60 Prozent der von Cyber-Crime Betroffenen befürchten weiteren Angriff. - Bild: kru

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Vom nachlassenden Wirtschaftswachstum ist auf dem chinesischen M&A-Markt nichts zu spüren: Der Wert der im Jahr 2014 angekündigten Fusionen und Übernahmen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 55 Prozent auf 407 Milliarden Dollar – und auch die Zahl der Transaktionen legte um 55 Prozent auf 6899 Deals zu.

Chinesische Unternehmen zeigten sich auf dem Heimmarkt so kauffreudig wie nie zuvor. Sie tätigten Fusionen und Übernahmen im Wert von 243 Milliarden Dollar – das entspricht 59 Prozent aller Transaktionen: „Ein wesentlicher Treiber für das starke M&A-Geschäft ist die anhaltende Konsolidierung innerhalb der chinesischen Unternehmenslandschaft. Unternehmen, die auch auf dem Heimatmarkt mit westlichen Produkten konkurrieren müssen, wollen sich ihre Position auf dem stark wachsenden Binnenmarkt sichern. Fusionen und Übernahmen können dafür ein probates Mittel sein“, erklärt Jens-Peter Otto, Leiter der China Business Group von PwC.

Private Equity gewinnt an Bedeutung

Vor allem das Interesse an Konsumwerten und Unternehmen aus dem Finanzsektor nimmt zu. Private Equity gewinnt dabei in China zunehmend an Bedeutung als Kapitalgeber. Sie tätigten 593 Deals im Gesamtwert von 73 Milliarden Dollar – und damit doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Mehr als die Hälfte dieser Käufe entfiel auf Technologie-Unternehmen und konsumnahe Sektoren – auch das ist ein Beleg dafür, dass Chinas Wirtschaft zunehmend an Breite gewinnt.

Diese Entwicklung müssen ausländische Unternehmen im Blick haben und ihre Marktdurchdringung in China intensivieren, denn nicht in allen Branchen sind Ausländer so dominant auf dem chinesischen Markt wie in der Automobilindustrie. Ausländische Unternehmen investierten 2014 rund 24 Milliarden Dollar – der höchste Wert seit 2008. Einige Deals mit hohen Werten in den Bereichen Banken und Finanzdienstleistungen stachen dabei hervor.

Chinesische Rekordinvestitionen im Ausland

Chinesische Unternehmen zeigen auch im Ausland Kauflaune: Das Volumen der von ihnen getätigten Käufe außerhalb der Landesgrenzen stieg um mehr als ein Drittel auf einen neuen Rekordwert von 59,6 Milliarden Dollar. „Das Motiv chinesischer Unternehmen, strategische Beteiligungen im Ausland zu erwerben mit dem Ziel der Adaption attraktiver Technologien und Markennamen auf den Heimmarkt, gilt nach wie vor“, erklärt Otto.

Gefragt waren Transaktionen in den USA, wo die Zahl der durch Chinesen initiierte Fusionen und Übernahmen von 51 auf 96 gestiegen ist. Europa war die zweitbeliebteste Region: die Zahl der Übernahmen und Fusionen durch Käufer aus China legte von 63 auf 82 zu. Ein Großteil der Transaktionen kam durch Privatunternehmen zustande, die sich vor allem für innovative Technologien und starke Markennamen interessierten. Chinesische Staatsunternehmen investierten im Ausland dagegen vor allem in strategisch bedeutende Sektoren wie Rohstoffe oder Energie.

Gute Aussichten für 2015

PwC rechnet 2015 mit einem guten M&A-Jahr in China: „Inländische M&A-Aktivitäten, die die Konsolidierung der chinesischen Wirtschaft weiter vorantreiben, werden erneut eine Schlüsselrolle spielen“, betont Otto. Chinesische Unternehmen, die sich im Privatbesitz befinden, werden wie 2014 im Ausland neue Wachstumsmärkte erschließen und Know-how für den chinesischen Markt gewinnen.

„Technologieunternehmen, die sich mit Dienstleistungen rund um das Internet und E-Commerce beschäftigen, sind 2015 interessante Kaufkandidaten, auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung der Industrie“, so die Einschätzung von Otto. Aber auch Finanzdienstleister sind lukrativ, genauso wie Unternehmen aus dem Konsumbereich, der mit der stärkeren Binnenorientierung an Bedeutung gewinnt. Langfristig bietet zudem der Healthcare-Sektor überdurchschnittliche Wachstumschancen. Dabei zielen potenzielle Käufer auf die gesamte Wertschöpfungskette ab.

Karoline Kopp