Der Schiffbau (im Bild der Einsatzversorger "Bonn" bei einer Probefahrt) macht Thyssenkrupp Probleme.

Der Schiffbau (im Bild der Einsatzversorger "Bonn" bei einer Probefahrt) macht Thyssenkrupp Probleme. - Bild: Thyssenkrupp

Thyssenkrupp will nun mit einem Umbau des Bereichs sowie Einsparungen gegensteuern. Die Aktie verlor am Mittwochmorgen zum Auftakt mehr als zwei Prozent. "Der neue Ausblick ist ein Desaster", kommentierte ein Händler in einer ersten Reaktion.

Für das laufende Jahr rechnet Thyssenkrupp nun mit einem bereinigten Ebit von rund 1,8 Milliarden Euro, nach 1,72 Milliarden Euro im Vorjahr, und damit am unteren Ende der zuvor gesetzten Spanne. Bislang hatte sich der Konzern eine Bandbreite von 1,8 bis 2 Milliarden Euro gesetzt. Für den Anlagen- und Schiffbau erwartet das Unternehmen im dritten Quartal einen bereinigten operativen Verlust (Ebit) von rund 220 Millionen Euro. Auch der Umsatz der Sparte werde geringer ausfallen als gedacht.

Das liegt an höheren Kosten für ein Marineprojekt in der Türkei, einer Zementanlage in Saudi-Arabien sowie einem Bioheizkraftwerk in Australien, berichtete Thyssenkrupp. Aber auch ohne die Belastungen werde die Sparte im dritten Quartal einen Verlust in einem niedrigen zweistelligen Millionenbereich verzeichnen, hieß es. Denn generell hält die Nachfrageschwäche bei Großprojekten an, was sich in einem geringeren Auftragseingang niederschlägt. Zudem dauert es immer länger, bis solche Projekte auch wirklich realisiert werden. Der neue Vorstandsvorsitzende Guido Kerkhoff, der das Amt vor kurzem übergangsweise nach dem abrupten Rücktritt von Herbert Hiesinger übernommen hatte, will nun mit einem Umbau gegensteuern.

  • Thyssenkrupp, Unternehmensgeschichte, Unternehmenshistorie

    Alles beginnt am Anfang. Wir schreiben das Jahr 1811, genauer den 20. November, als Friedrich Krupp mit zwei Teilhabern eine Gussstahlfabrik in Essen gründet. Bereits fünf Jahre später gelingt bereits die Herstellung von hochwertigem Gussstahl (Tiegelstahl) in größeren Mengen. Nach dem Tod des Gründers übernehmen Witwe und Sohn das Unternehmen. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Über die Jahre entwickelt sich Krupp weiter. Der Prozess vom Walzrohling zur kompletten Walzmaschine lohnt sich für das Unternehmen. Die gefertigten Produkte belegen die hohe Qualität und Belastbarkeit des Tiegelstahls, weshalb dieser bald auch seinen Weg in Achsen, Federn und Reifen der Eisenbahn findet. Letztere findet man ab 1875 auch im Firmenzeichen. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Während Krupp sich bereits zu einem großen Konzern entwickelt, beginnt dieser Prozess für ein anderes Unternehmen gerade erst. August Thyssen gründet am 1. April 1871 mit seinem Vater die Firma Thyssen & Co. in Styrum (Mülheim an der Ruhr). Das Unternehmen betreibt zu Beginn nur ein Stahl- und Bandeisenwalzwerk und wird dann systematisch erweitert. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    1883 kauft August Thyssen die ersten Kuxe an der Zeche Gewerkschaft Deutscher Kaiser. Acht Jahre später wird er, durch Kauf aller Anteilsscheine, gemeinsam mit seinem Bruder zum Eigentümer der Steinkohlezeche und beginnt mit dem Ausbau zum Hüttenwerk mit eigener Kohlenbasis. 1895 wird die Gewerkschaft Deutscher Kaiser zum integrierten Hüttenwerk ausgebaut. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Krupp expandiert indessen ebenfalls. So erfolgen beispielsweise der Kauf des Grusonwerks in Magdeburg, der Schiff- und Maschinenbau AG Germania in Kiel und der Erwerb der Zeche Hannibal bei Bochum. Außerdem wird 1896 in Rheinhausen das später Friedrich-Alfred-Hütte genannte Hüttenwerk gegründet, welches schnell eine beachtliche Größe erreicht. 1903 wird Krupp in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die Familie Krupp bleibt an der Unternehmensspitze. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Auch Thyssen durchlebt ereignisreiche Zeiten. Der Konzern baut eine eigene Handels- und Schifffahrtorganisation. Niederlassungen auf der ganzen Welt werden gegründet und neue Stahlwerke gebaut. 1913 nimmt Thyssen, nur übertroffen von Krupp, eine Führungsposition in der westdeutschen Eisen- und Stahlindustrie ein. Mit dem Ersten Weltkrieg erfolgt bei der Gewerkschaft Deutscher Kaiser die Produktion von Rüstungsgütern, aber auch Krupp muss staatliche Aufträge erfüllen und wird zum Waffenlieferant. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges stellt Krupp auf eine Friedensproduktion ohne Rüstungsgüter um. Dies führt zu einer schweren Krise die beinahe das Ende für das Unternehmen bedeutet, doch es gelingt dies zu verhindern. Schon ab 1933 sorgen Nationalsozialisten erneut für eine Aufnahme der Waffenproduktion. Krupp spielt auch während des Zweiten Weltkrieges eine große Rolle, was dazu führt, dass das Unternehmen später Alliierter Kontrolle unterstellt wird. Erst ab 1953 ist die Führung des Konzerns wieder Krupp-Angelegenheit. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Thyssen benennt 1919 die Gewerkschaft Deutscher Kaiser in August Thyssen-Hütte, Gewerkschaft um. 10 Jahre danach bringt der Konzern wesentliche Teile in die Vereinigten Stahlwerke ein. Im Dritten Reich entsteht daraus die August Thyssen-Hütte als rechtlich selbstständige Betriebsgesellschaft. Fritz Thyssens bricht später mit dem NS-Regime und wird verhaftet. Bombenangriffe sorgen dafür, dass die Thyssenhütte 1945 nicht mehr produzieren kann. Eine geplante Demontage kann 1949 verhindert werden. Es erfolgt eine Neugründung außerhalb der Vereinigten Stahlwerke. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    1967 verzichtet der Erbe der Krupp-Familie auf sein Vermögen, welches somit auf die neu gegründete Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung als alleinige Gesellschafterin übergeht. Krupp beginnt wieder zu expandieren und die Stahlbasis auszubauen. Um die 80er und 90er Jahre erfolgt bei dem Konzern eine weitreichende Reorganisation. Im Jahr 1992 erfolgt die Fusion mit Hoesch, einem Unternehmen, welches in sehr ähnliche Geschäftsbereiche tätig ist. Eine Neueinteilung der Geschäftsfelder führt zu einer völlig neuen Struktur innerhalb des Konzerns. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Die horizontale und später auch vertikale Diversifikation sowie die Angliederung einer Handelsorganisation sorgen dafür, dass das Unternehmen Thyssen wieder wächst. 1973 erwirbt der Konzern das Unternehmen Rheinstahl und schafft so unter anderem neue Erzeugungs- und Verarbeitungskapazitäten von Eisen, Stahl und Edelstahl. Nachdem ein geplanter Zusammenschluss mit Krupp im Stahlbereich 1983 nicht stattfindet erfolgen anderweitige Strukturänderungen. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Im März 1997 wird bekannt, dass Hoesch-Krupp versucht den Thyssen Konzern durch den Kauf von Aktien mehrheitlich zu erwerben. Schlussendlich wird die Übernahme nicht durchgeführt, doch beide Unternehmen führen nun intensive Gespräche über das industrielle Konzept einer gemeinsamen Flachstahlgesellschaft. Der Startschuss für Thyssen Krupp Stahl fällt am 1. September 1997. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Weitere Gespräche über mögliche Zusammenarbeiten folgen und enden mit einem Gesamtzusammenschluss. Am 17. März 1999 wird Thyssenkrupp ins Handelsregister eingetragen. Der neu entstandene Konzern wird in 23 Geschäftsbereiche gebündelt, die fünf Unternehmensbereiche bilden: Steel, Automotive, Industries, Engineering und Materials & Services. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

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    Bis zum Jahr 2007 läuft es für Thyssenkrupp sehr gut, doch die Weltwirtschaftskrise trifft das Unternehmen schwer. Dennoch schafft es der Konzern auch in diesen Zeiten zu bestehen. Seit 2015 tritt Thyssenkrupp unter einer neuen einheitlichen Dachmarke auf der ganzen Welt auf. Das Unternehmen unterteilt seine Geschäftsaktivitäten in sechs Business Areas: Components Technology, Elevator Technology, Industrial Solutions, Materials Services, Steel Europe und Steel Americas. - Quelle und Bild: Thyssenkrupp

Die Aufstellung im Anlagenbau müsse an diese veränderten Marktbedingungen angepasst werden, erklärte Kerkhoff. Denn Thyssenkrupp hatte ursprünglich auf ein Wachstum bei Großprojekten vor allem im Chemie- und Zementanlagenbau gesetzt. Doch gerade dort habe sich die Zahl der Projekte zuletzt verringert. Der Zementmarkt zum Beispiel leidet derzeit unter Überkapazitäten. Thyssenkrupp will sich daher künftig verstärkt auf kleinere Projekte und das renditeträchtigere Servicegeschäft konzentrieren. Zudem sollen die Kosten gesenkt und die Komplexität des Bereichs verringert werden.

Die Probleme im Anlagenbau wirken sich auch negativ auf die Barmittel aus. Bei dieser bei Analysten besonders im Fokus stehenden Kennziffer geht Thyssenkrupp nicht mehr von einer positiven Entwicklung aus, sondern von einem Abfluss. Der Jahresüberschuss des Konzerns soll dennoch weiter signifikant besser als das Vorjahresergebnis von 271 Millionen Euro ausfallen. Die Zahlen für das dritte Quartal will Thyssenkrupp am 9. August veröffentlichen. Dann will Kerkhoff neue mittelfristige Perspektiven für die verschiedenen Geschäftsbereiche vorlegen.

Thyssenkrupp steht unter Druck. Der anhaltende Konflikt mit Großaktionär Cevian sowie Uneinigkeit im Aufsichtsrat und die weitere Strategie hatten zuletzt eine Führungskrise ausgelöst. Chef Hiesinger sowie Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Lehner warfen daraufhin das Handtuch. Nachfolger gibt es bislang nicht. Cevian-Mitgründer Lars Förberg forderte zuletzt wiederholt mehr Freiraum für einzelne Sparten nach dem Vorbild von Siemens <DE0007236101>. Damit würden Börsengänge einzelner Bereiche oder Teilverkäufe einfacher. Fortschritte im Konzernumbau gingen ihm zu langsam. Zudem stimmte Cevian gegen die Fusion der Stahlsparte mit dem europäischen Geschäft von Tata Steel, weil er die Bedingungen für Thyssenkrupp zu nachteilig beurteilte.

Im Mai war zudem der Hedgefonds Elliott des US-Milliardärs Paul Singer bei Thyssenkrupp eingestiegen und drängte ebenfalls auf einen raschen Umbau - von einer Zerschlagung will der Finanzinvestor hingegen nichts wissen. Das bekräftigte Elliot-Fondsmanager Franck Tuil jetzt nochmals in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" (Mittwoch). Zur Weiterentwicklung der Strategie könnte die Veräußerung kleinerer Unternehmensteile gehören, aber sicherlich keine Zerschlagung, sagte er.