Audi Produktion in Ingolstadt

In Ingolstadt befindet sich der Stammsitz von Audi. Auch dieses Werk ist nun vom Streik am Standort Györ betroffen. Wichtige Teile-Lieferungen bleiben aus. - Bild: Audi

Seit vergangenem Donnerstag streiken die Arbeiter am ungarischen Audi-Standort Györ. Sie fordern bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Die ungarischen Werker haben die Arbeit für eine Woche niedergelegt. Das hat nun Folgen für Audis Stammsitz in Ingolstadt.

Wie in der Automobilindustrie üblich, organisiert die Volkswagen-Tochter einige Produktionsabläufe "just in time" - das heißt, es werden keine größeren Warenbestände gelagert.

Die Folge: In Ingolstadt fehlen nun Motoren, um weiter Autos zu produzieren. Das bestätigte ein Audi-Sprecher gegenüber der "Augsburger Allgemeinen". Für mindestens zwei Tage muss der Autobauer deshalb die Produktion in Ingolstadt aussetzen.

Mitarbeiter müssen zuhause bleiben

Die in der Produktion tätigen Audi-Mitarbeiter müssen also zunächst zwei Tage zu Hause bleiben. Über eine Hotline werden sie über den aktuellen Stand der Verhandlungen informiert, heißt es seitens des Autobauers.

40 Prozent der Arbeitszeit, die durch den Produktionsstopp ausfallen, werden vom Autobauer auf das Zeitkonto der Werker gut geschrieben - das sei in einer Betriebsvereinbarung geregelt. 60 Prozent des Arbeitsausfalls tragen die Angestellten selbst.

Für Audi dürfte der zweitägige Produktionsausfall empfindliche Verluste bedeuten. Denn einige tausend Autos müssen nun auf ihre Fertigstellung warten. Kunden sollen allerdings keine Auswirkungen zu spüren bekommen, heißt es seitens des Unternehmens.

In Neckarsulm, wo Audi die größeren Modelle bis zum A8 baut, sei die Motorenversorgung noch bis mindestens Mitte der Woche gewährleistet, teilte die VW-Tochter mit. Auch in Brüssel, wo der vollelektrische Audi e-tron gebaut wird, laufe die Produktion gegenwärtig weite

Audi Stammsitz Ingolstadt Luftaufnahme
Das Audi-Werk prägt Ingolstadt. Gut auf der Luftaufnahme zu erkennen: Die schiere Größe des Werks. - Bild: Audi

IG Metall Bayern unterstützt Ungarn

Ob es bald eine Einigung mit den Arbeitern in Györ geben wird, ist noch offen. Derweil unterstützt die IG Metall im Bezirk Bayern die Streiks in Györ (siehe Twitter-Post)

"Gegen ein soziales Europa stehen Konzerne, die ihre Profite mit Billiglöhnen erwirtschaften wollen. Damit droht auch den Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern eine Abwärtsspirale", heißt es in einer Erklärung der bayerischen IG Metall-Geschäftsstellen. Die Gewerkschaft fordert Regierung und Unternehmen auf, das Grundrecht auf Streik zu respektieren.

 

Was die ungarischen Arbeiter fordern

Zusammen mit der Betriebsgewerkschaft AHFSZ fordern die ungarischen Audi-Arbeiter ein transparentes Entgeltsystem. Darüber hinaus verlangen sie im Schnitt 18 Prozent höhere Löhne.

Aktuell erhalten Mitarbeiter in der Montage in Györ durchschnittlich 1.100 Euro brutto monatlich. Laut IG Metall ist das der niedrigste Lohn für Audi-Arbeiter in Europa.  

Audi Werk Györ
Im ungarischen Audi-Werk Györ produzieren die Arbeiter neben Autos auch Motoren, die in verschiedenen Audi-Modellen zum Einsatz kommen. - Bild: Audi

Stellenkürzungen nicht ausgeschlossen

Auch ohne Streik liefen die Geschäfte bei Audi zuletzt nicht so gut wie gewohnt. Kürzlich wurden erste Zahlen für das "Ausnahmejahr", wie das Audi-Management das Jahr 2018 bezeichnet hat, bekannt gegeben: Die Volkswagen-Tochter hat im vergangenen Jahr 3,5 Prozent weniger Autos verkauft als noch 2017.

Die Zahl fiel um mehr als 65.000 Autos weltweit auf nur noch 1,81 Millionen. Besonders deutlich zeigt sich der Einbruch im Dezember mit mehr als 14 Prozent. Im Mai hatten die Verantwortlichen immerhin noch auf "Auslieferungen mindestens auf Vorjahresniveau" gehofft - ein Trugschluss.

Bereits im vergangenen Dezember hat der neue Audi-Chef Bram Schot im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" indirekt Stellenkürzungen nicht ausgeschlossen.

Wenn er sehe, dass das jetzige Produktionsvolumen mit rund 90.000 Mitarbeitern erstellt wird, würde er sagen, es gebe zu viele Arbeitnehmer bei Audi, sagte er. "Jetzt kann man überlegen, mit weniger Leuten zu arbeiten. Oder mit den gleichen Leuten mehr Output zu erzeugen", fügte er an – und stellte klar, dass er die zweite Option bevorzuge. Schot sagte im Interview auch, die vergangenen Jahre des Wachstums hätte "viele verwöhnt und ein bisschen träge gemacht".

Video: Die Audi-Produktion in Ingolstadt

Zahlen und Fakten: Das ist der Audi-Stammsitz Ingolstadt

Audi Ingolstadt ist die größte Produktionsstätte des Konzerns und zweitgrößtes Automobilwerk in Europa mit mehr als einer halben Million produzierter Autos und rund 44.000 Mitarbeitern. Das sind die Eckdaten des Standorts Ingolstadt (Stand: 2017).

  • Gründung: 1949
  • Leitung: Albert Mayer
  • Produktionsvolumen: 538.103 Autos (Stand: 31. Dezember 2017)
  • Grundfläche: 2.737.500 qm
  • Produzierte Modelle:Audi Q2, Audi A3, Audi A3 Sportback, Audi A3 Sportback e-tron, Audi A3 Sportback g-tron, Audi S3, Audi S3 Sportback, Audi RS 3 Sportback, Audi A4 Limousine, Audi A4 Avant, Audi A4 Avant g-tron, Audi S4 Limousine, Audi S4 Avant, Audi A4 allroad quattro, Audi RS4 Avant, Audi A5 Sportback, Audi A5 Sportback g-tron, Audi A5 Coupé, Audi S5 Sportback, Audi S5 Coupé, Audi RS 5 Coupé
  • Mitarbeiter: 44.217 (Stand: 31. Dezember 2017)

 

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