von Nico Schmidt, Dow Jones

MÜNCHEN (ks)–Die Hersteller von Oberklasseautos haben nach der schweren Krise im vergangenen Jahr zuletzt eine wahre Renaissance erlebt. “Premium bleibt auch langfristig ein Trend”, sagte Norbert Reithofer, Vorstandsvorsitzender des DAX-Konzerns, am Mittwoch in München. Das Segment werde weiter wachsen, und zwar stärker als das Massensegment, bekräftigte der Manager.

Sein Unternehmen sieht Reithofer dabei gut positioniert, da es mit den Marken Mini, BMW und Rolls-Royce breit aufgestellt ist. Besonders stark dürfte nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden der Markt für kleine Premiumautos wachsen.

Diesem Trend wollen die Bayern mit einem frontangetriebenen Kleinwagen Rechnung tragen, der unterhalb der 1er-Reihe, dem bisher kleinsten Modell der Kernmarke, platziert werden soll. Zudem soll die Mini-Produktpalette erweitert werden.

Bereits heute entstammen nach Aussage Reithofers rund 30% der verkauften Autos entweder der 1er-Reihe oder der Stadtflitzer-Marke Mini. Früheren Angaben zufolge könnte in fünf Jahren beinahe jedes zweite Fahrzeug, das bei dem DAX-Konzern vom Band rollt, ein Klein- oder Kompaktwagen sein. Reithofer bezifferte den möglichen Anteil am Gesamtabsatz vor einigen Monaten auf 40%.

Das Segment der Klein- und Kompaktwagen wird nach Meinung von Experten auch für Hersteller von Oberklassewagen zusehends wichtiger, da sie sich dem allgemeinen Trend hin zu spritsparenden und umweltfreundlichen Autos nicht entziehen können. Vor diesem Hintergrund brachte zum Beispiel BMW-Konkurrent Audi bereits in diesem Jahr den Kleinwagen A1 auf den Markt – mit bislang großem Erfolg.

Reithofer machte am Dienstag aber klar, dass es auch künftig noch Wachstumspotenzial für absolute Oberklasseautos gibt: “Nach unseren Prognosen werden auch die größeren Fahrzeugklassen in den nächsten Jahren zulegen.”

Jüngste Umfragen hätten ergeben, dass beispielsweise in den USA und Deutschland rund zwei Drittel der Kunden im Falle eines Neukaufs bei der aktuellen Fahrzeugklasse bleiben wollen, etwa ein Siebtel könne sich sogar einen Aufstieg vorstellen. Im boomenden China wünschten sich sogar weit mehr als die Hälfte der Kunden, in eine höhere Klasse zu wechseln.

Der chinesische Markt hatte die Automobilindustrie im vergangenen Jahr vor einem noch tieferen Absturz bewahrt. In diesem Jahr ging es dann noch rasanter aufwärts: BMW beispielsweise konnte die Verkaufszahlen im Reich der Mitte bisher mehr als verdoppeln. Als Statussymbole sind auf dem mittlerweile größten Automobilmarkt der Welt vor allem große und somit profitträchtige Autos gefragt.

Reithofer sieht die Branche aber auch vor einigen Herausforderungen. So müsse in den kommenden Jahren der Spagat geschafft werden zwischen Kraftstoffeffizienz und alternativen Antrieben einerseits sowie der Bedienung der Nachfrage nach leistungsstarken Autos mit Verbrennungsmotoren andererseits. Zumindest in den kommenden fünf Jahren müssten also mehrere Technologien parallel zueinander weiterentwickelt werden.