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Prof. Günther Schuh, Direktor WLZ der RWTH Aachen: „Wenn ich mit IoT arbeiten will – und das müssen wir morgen alle – dann müssen wir unser wertvolles Wissen in den Domains soweit aufbereiten, dass es digital nutzbar wird. - Bild: Hoffmann

Für Prof. Günther Schuh, Direktor WLZ der RWTH Aachen ging es um die Frage, wie Industrie 4.0 den Unternehmen bei ihren drängendsten Problemen helfen kann und welche Rolle die Ingenieurskunst in der Digitalisierung aussieht. Aus den USA höre er oft, dass der deutsche Ansatz von Industrie 4.0 zu produktionszentriert sei und das Fachwissen, das die Unternehmen so erfolgreich macht, durch die digitalen Analysewerkzeuge und das Internet of Things obsolet werden.

Anhand eines Experiments mit Maschinendaten machte Schuh’s Institut die Probe aufs Exempel. Sein Ergebnis: „Wenn ich mit IoT arbeiten will – und das müssen wir morgen alle – dann müssen wir unser wertvolles Wissen in den Domains soweit aufbereiten, dass es digital nutzbar wird“, so Günther Schuh. Analyse-Tools allein bringen keinen Nutzen. Einig waren sich die Experten, dass es nötig ist, zuvor mit Lean-Methoden aufzuräumen.

Prof. Gunther Reinhart von der Technischen Uni München zitierte einen mittelständischen Unternehmer mit den Worten: „auch ein digitaler Saustall ist ein Saustall“. Er erklärte: „Jedes Unternehmen sollte sich mit dem Thema Industrie 4.0 beschäftigen. Es zu ignorieren, wäre gefährlich für das Unternehmen“.

Auch Günther Schuh riet den Unternehmen, sich ganz auf Industrie 4.0 einzulassen. In der Praxis herrsche noch die Meinung vor, man habe ganz andere, handfeste Probleme. Vor allem gehe noch immer viel Zeit für das „Suchen und Warten“ drauf. Aus Sicht von Schuh bietet Industrie 4.0 jedoch gerade hierfür die Lösung. Auch die Beiträge der Gewinner des Industrie 4.0-Awards zeigten: Die Digitalisierung ist die Antwort. Mit Industrie 4.0 konnten alte CIM-Träume endlich erfüllt werden.

Agilität bedeutet für den Wissenschaftler das bessere Treffen von Kundenbedürfnissen. Wenn sich zum Beispiel alle potentiellen Käufer beschweren, dass die Reifen eines neuen Modells zu schmal sind, müsste der Hersteller in kurzer Zeit das Fahrzeugdesign und die Produktion anpassen. Doch wenn man bei einem Produkt danebengelegen habe, dann fehle es an Agilität. „Man gibt dann auf und die Begründung ist dann häufig, das liege an uns, an der Produktion. Dieses Argument ist heute aber nicht mehr stichhaltig“, so Schuh.

Der Experte riet: „Wir dürfen nicht sagen, dass man den Data Lake oder digitalen Schatten erst bestimmen kann, wenn ich die Anwendung weiß. Man braucht einen generischen digitalen Schatten, sonst ist der Aufwand für eine Anwendung viel zu hoch – durch diese Tür müssen wir alle durch“. Schnellere Entscheidungsprozesse würden nur durch cyber-physische Assistenzsysteme möglich.

Schuh hob vor allem hervor, dass bisherige Ansätze der Produktionsplanung an ihre Grenzen gestoßen seien, und vor allem noch immer mit wenig verlässlichen Schätzwerten gearbeitet werden. „Vergessen sie Planungs- und Entscheidungshierarchien über viele Ebenen, die sind zu langsam“, rief er den Teilnehmern zu. Stattdessen sollten moderne Werkzeuge für die Vernetzung zum Einsatz kommen.

„Technik und Konzepte sind klar, aber in der Breite mangelt es an Menschen, die sich mit Industrie 4.0 befassen wollen“, stellte Prof. Werner Bick von ROI Management Consulting fest. Das Problem sei die mangelnde Erfahrung, sodass sich nicht a priori sagen lasse, welche Ergebnisse sich erzielen lassen. „Es fehlt die Bereitschaft, Mittel bereitzustellen, Mitarbeiter darauf anzusetzen, es wird eher versucht, bei operativen Problemen das Feuer zu löschen“, erklärte Bick.

Wenn, wie eine Studie der „Produktion“ zeigt, gut die Hälfte der Unternehmen der Meinung sei, noch abwarten zu wollen, bestehe die Gefahr, den Anschluss zu verlieren, meint auch Bick. „Das Lernen, die dafür benötigte Latenzzeit, lässt sich nicht mehr aufholen“, konstatierte der Berater.

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