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Die von der Opec - hier das Hauptquartier in Wien - geplante Kappung der Erdöl-Fördermenge ist gefährdet. - Bild: DALIBRI/Wikipedia/CC BY-SA 3.0

Vertreter von Libyen, Iran und Nigeria sagten in der vergangenen Woche, dass sie mehr Öl fördern wollen. Die Steigerung könne um 700.000 Barrel pro Tag über dem Förderniveau von August liegen. Damit würden sie die im September erzielte Übereinkunft torpedieren, wonach die Opec-Mitglieder dem Ölpreiseinbruch ein Ende setzen wollen, indem sie ihre gemeinsame Ölförderung um bis zu 700.000 Barrel pro Tag senken. Es wäre die erste Förderbegrenzung in fast acht Jahren.

Förderung in Iran, Libyen und Nigeria erholt sich

Iran, Libyen und Nigeria wurden von den Beschränkungen ausgenommen, weil sich ihre Ölindustrien gerade erste wieder erholen. Nun könnte das Wiedererstarken ihrer Förderung den Druck auf die anderen Opec-Mitglieder erhöhen, größere Einschnitte vorzunehmen, um die tägliche Förderung des Kartells wie geplant auf 32,5 Millionen bis 33 Millionen Barrel täglich zu beschränken.

In Libyen waren die Ölhäfen wegen jahrelanger Konflikte geschlossen. Inzwischen werden sie von einer bewaffneten Gruppe kontrolliert, die sich bereit erklärt hat, die Häfen wieder zu öffnen. Libyens staatlicher Ölkonzern will zudem derzeit brachliegende Ölfelder an den wieder offenen Erdölhafen Ras Lanuf anbinden, wie zwei Vertreter des Landes sagten. Laut Regierungsvertretern könnte die Förderung gegenüber 300.000 Barrel pro Tag im August - dem Niveau, das die Opec zur Berechnung ihrer neuen Produktionsdeckelung verwendet hat - auf 700.000 Barrel pro Tag steigen.

Der Iran erholt sich derzeit von den jahrelangen Sanktionen des Westens, die sich auch auf die Rohölförderung ausgewirkt haben. Im September lag die Produktion bei 3,7 bis 3,8 Millionen Barrel pro Tag. Das wären mindestens 100.000 Barrel mehr als im August, wie iranische Offizielle sagten. Ihrer Aussage nach strebt das Land eine Förderung von mehr als 4 Millionen Barrel pro Tag an.

Nigerias Ölexporte wurden durch den Diebstahl von Öl und Sabotage von Rebellengruppen gedrückt. Nach Reparaturarbeiten an einer wichtigen Pipeline im vergangenen Monat dürfte die Förderung um 200.000 Barrel pro Tag steigen, wie mit der Sache vertraute Personen sagten. Im August lag sie bei 1,46 Millionen Barrel pro Tag.

Erholung gleicht Senkungen aus

Zusammenaddiert würden die Produktionsanstiege dieser drei Länder die von der Opec geplanten Senkungen ausradieren. Das halte Ölpreise niedrig, schrieb Olivier Jakob, Leiter der Schweizer Beratungsfirma Petromatrix, in einer Studie. Allerdings stieg die Rohölsorte Brent am Montag auf ein Einjahreshoch von 53,19 Dollar je Barrel, nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin signalisiert hatte, dass Russland sich dem Opec-Vorhaben anschließen und die Förderung kürzen könnte.

Die von der Opec im September erzielte Übereinkunft legt nicht fest, um wie viel Barrel jedes ihrer Mitglieder seine Förderung verringern muss. Wie das Ziel genau erreicht werden soll, darauf wollen sich die Mitglieder des Kartells bei einem Treffen im kommenden Monat verständigen. Die Gespräche könnten schwierig werden. Irak hat bereits die Daten kritisiert, die die Opec für ihre Berechnung des Förderniveaus verwendet.

Die Opec verlasse sich auf Daten, wonach der Irak im August 4,3 Millionen Barrel pro Tag gefördert habe - das Land selbst sieht seine Förderung aber um 300.000 Barrel höher. Indem die Opec die niedrigere Zahl verwende, könne sie eine niedrigere Förderkürzung beschließen als eigentlich notwendig wäre. Die irakische Regierung will die Förderung nicht unter 4,75 Millionen Barrel pro Tag einfrieren.

Zweifel bei IEA

Auch die Internationale Energie-Agentur (IEA) sieht die Opec vor einer großen Herausforderung. Während in Algier im Grundsatz beschlossen worden sei, die Förderung zu drosseln, sei der tatsächliche Ausstoß des Rohstoffkartells im September auf ein Rekordhoch von 33,64 Millionen Barrel am Tag gestiegen, erklärte die IEA in ihrem aktuellen Monatsbericht.

Das würde implizieren, dass die Opec-Förderung um 640.000 bis 1,14 Millionen Barrel sinken müsste, um die vereinbarte Obergrenze von 32,5 bis 33,0 Millionen Barrel zu erreichen, rechnete die IEA vor. Der Beschluss von Algier war die erste Opec-Förderkürzung seit acht Jahren.

"Die Opec hat ihre Politik des freien Marktes, die vor fast zwei Jahren in Gang gesetzt wurde, effektiv beendet", meinte die IEA, die die Industrieländer in Energiefragen berät.

Der Irak, dessen Produktion einer größten Streitpunkte in Algier war, förderte im September 4,46 Millionen Barrel am Tag, ein Rekordhoch. Die irakische Förderung ist damit nach IEA-Angaben um 90.000 Barrel gestiegen. Libyen steigerte seinen Ausstoß unterdessen um 70.000 Barrel, Iran um 30.000 Barrel und Nigeria um 20.000 Barrel.

Weitere Förderzuwächse von diesen drei Staaten - die von dem Algier-Abkommen ausgenommen sind - würden nahelegen, dass andere Länder wie Saudi-Arabien größere Einschnitte machten müssten, meinte die IEA. Die Förderung des saudischen Königreichs fiel um 20.000 Barrel auf 10,58 Millionen Barrel am Tag.

Unterdessen hat sich Russlands Präsident Wladimir Putin bereit erklärt, die internationalen Anstrengungen zu einer Eindämmung der Ölförderung zu unterstützen, um die Preise in die Höhe zu treiben. "Wir glauben, dass eine Deckelung oder sogar eine Kürzung der Ölproduktion der einzige Weg ist, um die Stabilität auf dem Energiesektor zu bewahren", sagte Putin bei einer Konferenz in Istanbul.

Es wird erwartet, dass große Ölländer, darunter Saudi-Arabien und Russland, während der Konferenz in Algier in dieser Woche zu Treffen zusammenkommen, um ein vorläufiges Abkommen zur Eindämmung des Ölangebots zu schließen