Opel-Betriebsrat erwartet hartes Auto-Jahr 2011 1

FRANKFURT (Dow Jones/rm). “Nächstes Jahr wird brutal”, sagte der oberste Arbeitnehmervertreter des Rüsselsheimer Traditionsunternehmens im Interview mit Dow Jones Newswires.

Mit neuen Modellen wie dem Stadtflitzer “Junior”, einem Cabrio und einer Neuauflage des Coupés “Calibra” sollten Opel und die Schwestermarke Vauxhall in der Lage sein, mittelfristig Marktanteile zu gewinnen, sagte der Betriebsrat, der zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei der Deutschland-Tochter von General Motors ist.

Die Autoindustrie insgesamt hat sich in den zurückliegenden Monaten überraschend schnell von der Weltwirtschaftskrise erholt, vor allem, weil die Pkw-Nachfrage in Wachstumsregionen, vornehmlich aber in China wieder brummte. Opel ist bisher nur in Europa präsent und konnte davon anders als die Konzernmutter in den USA nicht profitieren.

Auf einigen Opel-Märkten hatten im vergangenen Jahr Abwrackprämien die Nachfrage gestützt. Mittlerweile sind die Programme ausgelaufen, und vor allem aber in der zweiten Jahreshälfte ging der Absatz in Europa deutlich zurück. Opel hat auf dem ohnehin schrumpfenden Kernmarkt noch deutlich Marktanteile eingebüßt.

Besser ging es zuletzt der Opel-Mutter: Mit deutlichen Gewinnen in den ersten neun Monaten gelang General Motors kürzlich eindrucksvoll die Rückkehr an die Börse in New York – weniger als anderthalb Jahre nach der mit milliardenschweren Staatshilfen überstandenen Insolvenz. Gegenwärtig schreibt GM Europe als einzige Region rote Zahlen im Konzern. Das Sorgenkind von GM häufte nach neun Monaten Verluste von 1,2 Mrd USD auf. Auf Gesamtjahressicht wird ein Minus von etwa 2 Mrd USD erwartet.

Zumindest in Sachen Marktanteil sieht Nick Reilly, Vorsitzender des GM-Europageschäfts, eine positive Entwicklung: Vergangene Woche sagte er in einem Interview, dass im Gesamtjahr 2010 europaweit eine leichte Steigerung des Marktanteils möglich sei. 2009 lag er bei 6,4%. Binnen zwei Jahren peilt Reilly für Opel und Vauxhall 7% Marktanteil an. Hier ist Betriebsratschef Franz optimistischer: Mit den neuen Modellen seien 2014 oder 2015 sogar 10% machbar.

Übereinstimmung herrscht zwischen Franz und Reilly, was den Finanzbedarf für den umfassenden Konzernumbau angeht: Auch der Arbeitnehmervertreter glaubt, dass Opel mit weniger auskommt als den ursprünglich erwarteten 3,3 Mrd EUR. Zwar hänge der Finanzbedarf im Wesentlichen von der Entwicklung des europäischen Marktes ab und sei deshalb schwer zu beziffern. Doch seien die Sanierungskosten bis dato um etwa 600 Mio EUR geringer als geplant, weil Opel im Wege des Insourcings Arbeitnehmer beschäftige, die in den nächsten Jahren in Altersteilzeit gehen. So könnten teure Abfindungszahlungen vermieden werden.

Betriebsratschef Klaus Franz war einer der größten Verfechter des geplanten Verkaufs von Opel an ein Konsortium um den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna. Ende 2009 sagte GM das Vorhaben auf der Zielgeraden noch ab, zum Unmut der Regierung, die Opel in der Krise mit Krediten und Bürgschaften vor dem Aus gerettet hatte.

Jetzt saniert GM sein Europageschäft selbst. Bei Opel und Vauxhall sollen rund 8.000 der verbliebenen etwa 48.000 Stellen abgebaut werden, das Werk im belgischen Antwerpen wird geschlossen. Im Gegenzug für ihren Sanierungsbeitrag in Höhe von 265 Mio EUR jährlich haben die Arbeitnehmer durchgesetzt, dass die Adam Opel GmbH wieder in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wird, so dass sie bessere Mitspracherechte bekommen.

Wie Reilly, erklärte auch Franz, dass General Motors Allianzen mit anderen Herstellern inzwischen offener gegenübersteht als noch in der Vergangenheit. Erst in dieser Woche hatten die Rüsselsheimer bekannt gegeben, dass der Nachfolger für den Kleintransporter Combo aus Kostengründen vom italienischen Konkurrenten Fiat gefertigt werden soll. Laut Franz sind weitere Projekte geplant. Namen von möglichen Partnern oder andere Details wollte er nicht nennen.