STUTTGART (Dow Jones/rm). Insgesamt will der Sportwagenbauer, der sich bei der gescheiterten Übernahme von Volkswagen hoch verschuldet hat, mit der Ausgabe neuer Aktien 5 Mrd EUR einsammeln. Erst wenn die Stuttgarter ihren Schuldenberg abgebaut haben, dürfen sie als zehnte Marke unter das Dach des Volkswagen-Konzerns schlüpfen. Doch anders als sonst ist die Zustimmung der Aktionäre diesmal keine reine Formsache.

Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch kontrollieren zwar 90% der Stimmrechte. Da Porsche jedoch zu gleichen Teilen Stammaktien und stimmrechtslose Vorzugsaktien ausgeben will, brauchen die Stuttgarter auch ein positives Votum von drei Vierteln der Vorzugsaktionäre. Hier haben die Familien aber nicht das Sagen, sondern professionelle Investoren, große Fonds und viele Privatanleger.

Ob sie bereit sind, Bares nachzulegen, ist keinesfalls sicher: Bei der verlorenen Übernahmeschlacht haben sie viel Geld verloren. Santander-Analyst Klaus Breitenbach sieht durchaus eine reale Gefahr, dass die erforderliche Mehrheit von 75% bei den Vorzugsaktionären verfehlt wird.

Auf Christian Strengers Stimme kann Porsche schon mal nicht zählen. Der Aufsichtsrat der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS und Mitglied der Regierungskommission für gute Unternehmensführung, ist Privatinvestor bei Porsche, fühlt sich aber als Aktionär zweiter Klasse. “Es fehlt der echte Wille zu einem fairen Ausgleich zwischen den Stamm- und den Vorzugsaktionären”, kritisiert er und nennt als Beispiel die Dividende von 10 Cent pro Vorzugsaktionär, die für das vergangene Geschäftsjahr gezahlt werden soll – eine Dividendenrendite von mickrigen 0,2%.

Die Vorzugsaktionäre hätten schon stark unter dem Kursverfall der Porsche-Aktie im Laufe des Übernahmekampfes um Volkswagen gelitten und sollten nun nicht auch noch für die verlorene Schlacht zahlen müssen, findet Strenger. Seit Ende 2007 ist der Porsche-Kurs von damals 184 EUR auf inzwischen 56 EUR abgerutscht.

Die Familien Porsche und Piëch sollen einen anderen Weg finden, das Geld zusammenzukratzen, findet Finanzexperte Strenger. Schließlich hätten sie ihr Autohandelsgeschäft für 3,3 Mrd EUR an Volkswagen verkauft. “Wenn die Kapitalerhöhung nicht durchgeht, ist für die jahrelang darbenden Vorzugsaktionäre nichts verloren.” Die Familienaktionäre werden den Autobauer auch dann nicht in die Pleite stürzen, ist er sich sicher. Das Porsche klamm bei Kasse sei, hält Strenger mit Blick auf das brummende Geschäft ohnehin für übertrieben.

Zählen kann Porsche dagegen auf die Stimme von Fondsmanager Jürgen Meyer von der SEB. Für ihn ist die Kapitalerhöhung die “billigste Art, sich an dem künftig gemeinsam operierenden Autobauer Volkswagen/Porsche zu beteiligen”. Natürlich sei der Ausgang der Klagen in den USA unberechenbar, und auch die ungeklärten Steuerprobleme lasteten auf Porsche.

Schwarzmalerei findet Meyer aber übertrieben. Immerhin gehöre Porsche 51% von Volkswagen, auch wenn das Paket an die Banken verpfändet ist. Und da Porsche künftig Quartalsberichte vorlegt, “kommen sie 2011 auf jeden Fall in den DAX”, frohlockt der Fondsmanager. Meyer hat die Kursschwäche genutzt und den Anteil an Porsche-Aktien in seinem Fonds auf ein Zehntel aufgestockt.

Scheitert die Kapitalerhöhung und kann Porsche die Mitte nächsten Jahres fälligen Kredite nicht zurückzahlen, hätten die Banken spätestens Ende Oktober Zugriff auf die VW-Aktien. Das dürfte nicht im Interesse der Eigentümer sein.

Die Vorzugsaktionäre hätten keine Wahl, als für die Kapitalerhöhung zu stimmen, findet Franz Wagner von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die Fusion komme so oder so, sagt der Aktionärsschützer. Sollten die Anteilseigner das frische Kapital verweigern, könnte Volkswagen ab Ende 2012 für knapp 3,9 Mrd EUR den restlichen Anteil am Sportwagengeschäft von Porsche kaufen. Dann bliebe den Aktionären der Porsche-Dachgesellschaft nur eine “leere Hülle mit einem Prozessrisiko”, sagt Wagner. Unter dem Dach der Porsche Automobil Holding SE sind derzeit die gut 50% an dem operativen Geschäft des Sportwagenbauers und der knapp 51-prozentige Porsche-Anteil an der Volkswagen AG gebündelt.