Die Jury war sich einig, dass Gerhard Sturm und Dr. Manfred Wittenstein gleichermaßen Unternehmergeschichte geschrieben haben: Mit Innovationen und unternehmerischem Mut.

„Die Jury konnte sich nicht auf einen Preisträger einigen – das hat auch seine Berechtigung bei der Leistungsstärke im deutschen Maschinen- und Anlagenbau“, sagte Stefan Waldeisen, Verlagsleiter Verlag Moderne Industrie, auf der festlichen Abendveranstaltung im Berliner Maritim Hotel.

„Gerhard Sturm und Manfred Wittenstein haben nicht nur mit EC-Motoren und Ventilatoren, Planetengetrieben und Aktuatorsystemen Maßstäbe gesetzt – sondern auch, weil sie Vorbilder für viele jüngere Mitarbeiter waren und sind. Natürlich haben sie Fleiß vorgelebt – und tun das bis heute!“, sagte Laudator Dr. Dieter Brucklacher, Leitz-Gruppe. Sie seien aber auch deshalb Vorbilder, weil sie sich immer über die Fabrikmauern hinaus mit mannigfaltigen Engagements für ihre Mitarbeiter und die Gesellschaft eingesetzt haben.

Es ist nicht die erste Ehrung: Gerhard Sturm erhielt unter anderem schon das Bundesverdienstkreuz und die Rudolf-Diesel-Medaille in Gold, Manfred Wittenstein die Grashof-Denkmünze und erst auf der Hannover Messe den „Hermes Award“.

„Wir haben eine tolle Community“, sagte Manfred Wittenstein in seiner Dankesrede vor den versammelten Maschinen- und Anlagenbauern. „Das sollte uns den Mut geben, in die Zukunft zu blicken. Es sollte heißen: Eins sein mit der Zukunft“, so Wittenstein.

Gemeinsam standen die alten Bekannten, deren Firmensitze nur wenige Kilometer auseinanderliegen, auf der Bühne. „Es war eine große Überraschung“, erklärte Gerhard Sturm. „Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich das erste Mal auf dem Maschinenbau-Gipfel bin, ich habe die Ehre immer meinen Geschäftsführern überlassen und hab zuhause gearbeitet“, bekannte der Preisträger. Ganz besonders hob er den Verdienst seiner Mitarbeiter hervor, für die er den Preis als Stellvertreter entgegen nehme. „Der Erfolg unserer Unternehmen ist 90 zu Prozent unseren Mitarbeitern zu verdanken, wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft“, so Sturm.

Die Jury hob vor allem das Engagement in Sachen Nachhaltigkeit des Gründers und heutigen Beiratsvorsitzenden der ebm-papst-Gruppe Gerhard Sturm hervor. Der 81-jährige Sturm hatte seine Karriere mit einer Lehre als Maschinenbauschlosser und anschließender Meisterprüfung in Künzelsau begonnen. 1963 gründete er zusammen mit Heinz Ziehl das Unternehmen Elektrobau Mulfingen, Kern der heutigen ebm-papst-Gruppe darstellt, die mit 11.500 Mitarbeitern rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.

Produkte von ebm-papst kommen in der gesamten Industrie zum Einsatz, von der Klima- und Kältetechnik über Haushalts- und IT-Geräte bis hin zu Autos und Nutzfahrzeugen. „Umweltverträglichkeit umfasst für Gerhard Sturm und die ebm-papst-Mitarbeiter nicht nur die Energiebilanz und die Recyclingfähigkeit, sondern den gesamten globalen Fußabdruck“, stellte Professor Dr.-Ing. Thomas Bauernhansl fest, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung und Sprecher der Jury. 2013 wurde das Unternehmen dafür mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

Dr. Manfred Wittenstein, der in seinem Familienunternehmen heute die Rolle des Aufsichtsratsvorsitzenden innehat, gründete 1975 aus der Universität heraus erst einmal sein eigenes Unternehmen für Kunststoff-Tiefziehmaschinen. Als er dann doch vier Jahre später den Familienbetrieb übernahm, sattelte er rasch von Handschuh-Nähmaschinen auf ein neues Produkt um: Ein spielarmes Planetengetriebe.

Das Unternehmen wurde zum Systemanbieter für elektromechanische Servoantriebe, die in Robotern, Verpackungs- oder Druckmaschinen, der Medizintechnik aber auch in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz kommen. Heute erwirtschaftet die Wittenstein AG rund 275 Millionen Euro und beschäftigt fast 1.900 hoch qualifizierte Mitarbeiter. Dabei ist Wittenstein der Innovation immer treu geblieben – das gab den Ausschlag für die Jury.

Als einer der ersten Maschinenbauer hat er mit seinem Unternehmen den Einstieg in Industrie 4.0 begonnen. Seine Praxisprojekte zeigen das Potential und die Machbarkeit der digitalisierten Produktion.

Als Abgesang wolle man den Preis aber nicht nehmen. „Aufhören und gar nichts mehr tun, nein danke!“, sagte Wittenstein: „Wir versprechen, dass wir bleiben und weiter Unruhe stiften“.