Von Nico Schmidt, Dow Jones

FRANKFURT (ks)–Nach erneut fast ausschließlich zweistelligen Absatzzuwächsen zwischen Juli und September im Vergleich zum krisenbedingt schwachen Vorjahreszeitraum und dank der Tatsache, dass vor allem große und somit margenstarke Wagen gefragt waren, dürften auch die Finanzkennzahlen der drei deutschen Konzerne stark ausfallen, die in einigen Wochen vorlegt werden.

Branchenprimus BMW verteidigte mit einem guten dritten Quartal auch in den ersten neun Monaten des Jahres mit gut 1,06 Mio verkauften Wagen der Marken BMW, mini und Rolls-Royce seine Führerschaft. Der Zuwachs von 13% aus dem ersten Halbjahr konnte im Neunmonatszeitraum gehalten werden, obwohl das Management noch vor einigen Wochen vor einer Abschwächung der Dynamik gewarnt hatte. Der Absatz der Kernmarke BMW stieg sogar noch etwas stärker.

Die Nummer zwei der Branche, die Daimler-Pkw-Tochter Mercedes-Benz, brachte im bisherigen Jahresverlauf knapp 929.000 Wagen der Marken Mercedes-Benz, smart und Maybach an die Kunden, ein Plus von knapp 13%. Auf Halbjahressicht hatte der Zuwachs allerdings mit rund einem Fünftel noch höher gelegen. Auch der Absatzzuwachs der Audi AG schmolz von knapp 20% auf 16% etwas ab: Die Volkswagen-Tochter, die aktuell noch hinter den Konkurrenten aus München und Stuttgart zurückliegt, verkaufte per Ende September gut 829.000 Autos der Marke mit den vier Ringen.

Regional betrachtet waren auch in den vergangenen Monaten der chinesische Boom-Markt und die Erholung in den USA die Erfolgsgaranten. BMW und Mercedes-Benz gelang es, die Verkaufszahlen im Reich der Mitte nahezu zu verdoppeln. Der Anstieg bei Audi fiel mit gut 60% zwar geringer aus, mit fast 175.000 in der Volksrepublik verkauften Oberklassewagen blieben die Ingolstädter dort aber trotzdem mit Abstand Marktführer.

Genau andersherum lief es in den USA: Hier verbuchte Audi mit fast einem Viertel den größten Zuwachs, liegt mit rund 74.000 verkauften Wagen aber noch deutlich hinter den Konkurrenten Mercedes-Benz (159.700, +18%) und BMW (192.000,+7%) zurück. Der ehemals größte Automobilmarkt der Welt war von der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr besonders stark gebeutelt worden.

Die starke Entwicklung der Verkaufszahlen ist ein Indiz dafür, dass auch die bald zur Veröffentlichung anstehenden Quartalszahlen gut ausfallen dürften. Die Daimler AG wird sich am 28.Oktober als erstes in die Bücher schauen lassen, Audi legt am 2.November die Bilanz für die ersten neun Monate vor und BMW einen Tag darauf. Am Markt hofft man, dass die Konzerne dann ihre Erwartungen für das Gesamtjahr nach oben schrauben, die bislang als recht konservativ gelten.

Branchenprimus BMW – bekannt für zurückhaltende Prognosen – will in diesem Jahr im Automobilgeschäft eine operative Marge von mehr als 5% erreichen. Finanzchef Friedrich Eichiner hatte sich jüngst in einem Interview mit Dow Jones Newswires allerdings optimistischer gezeigt. Audi will 2010 das im ersten Halbjahr erreichte Profitabilitätsniveau von 7,6% konstant halten, und Daimler erwartet für die Sparte Mercedes-Benz Cars ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 4 Mrd Euro, womit die Marge bei mindestens 8% liegen soll. In der ersten Jahreshälfte waren die Renditen zeitweise fast in den zweistelligen Bereich geklettert, nicht zuletzt dank der hohen Preisen, die Kunden in China zu zahlen bereit sind.