Peter Günther, Leiter der Abteilung Technik und  Umwelt beim VDMA:

Peter Günther, Leiter der Abteilung Technik und Umwelt beim VDMA: "Öko-Effizienz ist im B2B-Geschäft längst angekommen." (Bild: VDMA).

von Michaela Neuner

Herr Günther, was haben eine Glühbirne und eine Werkzeugmaschine gemeinsam?
Die Ökodesign-Richtlinie: Beides sind auf ihre Art Produkte mit signifikantem Energieverbrauch. Die ErP-Richtlinie kann ein sehr breites Produktspektrum regeln. Ich würde es aber für sinnvoller halten, man würde sich auf die Produkte konzentrieren, bei denen wirklich Potenzial vorhanden ist. Die gibt es durchaus auch im Maschinenbau. Manchmal stellt sich jedoch die Frage, wird da nicht nur geregelt um der Regelung willen.

Welche Ziele verfolgt der Gesetzgeber mit der Ökodesign-Richtlinie?
So wie wir sie verstehen ist das Ziel der ErP-Richtlinie, Produkte so zu gestalten, dass sie die Umwelt so wenig wie möglich belasten. Über alle Produktlebensphasen von der Herstellung über den Betrieb bis hin zur Entsorgung. Der Energieverbrauch ist dabei nur ein Aspekt von vielen.

Ersetzt die Ökodesign-Richtlinie andere Vorgaben, die schon Bestand haben?
Nein, leider nicht. Gerade von Seiten des europäischen Gesetzgebers haben wir eine ‚Patch-Work-Gesetzgebung’ mit vielen Einzelregelungen – beispielsweise zur Rücknahme von Produkten, zu Produktionsverfahren oder den Betrieb von Anlagen. Würde man die Ökodesign-Richtlinie konsequent durchführen, könnte man eine Reihe anderer Regelungen einsparen. Aber das wird nicht passieren. Allein schon wegen der konkurrierenden Zuständigkeiten innerhalb der EU-Kommission.

Was passiert mit Produkten, die die Standards nicht erfüllen?
Produkte, die diesen Vorschriften nicht entsprechen, dürfen nicht in den europäischen Markt gebracht werden. Die ErP-Richtlinie ist eine Binnenmarktsrichltinie, die für die gesamte EU verbindlich gilt.

Bisher standen vor allem Konsumgüter im Fokus, warum werden jetzt auch Investitionsgüter einbezogen?
Am Anfang standen zwar Konsumgüter wie Bildschirme oder Glühbirnen. Aber die Richtlinie macht keinen Unterschied zwischen einer Glühbirne und einer Papiermaschine. Es sind alles Produkte und deswegen kommen jetzt in einem zweiten Schritt stärker Investitionsgüter zum Zuge. Das ist aus meiner Sicht eine logische Konsequenz.

An komplexe Maschinen kann man kaum dieselben Kriterien anlegen wie an eine Glühbirne. Wie will man so unterschiedliche Produktgruppen regeln?
Ich bin auch gespannt, wie das wird. Bisher lag der Schwerpunkt auf Einzelprodukten – Pumpen, Motoren, Glühbirnen, Fernseher usw. Komplexere Maschinen sind dagegen Systeme. Die Energie-Effizienz eines Systems hängt aber nicht nur von den einzelnen Komponenten ab, sondern auch davon, wie diese zusammenspielen. Für Systeme pfiffige Grenzen zu definieren, ist nicht einfach. Unser Vorschlag wäre, hier Standardbetriebsbedingungen zu definieren.

Welchen Weg geht die ErP-Richtlinie?
Die Richtlinie selbst gibt Ziele vor. Wie man diese erreicht, regeln die Durchführungsmaßnahmen für jedes einzelne Produkt. Es besteht jedoch die Gefahr, dass man bestimmte technische Verfahren festlegt. Wir stimmen zu, dass man anspruchsvolle Zielwerte vorgibt. Aber wie man diese erreicht, das muss dem Hersteller, bzw. den Ingenieuren überlassen bleiben. Gibt man von vornherein bestimmte Techniken vor, dann hemmt das die Innovationskraft. Ein Benchmark-System kann dagegen innovationsfördernd sein.

Wie dringend braucht der Maschinen- und Anlagenbau eine Richtlinie, die Produkte effizienter macht?
Wir haben sicherlich nicht Lobbyarbeit in Brüssel gemacht, um diese Ökodesign-Richtlinie zu bekommen. Ich glaube vielmehr, die Praxis ist schon weiter fortgeschritten. Das Thema ‚Öko-Effizienz und Nachhaltigkeit’ ist im B2B-Geschäft angekommen und der Markt regelt das bereits viel schärfer als es eine gesetzliche Verordnung überhaupt tun kann. Aber wenn man diesen Weg konsequent geht, dann kann die Ökodesign-Richtlinie eine sinnvolle Unterstützung zu dem sein, was die Unternehmen sowieso tun.

aus Produktion Nr. 46, 2011

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