Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken.

Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken.

von Michael Pyper

MÜHLTAL. „Die Firmen haben die konjunkturbedingten Flächenkürzungen der Vorveranstaltung zurückgenommen und buchen deutlich größere Stände“, konnte Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken, Ende November auf der Vorpressekonferenz bei der Datron AG in Mühltal bei Darmstadt erleichtert feststellen. Der VDW ist Veranstalter der Metav, die Produktionstechnik „von der einzelnen Maschine bis hin zum kompletten Produktionssystem präsentiert“. Schwerpunkte bilden Werkzeugmaschinen für Zerspanung und Umformung, Fertigungssysteme, Präzisionswerkzeuge, automatisierter Materialfluss, Computertechnologie, Industrieelektronik, Zubehör und Dienstleistungen.

Bis Mitte November hatten sich gut 500 Aussteller aus 22 Ländern angemeldet. Die von ihnen gebuchte Nettoausstellungsfläche übertreffe bereits die der unter der damaligen Finanzkrise leidenden Metav 2010. Besonders optimistisch scheinen die Hersteller von Präzisionswerkzeugen zu sein. Sie beanspruchen gleich 70 % mehr Fläche. Noch nicht übertroffen ist allerdings die Zahl der Aussteller. Sie betrug 2010 700 aus 22 Ländern, mit Stichtag 6. Dezember weist das Ausstellerverzeichnis 520 Aussteller auf. Regionale Schwerpunkte der Messe bildeten, so Schäfer, Deutschland nördlich der Mainlinie und die Benelux-Staaten: „Sie erreicht Fachbesucher aus diesen Regionen, die weder die EMO in Hannover besuchen noch zu AMB nach Stuttgart fahren.“ Umgekehrt locke der Metav-Standort auch die Aussteller, denn für 86 % ist „der Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen als Absatzmarkt interessant und die Metav die wichtigste Veranstaltung, um ihre Kunden dort zu erreichen“.

Punkten will die Metav mit Bewährtem. Das Technologieforum „Zukunftsfähige Zerspanprozesse“ wird neben den klassischen Zielgrößen verstärkt Energie- und Ressourceneffizienz, Lebenszykluskosten oder die gezielte Beeinflussung bzw. Einstellung von Bauteileigenschaften im Zerspanprozess in den Mittelpunkt stellen. Weiterhin zukunftsträchtig erscheint die Medizintechnik. Unter dem Motto „Metal meets Medical“ organisiert Siemens zusammen mit Medienpartnern einen Sonderstand, auf dem Anwendungen der Metallbearbeitung für den boomenden Medizintechnikmarkt unter dem Motto „Vom Unikat bis zur Massenproduktion“ präsentiert werden. In den weiter boomenden Branchen Automobil und Luftfahrt hat die Nase vorn, wer zur Treibstoff­einsparung beitragen kann. Dabei versprechen faserverstärkte Werkstoffe nach wie vor das größte Potenzial, weshalb sich eine Sonderschau mit Vortragsforum speziell mit deren Be- und Verarbeitung beschäftigen wird. Weitere Bereiche wenden sich an den Nachwuchs oder zeigen die besondere Produktionskompetenz im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus ist eine Fachtagung zur „Produktionstechnik als Kriterium für mehr Elektromobilität“ geplant.

Maschinenbau geht positiv gestimmt in 2012

Messen sind immer auch ein Konjunkturbarometer. Und da hatte der VDW trotz zuletzt gewisser Abflachungserscheinungen gute Nachrichten: „Die Firmen sind voll ausgelastet und schieben einen hohen Auftragsbestand von fast zehn Monaten vor sich her.“ Im laufenden Jahr wachse die Produktion in Europa um ein Viertel auf 21 Mrd Euro. Davon profitiere Deutschland überdurchschnittlich. Die VDW-Prognose: gut ein Drittel Zuwachs auf 9,5 Mrd Euro. Entsprechend positiv entwickle sich auch der Markt, der in Europa um ein Fünftel auf etwa 14 Mrd Euro zunehmen dürfte. Auch daran partizipiere „der deutsche Werkzeugmaschinenmarkt überproportional mit einem Zuwachs von mehr als einem Drittel auf knapp 5 Mrd Euro“. Ähnlich werde es im kommenden Jahr weitergehen: im ersten Dreivierteljahr 50 % Bestellzuwachs in Europa, 74 % in Deutschland. Dennoch spüre man eine konjunkturelle Beruhigung, doch sei das lediglich auf Basiseffekte durch die schwache Referenzperiode 2010 zurückzuführen. Dr. Wilfried Schäfer: „Wichtige Abnehmerbranchen wie die internationale Automobilindustrie und der Flugzeugbau signalisieren anhaltenden Investitionsbedarf.“