FRANKFURT (DJ/gk). Überraschende Wende im Fall Opel: Der angeschlagene Automobilhersteller und sein Mutterkonzern General Motors (GM) haben sämtliche Anträge auf Staatsgarantien in Europa zurückgezogen. Die Finanzierung des milliardenschweren Zukunftsplans werde nun “intern geregelt”, damit eine schnelle Umsetzung möglich sei, heißt es in einer Pressemitteilung von Opel und Vauxhall vom Mittwochnachmittag.

“Neue zeitaufwendige, komplexe Verhandlungen und eine weiterhin ungesicherte Finanzierung können wir uns nicht erlauben”, erklärte Opel-Chef Nick Reilly.

Mit der Entscheidung, auf staatliche Unterstützung bei der Sanierung zu verzichten, reagieren Opel und GM auf die in der vergangenen Wochen abgelehnten Staatsbürgschaften aus dem Deutschlandfonds. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle entschied sich gegen Hilfen für die Rüsselheimer, da er die US-Mutter dank der verbesserten Geschäftslage in der Pflicht sieht, die Zukunft der Europa-Tochter selbst zu sichern. Zudem warnte der FDP-Politiker vor Wettbewerbsverzerrungen.

“Die Entscheidung der deutschen Regierung letzte Woche war eine Enttäuschung für uns”, sagte Reilly am Mittwoch. Auch die Tatsache, dass die Länder zuletzt Bereitschaft signalisierten für den Bund einzuspringen, war für den Waliser kein Trost: Mit der Ablehnung von Bundeshilfen hätte sich das Verfahren nach seiner Aussage um weitere Monate verzögert. Dabei sei das gesamte Prozedere schon weit komplexer und langwieriger gewesen als zunächst erwartet.

Seinen Dank richtete Reilly dagegen an die Regierungen in Großbritannien und Spanien. Beide Ländern hatten Hilfen in Höhe von insgesamt gut 600 Mio Euro zugesagt.

Um die Sanierung von Opel und die auf 11 Mrd Euro veranschlagten Investitionen in die Erneuerung der Produktpalette bezahlen zu können, hatte GM rund 1,8 Mrd Euro Staatshilfen in den europäischen Ländern mit Opel- und Vauxhall-Standorten beantragt. Rund 1,1 Mrd EUR sollten in Form von Kreditbürgschaften aus Deutschland kommen. 1,9 Mrd Euro zum gesamten Finanzierungsbedarf von 3,3 Mrd Euro wollte GM bisher selbst beisteuern. Nach dem Ausfall der deutschen Staatshilfen entstand ein Finanzloch von mehreren hundert Millionen Euro.

Die Arbeitnehmerseite begrüßte die Entscheidung von GM, Opel im Alleingang zu sanieren: “Damit hat GM Klarheit geschaffen und beendet die Unsicherheit und Spekulationen für die Beschäftigten sowie die negativen Meldungen, die zur Beschädigung der Marke Opel/Vauxhall beigetragen haben”, ließ Betriebsratschef Klaus Franz mitteilen. Die Zusagen über den Sanierungsbeitrag der Arbeitnehmer von 265 Mio Euro pro Jahr blieben bestehen.

In den vergangenen Wochen hatten die Arbeitnehmer noch davor gewarnt, es seien mindestens zwei der vier deutschen Werke gefährdet, sollte es keine Hilfen vom Bund geben. Opel-Vorstandsvorsitzender Reilly hatte nach dem Nein aus Berlin am vergangenen Mittwoch allerdings eine deutliche Verschärfung des Sanierungsplans ausgeschlossen. Inwiefern die notwendigen Maßnahmen von der heutigen Entscheidung beeinflusst werden, steht noch nicht fest.

Nach den bisherigen Plänen will GM die Kapazitäten von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall um etwa ein Fünftel eindampfen, was europaweit etwa 8 300 von rund 48 000 Stellen kosten wird. In Deutschland sollen etwa 4000 der verbliebenen 25 000 Arbeitsplätze wegfallen.