Daimler Alabama

Das Daimler Werk in Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama. - Bild: Alabama

Die Ankündigung folgt sehr kurz auf Berichte, wonach Trump besonders die Rolle Daimlers beim 15,4 Milliarden US-Dollar hohen Handelsdefizit der USA mit Deutschland im Automobilsektor beklagte. Daimler, BMW und VW exportieren allesamt Autos aus mehreren Fertigungsstandorten in die USA, darunter Deutschland und Mexiko, produzieren aber auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Daimler produziert nach eigenen Angaben einige Modelle in Alabama und will durchaus mehr Teile von Zulieferern vor Ort beziehen. Der Konzern investiere ohnehin weiter kräftig in das Tuscaloosa-Werk. Dort werden etwa SUVs und die C-Klasse für den nordamerikanischen Markt hergestellt.

Vorteile durch lokale Ansiedlung

Aktuell sind laut Daimler etwa 200 in den USA ansässige Zulieferer für das Mercedes-Benz Werk Tuscaloosa tätig. Bei einem Großteil handele es sich um Unternehmen, die Mercedes-Benz nach Tuscaloosa gefolgt sind und eigene Produktionsstätten in den USA gegründet haben. Führende Unternehmen seien beispielsweise die beiden globalen Player Friedrich Boysen und Brose Fahrzeugteile. Mittlerweile exportierten diese Lieferanten auch Komponenten aus den USA in andere Mercedes-Benz Werke weltweit.

Laut der Mitteilung legt Mercedes-Benz auf die lokale Ansiedlung besonderen Wert, die daraus resultierenden Vorteile seien vielfältig: Insgesamt werde die Flexibilität erhöht, die direkte Kommunikation zwischen Mercedes-Benz und seinen Lieferanten verbessert, Transferzeiten verkürzt sowie Fertigungs- und Logistikkosten optimiert. Durch wechselseitige Kooperation werde somit die Lokalisierungsbreite und Lokalisierungstiefe gesteigert.

„Unsere Lieferanten stehen für Innovation und Spitzenqualität. Das gilt natürlich auch für die US-amerikanische Zulieferindustrie“, so Dr. Klaus Zehender, Bereichsvorstand Einkauf und Lieferantenqualität, Mercedes-Benz Cars. „Jetzt stellen wir die Weichen für die Zukunft und schaffen gemeinsam mit unseren Partnern die Grundlagen für eine erfolgreiche Serienfertigung künftiger SUV-Modelle.“

Ford lässt Mexiko-Pläne fallen

Trump hatte die Automobilbranche im Wahlkampf in seiner "America First"-Kampagne besonders herausgestellt. Seit seiner Wahl kritisiert er sowohl heimische als auch ausländische Autobauer für die Fertigung in Mexiko und andernorts sowie den anschließenden Export in die USA. Wiederholt schlug er eine Grenzsteuer vor, woraufhin die Autobauer wieder stärker in den USA sowie in US-Jobs investierten und selbst an der Produktion in Mexiko kürzten. Ford etwa gab Pläne für den Bau einer Fabrik südlich der US-Grenze auf.

Gleich zwei Mal kritisierte Trump Toyota für Pläne, rund 1 Milliarde Dollar in ein neues Werk in Mexiko zu stecken. Bald darauf kündigte der Autohersteller Investitionen in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar in Kentucky an und will womöglich auch darüber hinaus die US-Fertigungskapazitäten aufstocken.

Trump will Nafta neu aushandeln

Anfang Mai sandte das Weiße Haus eine Benachrichtigung an den Kongress, wonach bereits im August Neuverhandlungen über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) beginnen könnten. Der Handelspakt ist 23 Jahre alt und besonders für die Automobilbranche äußerst wichtig.

Daimler nutzt im Vergleich zu den anderen Autobauern einen relativen hohen Anteil von US-Zulieferern. Beispielsweise verwenden die Schwaben für den GLS-SUV aus Alabama zu 60 Prozent Teile aus den USA oder Kanada, so die US-Verkehrsbehörde NHTSA.

Zum Vergleich: Beim Ford Focus sind es nur 40 Prozent und bei GMs Chevrolet Silverado gar nur 38 Prozent. Dagegen kommt Daimler mit der C-Klasse - ebenfalls aus Alabama - auf den Spitzenwert von 80 Prozent US- oder kanadischen Komponentenanteil. Nach eigenen Angaben bezieht Daimler für das Werk in Alabama Komponenten von rund 200 US-Zulieferern.

Diese Autobauer fertigten 2016 die meisten Autos in Mexiko:

  • Insgesamt produzierten die Automobilhersteller im Jahr 2016 gut 3.453.000 Autos in Mexiko. - Bild: Mexiko

    Insgesamt produzierten die Automobilhersteller im Jahr 2016 gut 3.453.000 Autos in Mexiko. - Bild: Mexiko

  • Toyota produzierte 137.500 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 33.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Toyota

    Toyota produzierte 137.500 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 33.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Toyota

  • Kia produzierte 101.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen über 58.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: - Kia

    Kia produzierte 101.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen über 58.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: - Kia

  • Mazda produzierte 148.500 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 55.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: - Mazda

    Mazda produzierte 148.500 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 55.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: - Mazda

  • Honda produzierte 259.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen über 90.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: - Honda

    Honda produzierte 259.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen über 90.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: - Honda

  • Volkswagen produzierte 422.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen über 247.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: VW

    Volkswagen produzierte 422.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen über 247.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: VW

  • Ford produzierte 390.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 102.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Ford

    Ford produzierte 390.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 102.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Ford

  • Fiat-Chrysler (hier im Bild die Tochtermarke Jeep) produzierte 455.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 88.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Fiat-Chrysler

    Fiat-Chrysler (hier im Bild die Tochtermarke Jeep) produzierte 455.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 88.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Fiat-Chrysler

  • General Motors (hier im Bild die Tochtermarke Chevrolet) produzierte 694.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 309.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Toyota

    General Motors (hier im Bild die Tochtermarke Chevrolet) produzierte 694.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 309.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Toyota

  • Nissan produzierte 846.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen mehr als 401.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Toyota

    Nissan produzierte 846.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen mehr als 401.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Toyota

Daimler in den USA Premium-Anbieter Nummer eins

Die Fabrik soll gerade für 1,3 Milliarden Dollar erweitert werden. Insgesamt hat der Konzern seit Eröffnung des Werks im Jahr 1995 dort schon 4,5 Milliarden Dollar investiert. Vergangenes Jahr liefen in Tuscaloosa mehr als 300.000 Fahrzeuge vom Band. Daimler verkaufte im Vorjahr mit rund 380.000 Stück so viele Autos in den USA wie noch nie in der Firmenhistorie. Damit sind die Schwaben in den USA die Nummer eins unter den Premium-Anbietern.