Gesamtmetall-Chefvolkswirt Dr. Michael Stahl: “Das spürbar gedämpfte Tempo deutet eher auf eine

Gesamtmetall-Chefvolkswirt Dr. Michael Stahl: “Das spürbar gedämpfte Tempo deutet eher auf eine nachlassende Wachstumsdynamik hin.“ (Bild: Gesamtmetall)

Die Metall- und Elektroindustrie spürt im Juli eine leichte Abkühlung. Die Auftragseingänge aus dem Ausland gingen um 8,1 % zurück, aus dem Inland stiegen sich noch um 4,4 %.

Gunnar Knüpffer

Berlin. Bisher war die so genannte Realwirtschaft unbeeindruckt von dem, was sich an den Aktienmärkten abspielte. Beobachter rieben sich die Augen ob der Abstürze der Börsenkurse, denn gleichzeitig liefen die Geschäfte auf Hochtouren.Doch jetzt erfahren die Firmen von Gesamtmetall, dass sich die Finanzmarktturbulenzen aufs Tagesgeschäft auswirken.
So gingen die Auftragseingänge der Metall- und Elektroindustrie im Juli saisonbereinigt um 3 % gegenüber dem Vormonat zurück. Die Bestellungen aus dem Ausland verringerten sich sogar um 8,1 %, während die Inlandsnachfrage immerhin noch um 4,4 % anstieg. Auch im Zwei-Monats-Vergleich ergibt sich nur ein marginales Plus von 0,4 %.
Gesamtmetall-Chefvolkswirt Dr. Michael Stahl versucht die Zahlen zwar zu relativieren: Großaufträge aus dem In- und Ausland hätten in den vergangenen Monaten die einzelnen Monatswerte verzerrt. Doch Stahl stellt auch fest: „Das spürbar gedämpfte Tempo bei den Aufträgen deutet eher auf eine nachlassende Wachstumsdynamik in der Branche hin.“ Nicht auszuschließen sei, dass sich die gewachsene Unsicherheit auf den Finanzmärkten auch beim Auftragseingang der kommenden Monate widerspiegelt.
Die Produktion der Metall- und Elektroindustrie war im Juli überraschend kräftig um 6,4 % (saisonbereinigt) gegenüber dem Vormonat gestiegen. Besonders der Fahrzeugbau ragte heraus mit einem Wachstum um 11 %. Laut Gesamtmetall-Chefvolkswirt Stahl könnte das starke Juli-Wachstum zum Teil auf Effekte der Ferienzeit zurückzuführen sein. Allerdings spiegelten sich in den positiven Zahlen auch die gestiegenen Auftragseingänge vom Jahresanfang wider, die jetzt abgearbeitet würden. Im Zweimonatsvergleich Juni/Juli gegenüber April/Mai legte die Produktion der Metall- und Elektroindustrie um 2,3 % zu.
Derzeit beurteilen die Unternehmen die Entwicklung bis zum Jahresende laut Gesamtmetall skeptischer: Die Geschäftserwartungen waren im August zum sechsten Mal in Folge rückläufig und rutschten erstmals seit zwei Jahren wieder ins Negative. Die globalen Risiken sind nach Einschätzung von Gesamtmetall weiter sehr erheblich: China müsse seine Inflation bekämpfen, die USA müssten ihre Verschuldung angehen und die EU-Staatsschuldenkrise verschärfe sich. Gesamtmetall: „Das alles schafft Unsicherheit an den Börsen und hat Turbulenzen ausgelöst, die auch die Realwirtschaft treffen, wenn sie länger andauern.“