Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn

Der Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn. - Bild: Nissan

Monatelang gingen Nissan-Mitarbeiter diesen vertraulichen Hinweisen nach. Ghosn ist bei den Japanern Verwaltungsratschef und bei Renault gleichzeitig Vorstandschef. Außerdem führt er die gemeinsame Allianz der beiden Autobauer.

Nissan sprach von ernsthaftem Fehlverhalten des in Brasilien geborenen Managers und will ihn wegen Verstößen gegen die Sorgfaltspflicht zum Rückzug drängen - Vorstandschef Hiroto Saikawa werde dies dem Aufsichtsrat vorschlagen, teilte Nissan am Montag in Tokio mit.

Japanische Strafverfolgungsbehörden seien informiert

Renault-Aktien stürzten am Montag in Paris um 12 Prozent auf den tiefsten Stand seit über drei Jahren. Bei der Untersuchung ging es um das Finanzgebaren von Ghosn sowie einem weiteren Manager. Die Ergebnisse hätten neben fehlerhaften Einkommensangaben weiteres Fehlverhalten von Ghosn ans Tageslicht befördert, darunter den persönlichen Gebrauch von Firmeneigentum. Die japanischen Strafverfolgungsbehörden seien von Nissan unterrichtet worden, das Unternehmen kooperiere in vollem Umfang.

Die japanische Zeitung "Asahi" hatte zuvor berichtet, Ghosn wolle mit den Behörden zusammenarbeiten und sei bereits von diesen zur Befragung abgeholt worden. Im japanischen Fernsehsender NHK hieß es, Ghosn sei mittlerweile verhaftet worden. Wie Nissan mitteilte, wurde das Unternehmen durch Hinweise eines Whistleblowers auf die mutmaßlichen Verstöße aufmerksam.

Ghosn gehört zu den schillerndsten Managern in der Autoindustrie. Mit der Allianz aus Renault und Nissan hat der 1954 geborene Manager ein Konglomerat geschaffen, dass mit insgesamt 10,6 Millionen Fahrzeugen pro Jahr mehr Personenwagen und Nutzfahrzeuge im Jahr verkauft als der Volkswagen-Konzern.

Die Allianz gerät in eine schwere Krise

Ghosn hatte erst im Februar eine Vertragsverlängerung als Renault-Chef um vier Jahre bekommen. Die Höhe von Ghosns Gehalt hatte in der Vergangenheit für Auseinandersetzungen mit dem französischen Staat gesorgt. Der heutige Präsident Emmanuel Macron hatte den Autobauer im Jahr 2016 in seiner damaligen Funktion als Wirtschaftsminister bei diesem Thema unter Druck gesetzt, woraufhin Ghosn Zugeständnisse machte. Noch heute besitzt der französische Staat einen Anteil von 15 Prozent an Renault.

Ghosn hatte 1999 von Renault kommend die Spitze von Nissan übernommen, um den verschuldeten Konzern aus der Krise zu führen. 2005 hatte er dann auch die Spitze von Renault übernommen. Die Franzosen sind mit Nissan durch Überkreuz-Beteiligungen verbunden. Bei Nissan gab Ghosn den Posten des Vorstandschefs ab, blieb aber Verwaltungsratschef. Mit den Vorwürfen gerät die Allianz nun in eine schwere Krise.

Renault-Nissan arbeitet auch mit dem deutschen Daimler-Konzern in einer Allianz zusammen, in der die Unternehmen Entwicklungskosten bei bestimmten Fahrzeugtypen teilen und im mexikanischen Aguascalientes ein gemeinsames Werk betreiben. Dort werden Kompaktfahrzeuge der Marken Mercedes-Benz sowie der Nissan-Marke Infiniti gebaut.

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