Montage im Nedcar-Werk in Born in den Niederlanden, das Mitsubishi Ende des Jahres schließen will

Montage im Nedcar-Werk in Born in den Niederlanden, das Mitsubishi Ende des Jahres schließen will (Bild: Nedcar).

Von Yoshio Takahashi, Dow Jones Newswires

TOKIO (Dow Jones)–Mitsubishi ist seit Ausbruch der Finanzkrise der erste Autobauer Japans, der Westeuropa den Rücken zukehrt. Als Grund für den Rückzug nannte Mitsubishi den schärferen weltweiten Wettbewerb und den starken Yen, der insbesondere den exportorientierten japanischen Unternehmen das Leben schwer macht. Der Konzern will seine globale Produktion optimieren und sich stärker auf das Geschäft in den Schwellenländern konzentrieren. In Russland produziert Mitsubishi bereits seit 2010 gemeinsam mit dem französischen Autokonzern PSA Peugeot-Citroen Geländelimousinen, sogenannte SUVs. Ab März will das Unternehmen zudem in Thailand einen neuen Kleinwagen für den Weltmarkt produzieren.

Die Autos für den europäischen Markt will der Autobauer künftig aus Japan und Thailand exportieren. In den Niederlanden produziert Mitsubishi momentan seinen Mittelklassewagen Colt und seine Geländelimousine Outlander. Das Werk mit gut 1.500 Mitarbeitern ist allerdings weniger als zur Hälfte ausgelastet.

Das unkontrollierbare Umfeld für alle Automobilhersteller sorge dafür, dass weitere Investitionen in die Fortführung der Produktion bei NedCar wirtschaftlich nicht vertretbar seien, sagte Mitsubishi-Motors-Präsident Osamu Masuko. Die Fabrik soll aber nicht sofort geschlossen werden. Der Konzern will mit der niederländischen Regierung darüber sprechen, wie der Betrieb – beispielsweise durch einen Verkauf – erhalten werden könnte.

Das Wirtschaftsministerium in Den Haag erklärte derweil, der Tokioter Konzern habe sich bereit erklärt, das Werk für den “symbolischen Betrag von einem Euro” zu verkaufen. Die diplomatischen Vertretungen der Niederlande würden bei der Suche nach einem möglichen Käufer helfen.

Die Regierung erklärte, es sei “sehr enttäuschend, dass Mitsubishi nicht davon überzeugt werden konnte, die Produktion über das Jahresende hinaus fortzusetzen”.

Das betroffene Werk nahe der deutschen Grenze hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Ursprünglich wurden dort Autos für Volvo produziert. Ab 1991 übernahm Mitsubishi dann Stück für Stück die Fertigungsstätte. Zeitweise wurde auch die viersitzige Version des Smart hier in Kooperation mit Daimler gebaut. Zuletzt rollten aber nur noch 47.000 Autos im Jahr aus den Werkstoren, das sind lediglich 4,3% der globalen Produktion von Mitsubishi. Ausgelegt ist das Werk eigentlich für 100.000 Einheiten. Die Japaner hoffen, einen Käufer für NedCar zu finden.