FRANKFURT (Dow Jones/rm). Für das Ende Juli auslaufende Geschäftsjahr sei mit einem negativen Gesamtergebnis von unter einer 1 Mrd EUR zu rechnen, teilte der Stuttgarter Konzern am Freitag mit.

Bei Veröffentlichung des Halbjahresfinanzberichtes im März hatte das Unternehmen noch vor einem Minus im niedrigen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich gewarnt. Der erwartete Verlust geht vor allem auf Bewertungseffekte im Zusammenhang mit der gescheiterten Volkswagen-Übernahme zurück.

Ein Grund für die zuversichtlicheren Aussichten: Operativ läuft das Geschäft dank des neuen Viertürers Panamera wieder besser. Die Porsche Zwischenholding GmbH, die vor allem aus dem in der AG geführten Sportwagengeschäft besteht, steigerte den Umsatz in den neun Monaten 2009/10 um 11,8% auf 5,2 Mrd EUR. Bei einem nahezu konstanten Absatz von 53.605 Fahrzeugen verdiente Porsche im Sportwagengeschäft operativ 600 Mio EUR. Die Umsatzrendite lag demnach weiter im zweistelligen Prozentbereich.

Der Panamera wurde gut 13.900 Mal verkauft und kompensierte damit den deutlichen Absatzrückgang bei den Modellen 911, Boxster/Cayman und Cayenne. Porsche bekräftigte, dass der Absatz in diesem Geschäftsjahr dank neuer Modelle zumindest leicht steigen soll.

Auf Holdingebene schrieb Porsche von August 2009 bis April 2010 einen Nachsteuerverlust von 700 Mio EUR, nach einem Gewinn von 4,2 Mrd EUR im Vorjahreszeitraum. Allerdings sind die Zahlen kaum vergleichbar, da Porsche im Vorjahreszeitraum massiv von den gehaltenen Volkswagen-Aktienoptionen profitiert hatte. Zudem lastete im Berichtszeitraum die Entkonsolidierung von Volkswagen auf der Ertragslage der Porsche SE.

Der daraus entstandene deutliche Verlust wurde teilweise durch die Einbeziehung der Volkswagen AG als Finanzinvestition kompensiert. Auch die Entkonsolidierung der Porsche Zwischenholding GmbH führte zu einem positiven Ergebnisbeitrag.

Den Sportwagenhersteller drücken nach der gescheiterten Volkswagen-Übernahme noch immer Schulden in Milliardenhöhe: Per Ende April meldete die Holdinggesellschaft am Freitag Verbindlichkeiten von 6 Mrd EUR. Im Vergleich zum Ende des ersten Geschäftshalbjahres blieb die Verschuldung damit nahezu konstant.

Porsche hatte im vergangenen Jahr versucht, die deutlich größere Volkswagen AG zu übernehmen. Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise war den Stuttgartern aber das Geld ausgegangen, und sie verhoben sich bei dem Versuch, den Massenhersteller mit geschickten Optionsgeschäften heimlich unter das Dach ihrer Holding zu bekommen. Im Sommer 2009 stimmte Porsche nach dramatischen Verhandlungen schließlich zu, zehnte Marke unter dem Dach des Wolfsburger Konzerns zu werden.

Diese Transaktion soll nach mehreren Schritten im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Im Dezember hatte VW nach einer milliardenschweren Kapitalerhöhung 49,9% von Porsche übernommen. Die Stuttgarter strichen dabei 3,9 Mrd EUR ein, die sie vor allem zu Schuldentilgung einsetzten.

Im nächsten Schritt soll nun das Kapital der Holdinggesellschaft erhöht werden, wie die Stuttgarter am Freitag bekräftigten. Die Emission, die im ersten Halbjahr 2011 stattfinden soll, wird ein Volumen von mindestens 2,5 Mrd EUR haben.

Laut Porsche sind die Familien Porsche und Piech unter bestimmten Voraussetzungen bereit, neue Stammaktien aus dieser Kapitalerhöhung im Wert von rund 2,5 Mrd EUR zu zeichnen. Zur Finanzierung könnten die Erlöse dienen, die die Porsche-Eignerfamilien aus der Übertragung des operativen Vertriebsgeschäftes der Porsche Holding Salzburg an Volkswagen erzielen. Mit der Kapitalerhöhung soll die erste Tranche eines 8,5 Mrd EUR schweren Konsortialkredits finanziert werden, die zum Ende des ersten Halbjahres fällig wird.

Sollten die Schritte zur Zusammenführung von Porsche und Volkswagen nicht wie geplant erfolgen, könnte bei der Porsche SE nach Rückführung der oben genannten ersten Tranche eine Restverschuldung verbleiben, die gegebenenfalls durch die Veräußerung von Volkswagen-Anteilen abgebaut werden müsste, heißt es im Zwischenbericht. Der Vorstand der Porsche SE – also Martin Winterkorn und Hans-Dieter Pötsch, die auch VW führen – sei jedoch vom Zustandekommen der Verschmelzung überzeugt.