Von Nico Schmidt, Dow Jones

DETROIT (ks)–2012 und 2013 werde es voraussichtlich zwar geringes Wachstum geben, eine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau sei aber in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen wird nach Einschätzung von Reilly in diesem Jahr 1,2 Mio bis 1,3 Mio Autos absetzen. 2010 waren es knapp 1,2 Mio Wagen. Bei einem solchen Absatzvolumen könnte Opel laut Reilly schwarze Zahlen schreiben, zumindest wenn man die Restrukturierungskosten herausrechnet.

Nachdem GM Ende 2009 überraschend entschieden hatte, Opel doch nicht an ein Konsortium um den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna zu verkaufen sondern in Eigenregie zu sanieren, verordneten die Amerikaner der Europa-Tochter eine harte Sparkur, die das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zurückzuführen soll. Um die Kapazitäten von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall um ein Fünftel zu reduzieren, sollen europaweit rund 8.000 von insgesamt etwa 48.000 Arbeitsplätzen wegfallen; das Werk im belgischen Antwerpen wurde Ende 2010 geschlossen.

In den ersten neun Monaten war Europa die einzige Region, in der GM Verluste einfuhr. Das Minus von Opel und Vauxhall lag zwischen Januar und September bei rund 1,2 Mrd Dollar. Die Amerikaner erzielen nach einer weitreichenden finanziellen Sanierung unter Chapter 11 wieder Milliarden-Gewinne und feierten im November ein erfolgreiches Comeback an der Wall Street.

2010 dürfte in Europa wegen der tiefgreifenden Restrukturierung nach bisherigen Angaben ein operativer Verlust von rund 1,9 Mrd Dollar anfallen. 2011 soll dann zumindest vor Restrukturierungskosten die Gewinnschwelle erreicht werden. Durch eine deutlich geringere Kostenbasis soll es anschließend für den Automobilhersteller weiter aufwärts gehen. Für 2013 peilt Opel früheren Angaben zufolge eine operative Marge von 4% bis 5% an.

General Motors will Opel aber nicht nur gesund schrumpfen, sondern auch Geld in die Hand nehmen, um der defizitären Tochter wieder auf die Beine zu helfen. In den nächsten fünf Jahren sollen 11 Mrd Euro in die Erneuerung der Modellpalette investiert werden, um neue Kunden zu gewinnen. Geplant ist unter anderem ein Kleinwagen mit dem Arbeitstitel “Junior”, der dem Trend zu sparsamen Stadtflitzern Rechnung tragen soll und ab 2013 im thüringischen Werk in Eisenach vom Band rollen wird. Zudem will Opel wieder ein Cabrio bauen und erwägt die Entwicklung eines kleinen SUVs.

Dem schwierigen Marktumfeld in Europa will Opel zudem mit einer stärkeren Internationalisierung begegnen. Reilly kündigte zuletzt an, 2010 und 2011 in zehn bis elf neuen Märkten aktiv zu werden, darunter China, Australien und der Nahe Osten. Das Absatzpotenzial auf diesen Märkten sieht Opel bei insgesamt etwa 100.000 Autos jährlich.

Experten sagen dem Automobilmarkt in Europa schwierige Zeiten voraus, da der Markt weitgehend gesättigt ist und auch in der Krise kaum Überkapazitäten abgebaut wurden. Ob und wann wieder die Höchststände des Vorkrisenniveaus erreichen werden, bleibt ungewiss.

Besonders schwer litt Opel unter dem Wegfall der Abwrackprämie und dem Imageschaden durch den monatelangen Verhandlungspoker um die Zukunft des Unternehmens. In Deutschland brachen die Opel-Neuzulassungen 2010 um mehr als 30% auf rund 234.000 Autos ein.

Zuletzt ging es für die Marke mit dem Blitz aber auch auf dem Heimatmarkt wieder etwas aufwärts. In der zweiten Jahreshälfte konnten die Rüsselsheimer den jahrelangen Marktanteilsschwund aufhalten und wollen den Trend 2011 dank neuer Modelle wie dem Astra-Kombi Sports Tourer umkehren. Im Dezember lag der Marktanteil bei 10,35% – der beste Monat seit mehr als viereinhalb Jahren. Per Ende 2010 lag der Marktanteil bei 8% und soll in diesem Jahr um einen halben Prozentpunkt steigen.