Betrugs- oder Korruptionsfall registriert.

Laut einer EY-Studie wurden in 18 Prozent der deutschen Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren ein größerer Betrugs- oder Korruptionsfall registriert. - Bild: Pixabay

Trotz der gestiegenen Zahl entdeckter Delikte halten Deutschlands Manager Korruption in Deutschland nicht für ein generelles Problem: Keiner der befragten deutschen Manager hält Korruption hierzulande für weit verbreitet. In Ländern wie Brasilien (96 Prozent), Kolumbien (94 Prozent) oder Nigeria (90 Prozent) sind korrupte Methoden nach Meinung der dortigen Manager dagegen an der Tagesordnung. Im weltweiten Durchschnitt liegt der Anteil bei 38 Prozent.

Bargeldzahlungen oder eine absichtliche Falschdarstellung von Finanzergebnissen zur Sicherung des Unternehmenserfolges lehnen deutsche Manager durchgehend ab. Im globalen Durchschnitt sieht das anders aus: Da würden 13 Prozent der Manager Barzahlungen leisten und fünf Prozent Finanzergebnisse falsch darstellen. Unterhaltungsdienstleistungen (16 Prozent) oder persönliche Geschenke (2 Prozent) halten aber auch manche deutsche Manager für gerechtfertigt. Weltweit ist der Anteil mit 21 Prozent beziehungsweise 11 Prozent allerdings höher. 

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY), für die über 2.550 Finanzvorstände, Leiter der Revision, der Rechtsabteilung und des Compliance-Managements aus 55 Ländern befragt wurden, davon 50 aus Deutschland.

„Die vergleichsweise hohe Zahl von entdeckten Betrugsfällen in Deutschland ist kein Zeichen für eine überbordende Kriminalität in deutschen Unterneh-men. Sie zeigt vielmehr, dass die in den letzten Jahren hierzulande einge-führten Compliance-Systeme in vielen Fällen greifen“, kommentiert Stefan Heißner, Leiter Fraud Investigation & Dispute Services bei EY, die Ergebnisse.

  • Platz 10: Japan. im Reich der Mitte sind 12 Prozent der befragten Manager der Meinung, in ihrem Land seien korrupte Methoden im Geschäftsleben weit verbreitet

    Platz 10: Japan. Im Reich der aufgehenden Sonne sind 12 Prozent der befragten Manager der Meinung, in ihrem Land seien korrupte Methoden im Geschäftsleben weit verbreitet. - Quelle: EY, Bild: Pixabay

  • Platz 9: China. Laut der Umfrage denken 16 Prozent der befragten chinesischen Manager, dass in China korrupte Methoden im Geschäftsleben häufig vorkommen

    Platz 9: China. Laut der Umfrage denken 16 Prozent der befragten chinesischen Manager, dass in China korrupte Methoden im Geschäftsleben häufig vorkommen. - Quelle: EY, Bild: Pixabay

  • Platz 8: USA. 18 Prozent der Manager, die in den Vereinigten Staaten von Amerika befragt wurden, denken, dass in ihrem Land Korruption im Geschäftsleben Usus ist.

    Platz 8: USA. 18 Prozent der Manager, die in den Vereinigten Staaten von Amerika befragt wurden, denken, dass in ihrem Land Korruption im Geschäftsleben Usus ist. - Quelle: EY, Bild: Pixabay

  • Platz 7: Frankreich. Von den befragten französischen Managern glauben 20 Prozent, dass, geht es um Korruption im Geschäftsleben, ihre Kollegen gerne mal "Oui, je veux" sagen - "Ja, ich will".

    Platz 7: Frankreich. Von den befragten französischen Managern glauben 20 Prozent, dass, geht es um Korruption im Geschäftsleben, ihre Kollegen gerne mal "Oui, je veux" sagen - "Ja, ich will". - Quelle, EY, Bild: Pixabay

  • Platz 6: Spanien. 22 Prozent der befragten spanischen Manager denken, dass in Spanien korrupte Methoden in der Geschäftswelt weit verbreitet sind.

    Platz 6: Spanien. 22 Prozent der befragten spanischen Manager denken, dass in Spanien korrupte Methoden in der Geschäftswelt weit verbreitet sind. - Quelle: EY, Bild: Pixabay

  • Platz 5: Russland. Von den befragten russischen Managern sind 28 Prozent der Auffassung, korrupte Methoden seien in der Geschäftswelt Gang und Gäbe.

    Platz 5: Russland. Von den befragten russischen Managern sind 28 Prozent der Auffassung, korrupte Methoden seien in der Geschäftswelt Gang und Gäbe. - Quelle: EY; Bild: Pixabay

  • Platz 4: Großbritannien. 34 Prozent der in der Umfrage kontaktierten britischen Manager glauben, in ihrer Geschäftswelt seien korrupte Methoden verbreitet.

    Platz 4: Großbritannien. 34 Prozent der in der Umfrage kontaktierten britischen Manager glauben, in ihrer Geschäftswelt seien korrupte Methoden verbreitet. - Quelle: EY, Bild: Pixabay

  • Platz 3: Indien. 40 Prozent der befragten indischen Manager glauben, dass in ihrem Land korrupte Methoden im Geschäftsleben weit verbreitet sind.

    Platz 3: Indien. 40 Prozent der befragten indischen Manager glauben, dass in ihrem Land korrupte Methoden im Geschäftsleben weit verbreitet sind. - Quelle: EY, Bild: Pixabay

  • Platz 2: Italien. In Italien gehen zwei von drei Befragten (68 Prozent) davon aus, dass korrupte Methoden im eigenen Land weit verbreitet sind.

    Platz 2: Italien. In Italien gehen zwei von drei Befragten (68 Prozent) davon aus, dass korrupte Methoden im eigenen Land weit verbreitet sind. - Quelle: EY, Bild: Pixabay

  • Platz 1: Brasilien. Unfassbare 96 Prozent der befragten brasilianischen Manager sind der Überzeugung, dass in ihrem Land korrupte Methoden zum Geschäftsleben fest dazu gehören.

    Platz 1: Brasilien. Unfassbare 96 Prozent der befragten brasilianischen Manager sind der Überzeugung, dass in ihrem Land korrupte Methoden zum Geschäftsleben fest dazu gehören. - Quelle: EY, Bild: Pixabay

  • Und Deutschland? Ganz einfach: Zero, Nada, Niente - keiner der befragten Manager glaubt, dass Korruption im deutschen Geschäftsleben weit verbreitet ist.

    Und Deutschland? Ganz einfach: Zero, Nada, Niente - keiner der befragten Manager glaubt, dass Korruption im deutschen Geschäftsleben weit verbreitet ist. - Quelle: EY, Bild: Pixabay

„Wo funktionierende Überwachungsprozesse im Einsatz sind, da wird auch mehr aufgeklärt, auch wenn es insgesamt gesehen gar nicht so viele Betrugs- und Korruptionsfälle gibt“, so Heißner. In Ländern, in denen überwiegend Kommissar Zufall bei der Entdeckung von Betrugs- und Korruptionsfällen beteiligt sei, liege die Dunkelziffer von Compliance-Fällen bedeutend höher als in Ländern mit einer stärker ausgeprägten Compliance-Kultur. „Die deutsche Wirtschaft ist inzwischen im internationalen Vergleich bei Compliance-Themen gut aufgestellt“, stellt Heißner fest. 

Dennoch gebe es auch für deutsche Unternehmen keinen Grund, sich zurückzulehnen: „Der Kampf gegen Betrug und Korruption ist keine Einmalaktion – er muss fortlaufend geführt und Teil der Firmenkultur werden. Mitarbeiter müssen regelmäßig geschult und sensibilisiert werden. Und das Management muss eine Null-Toleranz-Politik vorleben“, mahnt Heißner.

Jüngere eher zu unethischem Verhalten bereit

Dass ein ethisches und mit Recht und Gesetz zu vereinbarendes Geschäftsgebaren keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt insbesondere die höhere Bereitschaft der jüngeren Generation zu unethischem Verhalten: Jeder fünfte Befragte unter 35 Jahren weltweit würde Geldzahlungen leisten, um das Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten. Unter den Managern über 35 Jahren sagt das nur jeder Achte.

„In den vergangenen Jahren gab es einige große öffentlichkeitswirksame Compliance-Fälle“, so Heißner. „Dennoch führt das offensichtlich nicht zu einem nachhaltigen Bewusstseinswandel, sonst müsste die jüngere Generation deutlich sensibler auf das Thema reagieren. Möglicherweise hat der Druck auf junge Manager aufgrund des höheren Tempos im Wirtschaftsleben und des stärkeren globalen Wettbewerbs zugenommen.“ 

Heißner rät Unternehmen „Dampf aus dem Kessel“ zu nehmen und junge Manager nicht mit überzogenen Zielvorgaben zu unethischem Verhalten zu verleiten. „Nicht alles, was zu Geschäftsabschlüssen führt, ist auch erstrebenswert. Im Gegenteil: Unethisches oder sogar illegales Geschäftsgebaren für den kurzfristigen Erfolg, kann sich langfristig extrem negativ auf das Unternehmen auswirken.“

Betrug und Korruption zweitgrößtes Risiko für Unternehmenserfolg

Diese Einschätzung teilen auch zahlreiche deutsche Manager: 36 Prozent sind der Ansicht, das Betrug und Korruption das größte Risiko für den Geschäftserfolg darstellen. Damit ist es aus Managersicht zusammen mit dem makroökonomischen Umfeld das zweitgrößte Risiko. Lediglich Cyber-Attacken (56 Prozent) werden von noch mehr Befragten als großes Risiko für den Unternehmenserfolg gewertet.

 „Es sollte jedem Mitarbeiter klar gemacht werden: Wer besticht oder betrügt, handelt nicht im Interesse des Unternehmens. Im Gegenteil: Er schadet ihm massiv – mitunter können aufgedeckte Fälle den Fortbestand des ganzen Unternehmens gefährden, abgesehen von dem eigenen persönlichen Risiko“, stellt Heißner klar.

International haben mehr Unternehmen klare Strafen

Allerdings hinkt Deutschland im internationalen Vergleich – trotz der hohen Aufdeckungsquote – noch bei der Sanktionierung von Verstößen hinterher: In sieben von zehn Unternehmen gibt es klare Sanktionen bei einem Verstoß gegen die unternehmenseigenen Compliance-Regeln. International sanktionieren knapp acht von zehn Unternehmen derartige Verstöße. 

So wurden in den vergangenen zwei Jahren in 54 Prozent der deutschen Unternehmen Mitarbeiter, die sich nicht an die Compliance-Regeln hielten, sanktioniert. Weltweit ist der Anteil mit 57 Prozent leicht höher. Besonders kompromisslos zeigten sich die japanischen und US-amerikanischen Unternehmen, von denen 80 beziehungsweise 76 Prozent Mitarbeiter bei Compliance-Verstößen sanktionierten. 

„Die Unternehmenskultur fördert ehrliches Geschäftsgebaren. Doch es braucht auch die andere Seite:  Eine klare Sanktionierung, falls es zu Verstößen kommt. Daran lässt sich erst erkennen, wie ernst es die Geschäftsführung mit der Compliance nimmt. Unternehmen sollten sich hier klare Regeln geben und auch strikt auf deren Umsetzung achten“, so Heißner abschließend.

EY