Zentrale von Schaeffler in Herzogenaurach: Das weitere Vorgehen bei der geplanten Fusion mit Conti

Zentrale von Schaeffler in Herzogenaurach: Das weitere Vorgehen bei der geplanten Fusion mit Conti bleibt offen (Bild: Schaeffler).

Von Katharina Becker, Dow Jones Newswires

FRANKFURT (ks)–Die starke Nachfrage nach Motor-, Getriebe-, Fahrwerksystemen und Lagern für die Automobilbranche, die Industrie sowie die Luft- und Raumfahrt wollen die Herzogenauracher auch zum Abbau der Milliardenschulden nutzen, die Schaeffler durch die Übernahme der ungleich größeren Continental AG angehäuft hatte. Notwendige Investitionen, steigende Rohstoffkosten und hohe Kreditzinsen erschweren das Vorhaben jedoch. Mit der Fusion mit den Hannoveranern hat es der Familienkonzern auch zwei Jahre nach der spektakulären Übernahmeschlacht nicht eilig.

Es gebe keinen Zeitplan für das Zusammengehen mit Conti, wiederholte der Vorsitzende der Schaeffler-Geschäftsführung, Jürgen Geißinger, am Dienstag bei der Vorlage der Bilanz in Frankfurt am Main das Mantra. Vorrang habe das operative Geschäft. Auch Conti-Chef Elmar Degenhart hatte Anfang März gesagt, beide Unternehmen arbeiteten zwar eng bei Projekten wie Turboladern oder elektrischen Parkbremsen zusammen, aber nicht an einer Fusion. Ende Dezember klang dies in Hannover noch so: “Unser Ziel ist unverändert eine mögliche Kombination der beiden Unternehmen, auf die wir uns vorbereiten.”

Nachdem sich Schaeffler nach langen Spekulationen in den vergangenen Tagen doch von einem Aktienpaket an Conti getrennt hat, um seine Schulden zu verringern, haben Analysten ohnehin Zweifel, dass die Fusion zustande kommt. Das Bankhaus Lampe bezeichnete sie als sehr unwahrscheinlich. “Wir haben noch immer 60% an Continental. Das hält uns alle Optionen offen”, konterte Geißinger. Die Option, über einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag Zugriff auf Contis Kasse zu haben, ist nach dem Verlust der dafür nötigen 75%-Beteiligung nun jedoch vom Tisch.

Der Verkauf von Conti-Aktien spülte in den vergangenen Tagen rund 1,8 Mrd Euro in die Schatullen der Herzogenauracher, die in die Schuldentilgung fließen. Zusammen mit einer Umschuldung bei den kreditgebenden Banken nutzte Schaeffler die Gelegenheit, eine tickende Zeitbombe wenigstens zum Teil zu entschärfen: Der Wälzlagerhersteller übertrug einen Teil der Schulden der Schaeffler-Dachgesellschaft auf das operative Geschäft. Für die Darlehen der Holding zahlt Schaeffler weder Zinsen noch Tilgung und der Zinseszinseffekt führt dazu, dass der Schuldenberg der Holding überproportional wächst. Mit der Umschichtung sinken die Verbindlichkeiten der Holding von 7,4 auf 4,6 Mrd Euro. Dafür steigen die Schulden des operativen Geschäfts von 5,9 auf 7,0 Mrd Euro.

Schaeffler habe sich angesichts der schwierigen Situation Ende 2009 auf die Konditionen der Geldhäuser einlassen müssen, sagte Finanzvorstand . “Das war der einzige Weg, die Gruppe zusammenzuhalten”, verdeutlichte er die damals dramatische Lage. Durch die Umschichtung soll die Zinsbelastung der Holding von in der Spitze bis zu 17% auf unter 10% sinken.

Wie der verbliebene Milliardenberg geschrumpft werden soll, blieb teilweise offen. Es sei nicht geplant, dass die Holding dem operativen Geschäft immer neue Schulden überstülpe, sagte Rosenfeld. Statt dessen zähle er auf die Dividenden aus dem operativen Geschäft, das Schaeffler noch in diesem Jahr in eine Aktiengesellschaft umwandeln will, und von Conti. Die Hannoveraner werden jedoch frühestens 2012 wieder einen Aktionärsbonus zahlen. Möglicherweise könnten Investoren mit einem Einstieg bei Schaeffler Geld lockermachen. Er spreche aber weder mit Investoren noch gebe es Pläne für einen Börsengang, betonte Rosenfeld.

Unterdessen ist Schaeffler im Kerngeschäft auf Rekordjagd. Nach einem Einnahmenrekord im vergangenen Jahr von 9,5 Mrd Euro wollen die Franken ihren Umsatz in diesem Jahr nochmals um 8% bis 10% steigern. Die gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten dürften jedoch auf die Rentabilität drücken, sagte Geißinger. Schaeffler strebt daher eine Rendite (EBIT-Marge) von mehr als 13% an. Im vergangenen Jahr waren es knapp 16%.

2010 war Schaeffler überraschend schnell in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Unter dem Strich stand nach Konzernangaben ein Gewinn von 63 Mio Euro nach einem Verlust von 1,2 Mrd Euro im Vorjahr.