Kley: "Wir stehen in den Startlöchern für weiteres Wachstum" - Bild: VCI

Kley: "Wir stehen in den Startlöchern für weiteres Wachstum" - Bild: VCI

Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck setzt nach einem gewaltigen Konzernumbau mit Milliardenzukäufen und einer wichtigen Partnerschaft im Pharmabereich zunehmend auf die eigene Stärke.

Das Unternehmen habe mittlerweile nicht nur starke Unternehmensbereiche etabliert, sondern Innovations- und Wachstumsplattformen. “In allen unseren Geschäften können wir nun aus eigener Kraft wachsen”, sagte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley auf der Hauptversammlung.

“Wir stehen in den Startlöchern für weiteres Wachstum”, erklärte der Manager. Merck sei effizienter, schneller und flexibler geworden. Mit den drei Unternehmensbereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials sei der Konzern jetzt stark aufgestellt.

Die größte Akquisition in der Firmengeschichte

Der Kauf des US-Laborausrüsters Sigma Aldrich für 13 Milliarden Euro, ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern. Die letzten kartellrechtlichen Freigaben stehen noch aus. Das Unternehmen müsse sich an einen streng regulierten Prozess halten, sagte Kley. Zur Jahresmitte soll die Übernahme nach derzeitigen Planungen vollzogen werden. Der Unternehmensbereich Life Science beschäftige sich intensiv mit der Übernahme und der Planung der Integration, sagte Kley.

Die Übernahme von Sigma-Aldrich werde das Life-Science-Geschäft auf eine neue Basis stellen, erklärte der Manager. Derzeit besteht es aus Millipore. 2010 kauften die Darmstädter den US-Laborausrüster für umgerechnet 5,3 Milliarden Euro. Sie wurden damit zu einem wichtigen Zulieferer für die Life-Science-Industrie. Ziel sei, den Anteil von Merck am Life-Science-Markt in den USA auszubauen, erklärte der Konzernlenker. Zudem soll in Schwellenländern, insbesondere in China, die Präsenz gestärkt werden.

Die Weichen für die Zukunft hat Merck gestellt

Vor allem die Allianz mit Pfizer in der Immunonkologie stimmen Kley zuversichtlich. Mitte November hatte Merck eine weltweite strategische Partnerschaft mit dem US-Konkurrenten bekannt gegeben. Bis zu 20 Studien sollen dieses Jahr starten, wie Kley sagte. Sie befassen sich unter anderem mit der Bekämpfung von Nieren- und Blasenkrebs. Sechs davon seien zulassungsrelevant. Eine erste Phase-III-Zulassungsstudie bei Lungenkrebs sei bereits initiiert worden. Bei den bestehenden Medikamenten will Merck vor allem an dem anhaltenden Wachstum in Asien und Lateinamerika partizipieren.

Kampf um die Marktführerschaft

Im Chemiegeschäft will Merck die Marktführerschaft bei Flüssigkristallen verteidigen. Weiterentwicklungen und neue Anwendungen sollen dazu beitragen. Die Lebensdauer einer Flüssigkristallmischung liege unter drei Jahren, sagte Kley. Die Sparte hat Merck ebenfalls mit einem großen Zukauf gestärkt. Für zwei Milliarden Euro kauften sie im Vorjahr den britischen Spezialisten für hochwertige Elektronikchemikalien AZ Electonic Materials. Damit war es gelungen, das Angebot mit Flüssigkristallen um neue Technologien in angrenzenden Geschäftsfeldern zu erweitern.

Die Jahresprognosen bestätigte der Konzernlenker. Erwartet wird weiter ein leichter Anstieg des Umsatzes, des EBITDA vor Sondereinflüssen und des Business-Free-Cash-Flow. Sollte die Übernahme von Sigma-Aldrich wie geplant zur Jahresmitte vollzogen werden, wird das Wachstum höher ausfallen. In diesem Fall rechnet Merck weiter beim Umsatz mit zweistelligen Wachstumsraten. Auch das EBITDA vor Sondereinflüssen und der Business-Free-Cash-Flow würden dann gegenüber 2014 sehr stark steigen.

Dow Jones Newswires/Andrea Hecht