ZF hat 2017 mit einem Rekordumsatz abgeschlossen und will nun kräftig in F&E investieren

ZF hat 2017 mit einem Rekordumsatz abgeschlossen und will nun kräftig in F&E investieren. - Bild: ZF

Die Schulden aus der Übernahme von TRW Automotive hat ZF weiter reduziert und weist – trotz höherer Forschungs- und Entwicklungskosten – ein höheres bereinigtes EBIT von 2,3 Milliarden Euro aus.

„Die mobile Welt dreht sich mit hoher Geschwindigkeit. Um unseren Kunden auch weiterhin zukunftsweisende Lösungen in allen Feldern unseres Mottos ‚See – Think – Act‘ zu bieten, werden wir unsere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung weiter erhöhen“, sagte Scheider.

Im Jahr 2017 hat ZF nach eigener Aussage 2,2 Milliarden Euro dafür aufgewandt, ein Plus von nahezu 15 Prozent gegenüber 2016. Auch in diesem Jahr sollen weltweit erneut deutlich mehr als zwei Milliarden in die Entwicklungsarbeit fließen, um damit Elektroantriebe und die Hybridisierung der Getriebetechnik voranzutreiben und die Fahrzeugsicherheitssysteme sowie das automatisierte Fahren weiterzuentwickeln.

Die sogenannte F&E-Quote wird dadurch von 6,1 Prozent auf etwa 6,5 Prozent in diesem Jahr steigen. Ebenso will ZF die Investitionen in Sachanlagen (2017: 1,4 Milliarden Euro) weiter hochhalten. Geplant sind unter anderem zwei neue Werke für die Produktion von Komponenten für Elektroantriebe.

Video: ZF "Dream Car"

ZF-Umsatz steigt um sechs Prozent

Den Konzernumsatz hat ZF im Jahr 2017 nominal um 3,6 Prozent auf 36,4 Milliarden Euro gesteigert (2016: 35,2 Milliarden Euro). Bereinigt um Wechselkurseinflüsse und M&A-Aktivitäten sind die Umsatzerlöse organisch um sechs Prozent gestiegen. „Dieses Ergebnis ist Ausdruck des Engagements unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unterstreicht deren hohe Motivation“, sagte Scheider. Überdurchschnittliche Umsatzzuwächse gab es in den Divisionen Nutzfahrzeugtechnik (plus 7,2 Prozent) und Pkw-Antriebstechnik (plus 9,3 Prozent).

„Unsere hocheffizienten Pkw-Automatgetriebe tragen mit zur Reduzierung der CO2-Emissionen bei. Sie sind damit eine Schlüsselkomponente zur Erreichung der europäischen Grenzwerte und weltweiten Klimaziele und werden stark nachgefragt. Verbunden mit dem hochintegrierten Elektromotor hat diese Technologie noch hohes Wachstumspotenzial“, betonte Scheider.

Das Wachstum in den Regionen verlief unterschiedlich. In Europa und Nordamerika stiegen die Umsätze jeweils um mehr als drei Prozent, das organische Wachstum von acht Prozent in der Region Asien-Pazifik ermäßigte sich durch negative Währungseffekte des chinesischen Renminbis auf rund zwei Prozent. Nachdem die Wirtschaftskrise in Südamerika weitgehend überwunden zu sein scheint, legten die Umsätze dort, von einer niedrigen Basis ausgehend, signifikant um rund 26 Prozent zu.

Die Mitarbeiterzahl des ZF-Konzerns lag zum Stichtag 31. Dezember 2017 weltweit bei 146.148 (2016: 136.820). Zusätzliche Stellen entstanden vor allem innerhalb der Divisionen Aktive & Passive Sicherheitstechnik, E-Mobility, Pkw-Fahrwerktechnik und Pkw-Antriebstechnik, vor allem in den Ländern China, Mexiko, Portugal, USA und Deutschland. Davon entfallen weltweit rund 1.700 Stellen allein auf den Bereich Forschung und Entwicklung.

Stabile Erträge, höhere Produktivität

ZF-Finanzvorstand Dr. Konstantin Sauer
ZF-Finanzvorstand Dr. Konstantin Sauer. - Bild: ZF

ZF hat im vergangenen Jahr nicht nur seinen Umsatz, sondern auch den Gewinn gesteigert. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg von 2,2 auf 2,3 Milliarden Euro; die bereinigte EBIT-Marge lag mit 6,4 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres. Sowohl Umsatz als auch Gewinn liegen damit am oberen Rand der Anfang 2017 prognostizierten Werte. Der bereinigte Free Cashflow betrug Ende des vergangenen Jahres 1,8 Milliarden Euro (2016: 2,0 Milliarden Euro). Die Eigenkapitalquote hat sich von 21 auf 24,4 Prozent weiter erhöht.

„Wir blicken auf ein wirtschaftlich und finanziell erfolgreiches Jahr zurück“, sagte ZF-Finanzvorstand Dr. Konstantin Sauer. „In einem anspruchsvollen Umfeld haben wir unsere Prozesse und Kostenstrukturen weiter verbessert und sind noch produktiver geworden. Dadurch konnten wir höhere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung finanzieren und gleichzeitig unsere Ergebnisqualität stärken.“

ZF ist es darüber hinaus gelungen, in rund zweieinhalb Jahren nach der Akquisition von TRW Automotive im Mai 2015 die Bruttoschulden bis Ende 2017 nahezu auf die Hälfte des ursprünglichen Betrages auf 6,4 Milliarden Euro zu senken. „Auf Basis des starken Free Cashflows ist es unser Ziel, die Finanzverbindlichkeiten weiter zu reduzieren und auch 2018 die Entschuldung des ZF-Konzerns weiter voranzutreiben“, sagte Sauer.

ZF-Vorstandsvorsitzender Wolf-Henning Scheider
ZF-Vorstandsvorsitzender Wolf-Henning Scheider. - Bild: ZF

Ausblick für das Jahr 2018

In Anbetracht einer weltweit volatileren Marktentwicklung geht ZF-Chef Scheider für 2018 von einem organischen Umsatzwachstum von rund fünf Prozent aus. Durch den in nächster Zeit erwarteten Abschluss des Verkaufs des Geschäftsfelds Fahrzeugbediensysteme (Global Body Control Systems) an Luxshare wird sich der Umsatz anteilig verringern. Vor diesem Hintergrund erwartet ZF einen Konzernumsatz in der Größenordnung von rund 36,5 Milliarden Euro. Wie auch im Vorjahr strebt ZF ein bereinigtes EBIT von rund sechs Prozent und einen bereinigten Free Cashflow von mehr als einer Milliarde Euro an.

Mehr Tempo für Innovationen

Um der hohen Dynamik in der Automobilbranche noch besser gerecht zu werden, will der ZF-Vorstandsvorsitzende Wolf-Henning Scheider die projektbezogene Zusammenarbeit innerhalb des Konzerns forcieren: „Wir stärken den Einsatz bereichsübergreifender Teams mit hoher Eigenständigkeit bei Entscheidungen und der Zusammenarbeit. Sie sind besser in der Lage, sich auf die schnell wechselnden Anforderungen in neuen Technologiefeldern einzustellen. Mit unseren Kunden arbeiten wir in diesen Projekten noch enger und frühzeitiger zusammen, um attraktive Produkte viel schneller in Serie zu bringen. Das bedeutet aber auch, ein Projekt rasch abzubrechen, wenn die Erwartungen nicht erfüllbar sind. Mit diesem Denken ist eine Start-up-Kultur auch in einem großen Konzern möglich.“

ZF-Teams müssten für die Fragen der Zukunft immer wieder neu und strikt nach den jeweils aktuellen Projektanforderungen zusammengestellt werden, um schnell bestmögliche Lösungen für die Kunden zu entwickeln. Beispiele sind mehrere Projekte im Bereich des automatisierten Fahrens. „In Verbindung mit unserer bewährten Entwicklung von Serienprojekten in den angestammten Feldern arbeiten wir damit inzwischen mit einem ‚dualen Betriebssystem‘“, erläuterte Scheider.

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