PEKING (Dow Jones/rm). Dies belastet am Montag die Automobilwerte im DAX deutlich. VW brechen daraufhin um fast 4% auf 123,20 EUR ein, BMW um 3,2% auf 61,25 EUR und Daimler um 3,5% auf 52,20 EUR. Die Ausgabe neuer Autokennzeichen soll auf 240.000 Stück und damit um rund zwei Drittel gegenüber dem Jahr 2010 sinken, wie die Stadtverwaltung bei einer Pressekonferenz am Donnerstag angekündigt hatte. Nur in Peking ansässige Bürger können noch Automobile in der Stadt anmelden, außerdem dürfen während der Stoßzeiten nur noch Fahrzeuge mit einem Pekinger Kennzeichen in der Stadt unterwegs sein.

Yale Zhang, ein unabhängiger Autoanalyst sagte, die Maßnahmen seien schärfer als den Märkten erwartet. “Die Autohersteller müssen wohl ihre Produktions- und Absatzplanung für das nächste Jahr anpassen”, meinte der Experte. Der chinesische Verband der Autohersteller reagierte äußerst verärgert und dessen Vizepräsident Xiong Chuanlin kritisierte die Ankündigung ungewöhnlich offen. Der Verband sei gegen jegliche Beschränkung des Autobesitzes. “Das ist ein negatives Beispiel, andere Städte werden mit Sicherheit folgen”, sagte Xiong. “Der Autosektor ist eine Säule der Industrie.”

Staatliche Medien berichteten, dass die ostchinesischen Provinzregierungen von Jiangsu und Zhejiang überlegten, den Bürgern erst dann einen Autokauf zu gestatten, wenn für das Fahrzeug ein Parkplatz nachgewiesen ist. Viele Pekinger Bürger hatten bereits Beschränkungen erwartet, weshalb es in den letzten Wochen zu einen Ansturm auf die Autogeschäfte gekommen war.

Der Verband der chinesischen Autohändler rechnet wegen des drastischen Eingriffs, dass die Autoverkäufe in Peking im kommenden Jahr um rund 50% auf etwa 400.000 Fahrzeuge einbrechen werden. Allerdings seien in diesem Jahr mit 800.000 Stück ungewöhnlich viele Autos in Peking verkauft worden, weil viele Bürger dem Zulassungsbann zuvorkommen wollten, sagte Vize-Generalsekretär Luo Lei. In normalen Zeiten würden in Peking rund 500.000 Fahrzeuge pro Jahr verkauft. Der deutsche Automobilsektor hatte zuletzt kräftig von der starken Nachfrage aus China profitiert.

Daimler zeigte sich trotz der neuerlichen Beschränkungen in Peking gelassen. Es sei zu früh, über die Auswirkungen auf die Autoverkäufe zu reden, sagte ein Sprecher in China. “Aus heutiger Sicht können wir unsere Aussage zur positiven Entwicklung des chinesischen Premiummarktes klar bestätigen”, sagte er. Die Stuttgarter gehen im Reich der Mitte von einem zweistelligen Wachstum der Verkäufe von Luxusautos aus. Daimler will bis 2015 in China 3 Mrd EUR in den Ausbau ihrer dortigen Produktion investieren. In fünf Jahren will der Stuttgarter Konzern in China 300.000 Mercedes-Benz verkaufen, 200.000 davon sollen in Peking gebaut werden. Von Januar bis November dieses Jahres hat Daimler nach eigenen Angaben 129.500 Wagen an chinesische Kunden übergeben.

“Dies sind nicht die ersten Beschränkungen in Peking”, sagte eine BMW-Sprecherin mit Blick etwa auf das täglich wechselnde Fahrverbot für bestimmte Endnummern auf dem Kennzeichen. Bislang habe dies keine Auswirkungen auf die brummenden Geschäfte der Münchener im Reich der Mitte gehabt. “Die zusätzlichen Maßnahmen kommen nicht überraschend für uns. Noch ist jedoch unklar, wie sie genau umgesetzt werden. Daher können wir heute noch nichts über die Auswirkungen sagen”, betonte die Sprecherin. Von Januar bis November diesen Jahres hatte BMW seine Verkaufszahlen in China auf knapp 153.000 nahezu verdoppelt.