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Der Verfall des Ölpreises und die Folgen der europäischen Währungspolitik machen der Siemens-Spitze um Joe Kaeser Sorgen. Im vergangenen Quartal sackte der Gewinn der Münchner binnen Jahresfrist um ein Viertel auf knapp 1,1 Milliarden Euro ab. - Bild: Siemens

Im Auftaktquartal des laufenden Geschäftsjahres 2014/15 ist Siemens-Chef Joe Kaeser förmlich auf der Ölspur ausgerutscht. Ausgerechnet in der Division Power and Gas, in die Kaeser im vergangenen Jahr viele Milliarden in Zukäufe investiert hat, brach die Marge ein.

11,3 Prozent wurden noch erzielt, ein Jahr zuvor waren es 18,2 Prozent.

Die Division, die zu den umsatzstärksten im Siemens-Konzern gehört, prügelte auch die Gesamtmarge des Konzerns nach unten: 10,2 Prozent (im Vorjahr waren es 11,3 Prozent) wurden noch erreicht. Am unteren Ende des von Kaeser selbst für das Geschäftsjahr vorgegebenen Zielkorridors von zehn bis elf Prozent.

Kaeser deutete weitere Einschnitte in dem Geschäft mit Kraftwerkstechnik an. “Power and Gas benötigt ein deutlich weitreichendes Konzept, um längerfristig zu den früheren Margen zurückzukehren”, sagte er. Die Sparte hat schwer mit den Folgen des niedrigen Ölpreises zu kämpfen. Siemens hat schon den Abbau von rund 1200 Stellen in dem Geschäftsfeld angekündigt. Hinzu kommen weitere Stellenstreichungen, über deren Zahl Kaeser ab Mittwoch mit den Arbeitnehmervertretern verhandeln will.

Margenverfall schlimmer als erwartet

Jefferies Analyst Peter Reilly nennt den Margenverfall bei Power and Gas “schlimmer als erwartet”. Auch die WGZ Bank zeigt sich enttäuscht und reduziert die Gewinnschätzungen für die Münchener. “Aus unserer Sicht dürfte das Umfeld für Siemens insbesondere in der Division Power and Gas im Hinblick auf die rückläufige Ölpreisentwicklung herausfordernd bleiben. Wir haben unsere Gewinnprognose für 2014/15 daher von 7,34 auf 7,08 Euro je Aktie reduziert”, argumentieren die Analysten.

Kaeser gibt sich mit Blick auf Power und Gas unterdessen selbstkritisch: “Es gibt kein anderes Geschäft im Hause mit einem vergleichbar großen Handlungsbedarf – auch deshalb, weil die Zeichen der Zeit nicht ausreichend erkannt wurden, zum Beispiel wachsender Preisdruck und Überkapazitäten.” Köpfe sind in der Konzernzentrale am Wittelsbacher Platz in München bereits gerollt: Divisionschef Roland Fischer, der den Bereich seit 2011 verantwortete, verlässt den Konzern noch in dieser Woche, ließ Siemens am späten Montagabend nach einer Aufsichtsratssitzung wissen.

Milliardeninvestitionen im vergangenen Jahr

Doch es war Kaeser selbst, der Milliarden in den Bereich investierte: Im Herbst kaufte er für die Rekordsumme von 7,6 Milliarden Dollar den Ölindustrieausrüster Dresser Rand, wenige Monate zuvor für 1,3 Milliarden Dollar den Großteil des Energiegeschäftes von Rolls-Royce. Es waren andere Zeiten. Als sich Kaeser Dresser Rand sicherte, kostete das Fass Nordseeöl noch 100 Dollar, jetzt ist das Fass für die Hälfte zu haben.

Noch vor drei Monaten sagte Kaeser, der sinkende Ölpreis fichte ihn nicht an. Am Dienstag, kurz vor Beginn der Hauptversammlung, schlug er andere Töne an. Wegen des niedrigeren Ölpreises erwarte Siemens weniger Aufträge aus diesem Sektor, das sei bereits spürbar.

Infrastrukturprojekte auf Eis?

Kaeser schloss auch nicht aus, dass Öl-exportierende Länder Infrastruktur-Projekte auf Eis legten. Gleichwohl helfe der gesunkene Ölpreis aber auch den Schwellenländern, die mehr in Infrastruktur investieren könnten. “Strukturell bedingt” ist der gesunkene Ölpreis aber nicht, er spiegele vielmehr ein Angebotsüberhang wieder. Er suchte Parallelen zum Jahr 2008, als der Ölpreis binnen kurzer Zeit kollabierte sich dann aber wieder deutlich erholte.

Derweil versuchte Siemens-Finanzchef Ralf Thomas Befürchtungen zu zerstreuen, dass der im starken US-Dollar zu begleichende Kauf von Dresser Rand noch Ungemach nach sich zieht. Wird die Transaktion im Jahresverlauf besiegelt und der Kaufpreis fällig, zahlt eine US-Gesellschaft des deutschen Konzerns, die über ausreichend Landeswährung verfügt. Abschreibungsbedarf ergebe sich – zumindest vorerst – nicht, so Thomas.

Dow Jones News/Karoline Kopp