Prognosekurve

Wie aus dem aktuellen Wirtschaftsausblick der Organisation hervorgeht, hält sie die Investitionsdynamik aber immer noch für zu schwach. - Bild: Pixabay

Umfrageergebnisse deuten laut OECD darauf hin, dass die Unternehmen investieren wollen, vor allem in technologieintensives Kapital. Zudem signalisiere der synchron verlaufende globale Aufschwung eine Nachfrage nach Investitionen, vor allem vor dem Hintergrund der Erosion des Kapitalstocks. "Die erwarteten Investitionsquoten sind jedoch weiterhin zu niedrig, um eine dauerhafte Beschleunigung der Wirtschaftstätigkeit zu ermöglichen", warnt die OECD. Sie rechnet deshalb eher mit einer Mäßigung als mit einem fortgesetzten Anstieg des globalen BIP-Wachstums.

Die OECD erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euroraums 2017 um 2,4 Prozent steigen wird. In ihrem im September veröffentlichten Prognose-Update hatte sie 2,1 Prozent Wachstum vorausgesagt. Für 2018 und 2019 prognostiziert sie 2,1 (zuvor: 1,9) und 1,9 Prozent Wachstum. "Dank Binnen- und Auslandsnachfrage ist das Wachstum breit basiert. Der Lohnauftrieb dürfte gedämpft bleiben, und die Inflation wird sich wohl stärker der Zweiprozentmarke nähern, diese Ende 2019 aber immer noch nicht erreichen", schreibt die OECD. Die Finanzpolitik wird ihrer Einschätzung nach leicht expansiv sein.

Eurozone-Konjunktur kurbelt deutsche Investitionen an

Deutschlands Wirtschaft wird laut OECD in diesem Jahr um 2,5 (2,2) und im kommenden Jahr um 2,3 (2,1) Prozent wachsen. Für 2019 wird ein BIP-Anstieg von 1,9 Prozent erwartet. Die Organisation sieht den Leistungsbilanzüberschuss über alle drei Jahre hinweg bei rund 8 Prozent der Wirtschaftsleistung und rechnet damit, dass die Gesamtverschuldung des Staats in der Maastricht-Definition bis 2019 auf 58 Prozent zurückgehen wird.

In ihrem Bericht schreibt die OECD: "Die Konjunkturbelebung im Euroraum kurbelt die Exporte und die Unternehmensinvestitionen an, ein stärkerer Euro und höhere Löhne könnten jedoch die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen."

Eine niedrige Arbeitslosigkeit und Lohnzuwächse stützten den privaten Konsum, erhöhten allerdings auch den Verbraucherpreisauftrieb. Niedrige Zinssätze und eine kräftige Nachfrage nach Wohnraum, die teilweise auf Zuwanderung zurückzuführen sei, stützten die Wohnungsbauinvestitionen.

Reformen dürften Wachstum in Frankreich stützen

Für Frankreich prognostiziert die OECD 1,8 (1,7) beziehungsweise 1,8 (1,6) Prozent Wachstum für 2017 und 2018 und rechnet für 2019 mit einer Abschwächung auf 1,7 Prozent. Die OECD erwartet, dass eine kräftigere Auslandsnachfrage, eine Erholung der Tourismusbranche, ein gutes Geschäftsklima und Arbeitsplatzschaffung für ein robustes Wirtschaftswachstum sorgen werden. "Senkungen der Unternehmenssteuern und eine Arbeitsmarktreform dürften die Investitionstätigkeit und die Beschäftigung zusätzlich stützen." Die Organisation erwartet, dass Frankreichs Haushaltsdefizit in allen drei Jahren unter 3 Prozent der Wirtschaftsleistung bleiben wird.

In Italien wird laut OECD der private Verbrauch der wichtigste Wachstumsmotor bleiben, wobei auch Investitionen und Exporte zunehmend eine Rolle spiele sollen. Die OECD erwartet BIP-Zuwächse von 1,6 (1,4), 1,5 (1,2) und 1,3 Prozent. Italiens Schuldenstand soll bis 2019 auf 127,7 (2016: 131,9) Prozent zurückgehen.

Für die USA werden 2,2 (2,1), 2,5 (2,4) und 2,1 Prozent Wachstum erwartet. Laut OECD werden die dynamische Entwicklung der Vermögenspreise sowie ein starkes Geschäfts- und Konsumklima das Verbrauchs- und Investitionswachstum fördern. Der Effekt der Verlangsamung des Beschäftigungswachstums auf den Konsum werde teilweise durch das Lohnwachstum ausgeglichen, das sich infolge einer zunehmend angespannten Arbeitsmarktlage beschleunige.

Die Prognosen für Chinas Wirtschaftswachstum ließ die OECD unverändert bei 6,8 und 6,6 Prozent. Für 2019 wird ein BIP-Anstieg von 6,4 Prozent erwartet.

Japan muss wegen Schuldentragfähigkeit Wachstum nachhaltig stärken

Japan gehört zu den wenigen Ländern, deren Wachstumsprognose die OECD leicht senkte. Für 2017 und 2018 werden nun Wachstumsraten von 1,5 (1,6) beziehungsweise 1,2 (1,2) Prozent vorausgesagt. Im Jahr 2019 sieht die OECD das Wachstum bei 1,0 Prozent. In diesem Jahr soll der BIP-Deflator mit einer Jahresrate von 1,0 Prozent steigen, für die Verbraucherpreise wird ein Anstieg von 1,7 Prozent vorausgesagt.

Die OECD sieht in Japans hoher öffentlicher Verschuldung (220 Prozent der Wirtschaftsleistung) ein ernstes Risiko. Derzeit sei die Schuldenlast wegen der Negativzinsen auf Staatsanleihen mit einer Laufzeit von weniger als zehn Jahren begrenzt, was auf Anleihekäufe der japanischen Zentralbank zurückzuführen sei, die nunmehr 41 Prozent der umlaufenden Staatsanleihen halte, erläutert die OECD.

Sie mahnt aber: "Um eine tragfähige Haushaltsposition zu erreichen, sind Maßnahmen zur nachhaltigen Stärkung des Wirtschaftswachstums sowie ein detaillierterer Konsolidierungspfad erforderlich, der unter anderem eine schrittweise Anhebung des Mehrwertsteuersatzes und Maßnahmen zur Eindämmung der Sozialausgaben angesichts der raschen Bevölkerungsalterung umfassen sollte."