Jeff Bezos Blue Origin

Projekt New Glenn: Amazon-Chef Jeff Bezos präsentierte Pläne für eine große, wiederverwendbare Rakete, die sowohl Menschen als auch Satelliten in eine hohe Erdumlaufbahn wird schießen können. - Bild: Blue Origin/Amazon

Er präsentierte Pläne für eine große, wiederverwendbare Rakete, die sowohl Menschen als auch Satelliten in eine hohe Erdumlaufbahn wird schießen können. Bezos ist in Bezug auf die strategischen Pläne bei Blue Origin normalerweise für seine Zurückhaltung bekannt.

Die Rakete mit dem Namen New Glenn - benannt nach der Astronauten-Ikone John Glenn - wird über sieben Haupttriebwerke verfügen und aufrecht stehend rund 95 Meter hoch sein. Sollte sie wie geplant bis zum Ende des Jahrzehnts abheben, könnte die größte Version der Rakete Blue Origin auf Augenhöhe mit dem Konkurrenten SpaceX des Milliardärs Elon Musk katapultieren.

Letztlich, so signalisierte Bezos, könnte die für New Glenn entwickelte Technologie es ermöglichen, Raumschiffe für Flüge tief ins Sonnensystem auszustatten.

New Glenn soll "anspruchsvolle Missionen" fliegen

Das kleinere Antriebsmodul "New Shepard", das in einer Kapsel Touristen ins All befördern soll, schrieb letztes Jahr Geschichte, als es bis zum Rand der Atmosphäre aufstieg und wieder senkrecht landete. Bezos, der sich selbst als "Space Geek" seit seiner Teenagerzeit bezeichnet, sich öffentlich zurückhält und bis vor kurzem jegliche Verbindung zu staatlichen Raumfahrtprogrammen vermied, beschrieb die Landung als "einen der großartigsten Momente meines Lebens". Er hielt sich aber öffentlich zurück, bis das Ziel erreicht und dokumentiert war.

John Glenn
John Herschel Glenn Jr. ist ein ehemaliger US-amerikanischer Marineinfanterist, Testpilot, Astronaut und US-Senator. Er war 1962 der erste Amerikaner, der die Erde in einem Raumschiff umkreiste (Quelle: Wikipedia). - Bild: NASA

Jetzt jedoch brach Bezos mit einer ungewöhnlich detaillierte Email und einem Twitter-Eintrag mit seiner eigenen Regel, über die Pläne so lange Stillschweigen zu bewahren, bis sie Früchte tragen. Zu seiner neuen geplanten Rakete schrieb Bezos explizit, sie sei "designt, um kommerzielle Satelliten und Menschen in den Weltraum zu befördern". Eine dreistufige Version mit einem fortschrittlichen Wasserstoffantrieb sei "in der Lage, anspruchsvolle Missionen zu fliegen", jenseits der relativ niedrigen Umlaufbahn der Internationalen Raumstation.

Eine noch stärkere Rakete auf dem Reißbrett andeutend, schloss Bezos seine Mail mit derselben Art von allumfassender Vision der Weltraumerforschung, die seinen Konkurrenten Musk in den letzten Jahren zu einer globalen Berühmtheit und einen Vorkämpfer für einen Flug zum Mars gemacht hat: "Unsere Vision ist, dass Millionen von Menschen im Weltraum leben und arbeiten, und New Glenn ist dafür ein wichtiger Schritt", so Bezos. "Es wird natürlich nicht der letzte sein."

Das von Bezos veröffentlichte Material deutet an, dass die neue Rakete in etwa die Größe der Saturn V haben wird, die die Astronauten des Apollo-Programms auf ihrer Reise zum Mond ins All geschossen hat. Die Triebwerke werden eine geringere maximale Schubkraft haben als die Falcon Heavy von SpaceX mit ihren 27 Haupttriebwerken. Dieses Schwerlastsystem sollte eigentlich noch dieses Jahr zu seinem Jungfernflug starten, dieser wurde jedoch wegen der Explosion der kleineren Rakete Falcon 9 bei Bodentests verschoben.

Seitenhieb in Richtung Musk

SpaceX ist die erste Unternehmung - privat oder staatlich - die es erstmals geschafft hat, eine große, benutzte Trägerrakete von einer Orbitalmission zurück auf die Erde zu bringen. Das Unternehmen hat eine Reihe erfolgreicher Landungen auf dem Boden und auf schwimmenden Plattformen durchgeführt.

Zwei Wochen vor einer lang erwarteten Rede, in der Musk seine Pläne für private Marsmissionen vorstellen will, wurde die Ankündigung von Blue Origin von einigen Weltraumexperten als subtiler Seitenhieb auf die manchmal schrillen Pläne von SpaceX gewertet. "Unser Maskottchen ist die Schildkröte", sagte Bezos. "Überlegung und Methode führt zum Sieg und man schafft die Dinge am schnellsten, wenn man nie einen Schritt auslässt."