„Wie kann man eine neue Generation an Querdenkern entwickeln?“, fragte Professor Bick von ROI, in der Xpertiso-Lernfabrik. - Bild: Xpertiso

„Wie kann man eine neue Generation an Querdenkern entwickeln?“, fragte Professor Bick von ROI in der Xpertiso-Lernfabrik. - Bild: Xpertiso

Die Fragen der Teilnehmer machten deutlich, dass es in vielen Firmen noch eine große Unklarheit gibt, wie man Qualifikation im Umfeld von Industrie 4.0 angehen soll.

Xpertiso-Geschäftsleiterin Rosalind Hungerland empfiehlt, sich beim Qualifikationsbedarf für einen kurzen Planungshorizont von sechs Monaten zu entscheiden, der an Veränderungen angepasst wird.

„Ein Umdenken ist auch deshalb nötig, weil Qualifikationspläne meist top-down gemacht wurden. Die HR-Abteilung kann das gar nicht mehr vorgeben, sondern der Bedarf muss aus der Organisation kommen“, so Hungerland. Basis dafür sei eine Vorstellung davon, was die Firma mit Industrie 4.0 erreichen will sowie eine Roadmap.

„Viele Unternehmen sagen, sie wollen erst mal nur das Thema Smart Factory angehen, darüber Industrie 4.0 kennenlernen und dann überlegen, welche Auswirkungen das auf Produkte haben kann“, berichtet die Expertin. Neben dem Willen entscheidet auch die zeitliche Kapazität der Mitarbeiter.

„Wenn Sie wirklich etwas zum Thema Digitalisierung machen wollen, lautet die Grundregel eins: Personifizieren Sie es und geben sie den Leuten die Freiheit, die sie brauchen“, rät Professor Werner Bick, Generalbevollmächtigter von ROI Management Consulting. „In Zukunft wird es digitale Werkzeuge geben, die den Lean-Methoden-Baukasten ergänzen, zum Beispiel Assistenzsysteme oder E-Kanban-Systeme“, sagt Bick und nennt als Beispiel das E-Kanban bei BMW.

„Es ist nicht die Frage ob, sondern wann das kommt, und die Mitarbeiter müssen geschult werden, damit sie die Werkzeuge mitentwickeln können“, meint Bick. Die Berührungsängste seien kleiner, als man glaubt. Vor allem die Generationen Y und Z erwarteten digitale Werkzeuge, darauf sollten Arbeitgeber vorbereitet sein, so der Experte.

Professor Werner Bick, Generalbevollmächtigter von ROI Management Consulting.
Professor Werner Bick: „Es wird digitale Werkzeuge geben, die den Lean-Methoden-Baukasten ergänzen.“ - Bild: Xpertiso

Auch beim Thema Product to Service ist der Qualifikationsbedarf groß. „An die Entwickler werden neue Anforderungen gestellt, sie müssen bedenken, welche Software, Services und Geschäftsmodelle mit dem Produkt verbunden werden können. Man muss schon im Produktdesign einen Schritt voraus sein, Vertrieb und Produktion einbinden, integrativ und interaktiv die ganze Kette im Blick haben“, so Bick.

Dafür brauche es einen neuen Typus an Entwicklern, Mechatroniker mit Geschäftsmodell-Know-how. Die Unis würden sich schwertun, ihr Studienangebot weiterzuentwickeln und den Kundenfokus zu vermitteln. Angesichts von disruptiven Geschäftsmodellen stelle sich die Frage: „Wie kann man eine neue Generation an Querdenkern entwickeln, die über den Tellerrand schaut und überlegt, was sich mit den digitalisierten Instrumenten anfangen lässt?“

Xpertiso

Lernfabriken und In-House-Trainings

Das Trainingsangebot Xpertiso vom verlag moderne industrie und der ROI Management Consulting AG besteht aus Lernfabriken und In-House-Trainings.

Über die Simulationen in der Lernfabrik erfahren die Teilnehmer, wie sich disruptive neue Technologien nutzen lassen. Bisher gibt es Lernfabriken in München und Prag, ein weiterer Standort in China soll folgen. www.xpertiso.de