Opel wandelt sich von einer GmbH wieder zur Aktiengesellschaft. Demnächst will das Traditionsunternehmen die Änderung seiner Rechtsform beantragen. Als Folge könnten sich mehr Mitsprachemöglichkeiten für die Belegschaft und mehr Unabhängigkeit vom Mutterkonzern ergeben.FRANKFURT (Dow Jones/ks)–Erst 2005 war Opel nach 70 Jahren durch General Motors von einer AG in eine GmbH umgewandelt worden. Mit der erneuten Umfirmierung wird eine der zentralen Forderungen der Arbeitnehmer Realität, die diese im Zuge des Pokers um die Sanierung des defizitären Unternehmens als Gegenleistung für ihre millionenschweren Lohnzugeständnisse gestellt hatten.

Die Arbeitnehmer versprechen sich von diesem Schritt größere Mitsprachemöglichkeiten bei der Produktplanung. So soll künftig beispielsweise die Modellplanung von Opel vom Produktplanungs-Ausschuss des Aufsichtsrates beschlossen werden, der sich aus Arbeitnehmern und Vertretern der Kapitalseite zusammensetzt. Zudem hofft man in Rüsselsheim, dass das Opel-Management durch die neue Rechtsform unabhängiger von der Konzernzentrale in Detroit sein wird.

“Die AG ist die angemessene Rechtsform für einen bedeutenden Automobilhersteller. Zugleich stärkt die Firmierung als Aktiengesellschaft die Verantwortung des Opel-Managementteams,” sagte Vorstandsvorsitzender Nick Reilly am Dienstag. “Die Umwandlung ist ein weiterer Schritt auf unserem Weg, Opel neu auszurichten. Mit unserer aktuellen finanziellen Situation liegen wir über Plan, und unsere neuen Produkte werden von Presse und Kunden hervorragend aufgenommen.” Konzernbetriebsratschef Klaus Franz ergänzte, die Umfirmierung sei ein Meilenstein für Opel; die abschließende Verantwortung für Produkte liege jetzt beim Opel-Management.

Nachdem sich GM Ende 2009 überraschend entschieden hatte, Opel doch nicht zu verkaufen sondern in Eigenregie zu restrukturieren, verordnete die US-Mutter ihrer Europa-Tochter eine Sparkur, die das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zurückzuführen soll. Unter anderem sollen rund 8.000 der 43.000 Stellen abgebaut werden. Die verbliebenen Arbeitnehmer erklärten sich nach zähen Verhandlungen unter bestimmten Bedingungen zudem bereit, über Lohnverzicht 265 Mio Euro pro Jahr zur Sanierung beizusteuern.