Hanjin Containerschiff Reederei Pleite Gläubigerschutz

Hanjin hat in Südkorea Gläubigerschutz beantragt, was zur Folge hatte, dass Dutzende ihrer Schiffe mit mehr als einer halben Million Containern keine Häfen mehr anlaufen dürfen. - Bild: Hanjin

Insgesamt seien mittlerweile Güter im Wert von 14 Milliarden US-Dollar auf offener See gestrandet, ärgern sich Branchenmanager und die Warenbesitzer. So steckten allein für den Elektronikkonzern Samsung Waren im Wert von 38 Millionen Dollar in internationalen Gewässern fest. Das Unternehmen erwägt derzeit, die Waren auf eigene Faust aus den Hanjin-Schiffen zu entladen.

Hanjin hat in Südkorea Gläubigerschutz beantragt, was zur Folge hatte, dass Dutzende ihrer Schiffe mit mehr als einer halben Million Containern keine Häfen mehr anlaufen dürfen. Die Abfertigungsterminals fürchten, auf ihren Kosten sitzen zu bleiben. Manche Schiffe wurden von einigen Gläubigern bereits konfisziert. Die Situation grenze an pures Chaos, urteilt Lars Jensen von der dänischen Beratungsfirma SeaIntel Consulting.

In den USA gilt Gläubigerschutz

Zwar gilt etwa in den USA nach einem Richterspruch für Hanjin Gläubigerschutz. Doch verfügt die gebeutelte Reederei möglicherweise überhaupt nicht über die Finanzmittel, um die Schiffsladungen entladen zu lassen. Darüber hinaus könnten die Richtersprüche aus Südkorea und den USA nicht unbedingt für Häfen in Asien und Europa gelten.

43 Containerschiffe seien auf dem Weg zu ihren Bestimmungshäfen, ohne dass es eine Garantie dafür gebe, dass diese auch entladen werden könnten, so Jensen weiter. Zudem kreisten 39 Schiffe vor mehreren Seehäfen. Acht Schiffe wurden bereits von Gläubigern konfisziert. Für die Besatzungen der Schiffe ist es ein Nervenspiel, da sie mit Unsicherheit und schwindenden Vorräten konfrontiert sind.

"Üblicherweise haben wir Essen und Trinken für rund zwei Wochen", erklärte der Kapitän eines Schiffs, das im Südchinesischen Meer fährt. Da er und seine Crew schon zwölf Tage unterwegs seien, verschlimmere sich die Situation permanent. Die Hitze mache die Besatzung verrückt. Sie sei nervös und sorge sich um ihre Bezahlung. Es gebe keinerlei Kredit mehr für Hanjin und das Schiff habe kaum noch Bargeld an Bord.

Zu allem Übel hat Südkoreas Regierung auch nur drei sogenannte Basishäfen - Los Angeles, Singapur und Hamburg - ausgewählt, wo Hanjin-Schiffe ohne Angst vor Gläubigern entladen werden können. Doch selbst in diesen Häfen ist nicht sicher, wer die Gebühren letztlich zahlt, so warnt ein Broker aus Singapur. "Südkorea sagt, Hanjin zahlt, aber Hanjin hat nach eigenen Angaben kein Geld. Es ist ein totales Chaos."

Frachttarife der Reedereien legen jetzt zu

Wegen der Hanjin-Pleite könnten sich andere Reedereien aber über steigende Frachttarife freuen, berichtet Sanne Manders von der kalifornischen Flexport. Es drehe sich um eine Größenordnung von 600 bis 700 US-Dollar je Container oder einen Aufschlag von 40 bis 50 Prozent auf der Route von Asien in die USA. Diese höheren Preise dauerten wohl aber nur 30 bis 45 Tage bis zum Thanksgiving-Wochenende in den USA an.

Für Hanjin dürfte das zu spät kommen. "Es scheint keine politische Unterstützung aus Korea für Hanjin zu geben", meint der New Yorker Berater Basil Karatzas. Die Regierung versuche lediglich, den logistischen Alptraum abzumildern und den Schock für die südkoreanische Exportindustrie zu minimieren. Offenbar wird der Hanjin-Rivale Hyundai Merchant die Schiffsflotte letztlich übernehmen.