Qualcomm

Qualcomm und TDK haben die Gründung eines Unternehmens namens RF360 Holdings mit Sitz in Singapur vereinbart. - Bild: Qualcomm

Partner der Amerikaner in dem neuen Unternehmen ist die japanische TDK. Qualcomm beziffert die Kosten des Deals auf bis zu drei Milliarden US-Dollar über drei Jahre.

Die Transaktion unterstreicht Qualcomms Ambitionen, seine Chips für mobile Geräte zu verbessern und diese Technologie auch auf andere Produkte wie Autos zu übertragen.

Qualcomm aus San Diego war lange Zeit der größte Hersteller moderner Chips für die mobile Kommunikation. In den letzten Jahren hat sich das Produktangebot in Richtung nderer Chips zum Funkempfang für mobile Geräte verschoben, darunter Antennen und Leistungsverstärker.

Große Lücke in Qualcomms Portfolio: Filter

Die große Lücke im Portfolio von Qualcomm findet sich bei Filtern, also Komponenten, mit deren Hilfe sich Telefone in ein bestimmtes Segment des Spektrums einwählen, um Anrufe tätigen oder Daten zu senden. Die Anzahl der Filter in einem Mobiltelefon sei dramatisch gestiegen, sagte Cristiano Amon, Chef des Qualcomm-Chipgeschäfts. Denn neue Modelle seien darauf ausgelegt, mehr Frequenzbänder zu nutzen, damit sie in vielen verschiedenen Märkten funktionsfähig sind.

Smartphones, die auf der aktuellen LTE-Technologie basieren, könnten laut seiner Schätzung bis zu 49 Filter enthalten. Die Zahl würde sich bis 2020 auf rund 100 erhöhen. TDK ist ein großer Hersteller dieser Filter, die der Konzern oft in Module verbaut, welche er ebenfalls herstellt.

Die Marktforscher von Mobile Experts gehen davon aus, dass das Weltmarktvolumen für diese Filter bis 2020 auf zwölf Milliarden Dollar von fünf Milliarden Dollar 2015 anschwellen wird. Ein anderer großer Hersteller neben TDK ist etwa Avago Technologies. Die Firma aus dem Silicon Valley kündigte letztes Jahr an, Broadcom für 37 Milliarden Dollar zu übernehmen.

Neues Unternehmen heißt 'RF360 Holdings'

Qualcomm und TDK haben die Gründung eines Unternehmens namens RF360 Holdings mit Sitz in Singapur vereinbart. Anfangs wird Qualcomm an dem Unternehmen 51 Prozent halten, TDK über eine Tochterfirma den Rest. TDK reagierte nicht auf die Bitte um einen Kommentar.

Die Vereinbarung erlaubt es Qualcomm, dessen Chipgeschäft 2015 geschwächelt hat, vom rapiden Marktwachstum bei Filtern und Modulen zu profitieren. TDK erhält unterdessen Zugriff auf Qualcomms üppige Barmittel, um mehr Geld für die Produktentwicklung ausgeben zu können.

Die von Qualcomm genannten drei Milliarden Dollar enthalten Kosten für die Übernahme von TDK-Technologien und -Patenten für das Gemeinschaftsunternehmen, für Zahlungen an den japanischen Konzern und neue Investitionen. Qualcomm besitzt zudem die Option, das Joint Venture nach 30 Monaten komplett zu übernehmen.

Die Transaktion soll bis Anfang 2017 abgeschlossen werden und innerhalb der nächsten zwölf Monate zum bereinigten Ergebnis beitragen.