Rheinmetalls Rüstungssparte soll wieder einen Gewinn erwirtschaften. Der Konzernteil war im

Rheinmetalls Rüstungssparte soll wieder einen Gewinn erwirtschaften. Der Konzernteil war im vergangenen Jahr in die Verlustzone geraten - unter anderem wegen des Ausfuhrverbots für ein vom russischen Militär bestelltes Gefechtsübungszentrum. - Bild: Rheinmetall

Auch die Rüstungssparte soll wieder einen Gewinn erwirtschaften. Der Konzernteil war im vergangenen Jahr in die Verlustzone geraten – unter anderem wegen des Ausfuhrverbots für ein vom russischen Militär bestelltes Gefechtsübungszentrum. Vor dem Hintergrund hat Rheinmetall nun das Mittelfristziel der Sparte verschoben.

Unter dem Strich, also nach Steuern und Dritten, erwirtschaftete der Gesamtkonzern nach den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen im vergangenen Jahr einen Gewinn von 18 Millionen Euro. Das Nettoergebnis ging damit im Vergleich zum Vorjahr um rund 38 Prozent zurück. Die Gewinnausschüttung will Rheinmetall angesichts dessen von 40 Cent im vergangenen Jahr auf 30 Cent je Aktie kürzen.

Investoren reagierten darauf am Donnerstag unaufgeregt. Der Kurs der Rheinmetall-Aktie lag zunächst leicht im Plus.

Über Eckdaten des laufenden Geschäfts hatte Rheinmetall schon im Februar berichtet. Der Konzern steigerte seinen Umsatz demnach um rund 6 Prozent auf 4,69 Milliarden Euro. Für das aktuelle Jahr rechnet das Unternehmen nach der am Donnerstag ausgegebenen Prognose mit Erlösen zwischen 4,8 und 5 Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Steuern und Zinsen (bereinigtes EBIT) schrumpfte im vergangenen Jahr von 213 Millionen Euro auf 160 Millionen Euro. Die operative Marge betrug damit rund 3,4 Prozent. Sie soll in diesem Jahr auf etwa 5 Prozent steigen.

Die Kennzahlen des operativen Geschäfts enthalten nicht länger die Ergebnisse des Aluminiumtechnologie-Geschäfts, weil Rheinmetall dieses im vergangenen Jahr in ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem chinesischen Partner einbrachte. Die Vergleichszahlen aus dem Jahr 2013 hat der Konzern entsprechend korrigiert.

Sondereffekte in der Rüstungssparte sorgten für Ergebnisrückgang

Den übrigen Ergebnisrückgang haben vor allem Sondereffekte in der Rüstungssparte ausgelöst – etwa der Exportstopp für das Gefechtsübungszentrum. Rheinmetall musste nach eigenen Angaben zudem Vorsorge treffen für mögliche Gewährleistungsansprüche aus einem Marinewaffenprojekt. Darüber hinaus belastete das Unternehmen etwa eine Buße wegen des Vorwurfs, bei einem Rüstungsgeschäft in Griechenland sei Schmiergeld geflossen. Der Konzern hatte in dem Zusammenhang im Dezember ein Bußgeld und eine Gewinnabschöpfung von zusammen rund 37 Millionen Euro akzeptiert. Bei der Rüstungssparte fiel damit letztlich ein Verlust vor Steuern und Zinsen von 67 Millionen Euro an. Rechnet man Sondereffekte hinaus, lag der Verlust noch bei 9 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 60 Millionen Euro im Vorjahr.

Im Automobilgeschäft erwirtschaftete Rheinmetall dagegen einen Rekordgewinn: Operativ erzielte die Zuliefersparte ein Ergebnis von 184 Millionen Euro, nach 158 Millionen Euro im Vorjahr. Besonders stark wuchs nach Angaben von Rheinmetall das Geschäft der Abteilung Mechatronics. Sie stellt etwa Produkte her, die Autoproduzenten helfen, den Schadstoffausstoß ihrer Fahrzeuge zu reduzieren.

Im angefangenen Jahr soll die Automobilsparte weiter wachsen: Rheinmetall erwartet nach der nun veröffentlichten Prognose ein Umsatzwachstum auf 2,5 bis 2,6 Milliarden Euro, nach 2,45 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Der für das Automobilgeschäft zuständige Konzernteil soll seine operative Rendite von 7,5 Prozent im vergangenen Jahr auf rund 8 Prozent steigern.

Rekord-Auftragsbestand von 6,9 Milliarden Euro

Für das Rüstungsgeschäft erwartet Rheinmetall im laufenden Jahr mit einer EBIT-Rendite von etwa 3 Prozent die Rückkehr in die Gewinnzone. Den Umsatz des Konzernteils, der etwa Panzer herstellt, will Rheinmetall auf einen Wert zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden von 2,24 Milliarden Euro steigern. “Mittelfristig” plant der Konzern für die Sparte, bei der in den vergangenen Jahren stark gespart wurde, nun mit einer Marge von 7 Prozent. Noch im März 2014 war das Unternehmen für 2015 von einer EBIT-Rendite im Verteidigungsgeschäft zwischen 7 und 9 Prozent ausgegangen.

Zum konzernweiten Wachstum dürfte nach Einschätzung von Rheinmetall der Rekord-Auftragsbestand von 6,9 Milliarden Euro beitragen. Der Wert hat sich seit Ende des Vorjahres um rund 500 Millionen Euro erhöht. “Wir werden organisch wachsen und konzentrieren uns voll auf die Verbesserung unserer operativen Performance”, zitierte Rheinmetall am Donnerstag den eigenen Vorstandschef Armin Papperger.

Der Konzern hofft dabei unter anderem auf weltweit steigende Verteidigungsausgaben. Der Modernisierungsbedarf vieler Streitkräfte sei “anhaltend hoch”, schreibt Rheinmetall in seinem Geschäftsbericht. “Zunehmend komplexe Einsatzanforderungen” machten zudem “Investitionen in den Schutz der eigenen Soldaten” nötig. Offen sind allerdings die weiteren Auswirkungen der restriktiveren Waffen-Exportpolitik der Bundesregierung.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke