Bohrinsel Öl

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Schon im vergangenen Herbst warnte die US-Investment Bank Goldman Sachs: Der Ölpreis wid unter die Marke von 20 US-Dollar fallen! Im September erschien diese Prognose noch völlig abwegig - jetzt scheint sie sich zu bewahrheiten. Immerhin haben die Notierungen inzwischen schon die 30-Dollar-Marke nach unten durchbrochen. Mit Morgan Stanley prophezeit nun auch die zweite US-Großbank einen Preissturz unter 20 Dollar, wie das 'Handelsblatt' zur Wochenmitte berichtet.

Während die Goldman-Analysten in ihrer Analyse vom Herbst in erster Linie ein Überangebot am Ölmarkt für den erwarteten Preissturz verantwortlich machen, sieht Morgan Stanley inzwischen aber noch einen größeren Preisdrücker für den Ölpreis: der starke US-Dollar.

Da die beiden wichtigsten Ölsorten Brent und WTI beide in Dollar am Weltmarkt gehandelt werden, sind ihre Preise stark abhängig von der Entwicklung der Devise. "Klettert die Währung um fünf Prozent, sinkt der Preis für ein Barrel um zehn bis 25 Prozent. Schließlich verteuert sich mit dem US-Dollar auch das Öl für Länder mit anderen Währungen", zitiert das Handelsblatt die Analysten von Morgan Stanley.

Konkret warnt Morgan Stanley: „Wenn wir uns die derzeitige Aufwertung des US-Dollars anschauen, scheint ein Ölpreis zwischen 20 und 25 US-Dollar durchaus wahrscheinlich.“

Standard Chartered: Sturz auf 10 Dollar ist möglich

Noch pessimistischer als die beiden US-Investmenthäuser gibt sich die britische Bank Standard Chartered: Deren Analysten halten inzwischen gar einen Rückgang des Öl-Preises auf zehn Dollar für möglich. Erst dann würden die Anleger begreifen, dass der Preisverfall übertrieben sei, argumentieren die Experten. Knapp über zehn Dollar lag Brent zuletzt Ende der 1990er-Jahre.

Brent
Preisentwicklung (Monatsmittelwerte) der Rohölsorte UK Brent in den vergangenen dreizehn Monaten. UK Brent ist die für Europa wichtigste Rohölsorte. Der Preis für ein Barrel UK Brent betrug im Mai 2015 durchschnittlich rund 64,08 Dollar.

Russland: Größtes Risiko ist langfristiger Niedrigpreis

Russlands Wirtschaftsminister Alexei Uljukajew geht bereits davon aus, dass die Periode der niedrigen Ölpreise noch lange anhalten wird. "Wir treten in eine neue ökonomische Normalität", sagte er laut der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires bei einer Konferenz. Das größte Risiko für die russische Wirtschaft sei nicht, dass der Ölpreis auf 20 US-Dollar je Barrel falle, sondern dass der Niedrigpreis sich "sehr in die Länge zieht".

Russlands Finanzminister Anton Siluanow äußerte eine ähnliche Einschätzung und sagte, die Ölpreise dürften für eine längere Phase niedrig bleiben. Das Finanzministerium werde den Staatshaushalt dahingehend überprüfen und diesen Aspekt entsprechend berücksichtigen. Die Regierung werde eine Kürzung des Staatshaushalts um 10 Prozent vorschlagen. Russland benötigt nach Siluanows Worten für einen ausgeglichenes Budget einen Ölpreis von 82 Dollar.