In Großunternehmen sind nicht nur der Nachholbedarf, sondern auch die Schwierigkeiten am größten,

In Großunternehmen sind nicht nur der Nachholbedarf, sondern auch die Schwierigkeiten am größten, freie Führungspositionen mit Frauen zu besetzen (Bild: Iosif Szasz-Fabian - Fotolia).

BERLIN (ks). Jeder zweite Betrieb der Metall- und Elektro-Industrie will den Frauenanteil in Führungspositionen weiter ausbauen – allen voran Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten: Von diesen wollen sogar 78% in den nächsten Jahren gezielte Maßnahmen zur Frauenförderung ergreifen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie hervor, an der sich im April und Mai rund 700 Unternehmen mit 800.000 Mitarbeitern beteiligt haben.

In Großunternehmen sind demnach nicht nur der Nachholbedarf, sondern auch die Schwierigkeiten am größten, freie Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. 63% aller Betriebe, aber 78% der Großunternehmen berichten über entsprechende Probleme. 52% aller Betriebe und 71% der Großunternehmen klagen, dass es insgesamt zu wenige weibliche Bewerberinnen gebe. 27 (33)% bemängeln, dass die Bewerberinnen nicht über die nötige ingenieurwissenschaftliche oder naturwissenschaftlich-technische Ausbildung verfügen. Mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie bezeichnen dagegen nur 21 (27)% als Problem.

“Hier zahlt sich das freiwillige Engagement unserer Unternehmen aus, die eine Fülle an flexiblen Arbeitszeitmodellen anbieten”, erklärte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. “Außerdem werben die Verbände seit Jahren mit großem Einsatz für mehr Frauen in den M+E-Berufen, um den Führungskräfte-Pool zu vergrößern. Doch wenn uns Eltern, Lehrer und Politiker nicht darin unterstützen, das Berufswahlverhalten junger Mädchen und Frauen zu verändern, stoßen diese Bemühungen an Grenzen.”

So verharre der Frauenanteil in der M+E-Industrie seit geraumer Zeit bei rund 20%. Auf der unteren Führungsebene seien es sogar nur 10%. “Bei einer so schmalen Basis ist es kein Wunder, dass so wenig nachwächst und wir in Spitzenpositionen nur 8% Frauen haben”, so Kannegiesser.

Anlass zu Besorgnis sei der Umstand, dass sich der Anteil an weiblichen Führungskräften mit zunehmender Hierarchieebene deutlich verringere. “Es darf nicht sein, dass wir auf dem Weg ins Top-Management die Hälfte der Frauen verlieren”, mahnte Kannegiesser. Vermutlich spielten neben fehlenden Betreuungsangeboten auch die Erwerbswünsche der Führungskräfte eine wichtige Rolle. Nach einer Allensbach-Studie sehen nur 31% aller deutschen Frauen in einer Vollzeitstelle das Ideal, mit 59% streben fast doppelt so viele eine Rolle als Mutter mit Teilzeitbeschäftigung an.