Dr. Michael Wenzel, Geschäftsführer Reis GmbH & Co. KG und Vorstandsvorsitzender des

Dr. Michael Wenzel, Geschäftsführer Reis GmbH & Co. KG und Vorstandsvorsitzender des VDMA-Fachverbands Robotik + Automation.

Der VDMA sieht die Branchen Robotik und Automation in glänzender Verfassung. Der für 2011 prognostizierte Umsatz von 8,9 Mrd Euro reicht schon nahe an das Rekordergebnis von 2008 mit 9,3 Mrd Euro heran. FRANKFURT (ks). „Die Branche präsentiert sich in glänzender Verfassung“, erklärte Dr. Michael Wenzel, Geschäftsführer der Reis Holding GmbH, Obernburg, und Vorsitzender des Vorstands von VDMA Robotik + Automation, am Donnerstag anlässlich der Pressekonferenz des Verbandes in Frankfurt. „Für 2011 prognostizieren wir ein Umsatzwachstum von 18% auf 8,9 Milliarden Euro – was schon nahe an das Ergebnis unseres Rekordjahres 2008 (9,3 Milliarden Euro) heranreicht.“ Die Hersteller von Robotik und Automation sehen 2011 nicht nur in den wichtigsten Exportmärkten (China, Südkorea, ASEAN) ein großes Potenzial für weitere Umsatzsteigerungen, sondern auch im Inland. Nordamerika sowie die mittel- und osteuropäischen Staaten, wo der Automationsgrad noch verhältnismäßig niedrig ist, haben noch Nachholbedarf. „Auch die Automobilindustrie wird weiter in neue Technologien investieren und neue Werkstoffe nutzen. Das führt zu einem erheblichen Bedarf an Umrüstungen und Neubauten von Fertigungen weltweit“, so Wenzel.

2010 stieg der Umsatz um 21% auf 7,5 Milliarden Euro

Die Hersteller von Robotik und Automation, also von Industrieller Bildverarbeitung, Montage- und Handhabungstechnik sowie Robotik, konnten 2010 mit einem Umsatzwachstum von 21% auf 7,5 Milliarden Euro im Jahr Eins nach der Krise deutlich zulegen. „Damit stieg der Umsatz wieder auf das Niveau des Jahres 2006, nachdem uns die Krise im Jahr 2009 auf das Umsatzniveau des Jahres 2002 zurückgeworfen hatte“, erklärte Wenzel. Der Export war 2010 der Motor für die schnelle Erholung: Die Auslandsumsätze stiegen um fulminante 31%. China wurde in allen drei Teilbranchen zum mit Abstand größten Exportmarkt vor Nordamerika und den mittel- und osteuropäischen Ländern. Die Dynamik ging dann im Laufe des Jahres auch auf den Inlandsmarkt über, wo der Umsatz insgesamt um zwölf% zunahm. „Angeschoben wurde die positive Entwicklung vor allem von der Automobilindustrie, die sofort nach der Krise begann, wieder erheblich in ihre Fertigungen im In- und Ausland zu investieren. Sie bleibt mit einem Anteil von fast 60% der größte Abnehmer von Robotik und Automation“, sagte Wenzel.

Entwicklung der Teilbranchen Robotik, Montage- und Handhabungstechnik sowie Industrielle Bildverarbeitung

Der Umsatz der Hersteller von Robotik lag 2010 mit rund zwei Milliarden Euro um 24% über dem Ergebnis von 2009. Für das laufende Jahr wird mit einem weiteren Wachstum von mindestens zehn% auf 2,2 Milliarden Euro gerechnet. Neben der Automobilindustrie hat vor allem die Nahrungsmittelindustrie den Robotereinsatz 2010 auf dem deutschen Markt deutlich erhöht. Auch in der Pharmazie, Kosmetik und Kunststoff-industrie sehen die Roboterhersteller weltweit Chancen für eine erhebliche Zunahme der Roboterinvestitionen. Die weltweiten Roboterlieferungen sind 2010 vor allem nach Asien und dort besonders nach China massiv angestiegen und haben wieder einen Spitzenwert erreicht. Besonders Elektronik- und Automobilindustrie haben kräftig investiert. Die weltweiten Roboterverkäufe nach Europa und Amerika haben sich zwar gegenüber 2009 erheblich erhöht, erreichen aber nicht das Spitzenniveau von 2008. Die International Federation of Robotics (IFR) meldet aktuell die Lieferung von 115.000 Industrierobotern im Jahr 2010. Das bedeutet, dass sich die Zahl der weltweit verkauften Einheiten im Vergleich zum schwachen Vorjahr fast verdoppelt hat. Die IFR beurteilt die Zukunft der Robotik optimistisch – insbesondere aufgrund der enormen Nachfrage aus China und anderen asiatischen Wachstumsregionen. Der Absatz von Robotern wird 2011 um 10 bis 15% ansteigen. Dies würde einen neuen Rekord von 130.000 verkauften Einheiten ermöglichen. „Durch die Katastrophe in Japan sind Lieferketten – möglicherweise auch für die Robotik – gestört, was vorübergehend zu verlängerten Lieferzeiten bei Komponenten führen kann. Inwieweit dies auch Lieferzeiten bei Robotern beeinflusst, bleibt abzuwarten“, berichtete Wenzel. Die Montage- und Handhabungstechnik erzielte 2010 ein Umsatz­wachstum von 17% auf 4,3 Milliarden Euro. Nach dem starken Einbruch im Jahr 2009 konnten zunächst die Hersteller von Komponenten eine erhebliche Steigerung der Auftragseingänge und Umsätze erzielen. Der Systemumsatz stieg 2010 nur moderat, während die Auftragseingänge aber schon um zwei Drittel hochschnellten. Der sich daraus ergebende Umsatz wird aber erst 2011 und 2012 realisiert werden. Dieser Umstand und die immer noch anhaltend starke Nachfrage lassen für 2011 ein Umsatzwachstum von mindestens 24% auf 5,3 Milliarden Euro erwarten. Damit wird die Branche fast wieder an das Spitzenniveau von 2008 herankommen. Der Export von Montage- und Handhabungstechnik ist 2010 um fast 29% gestiegen. Es waren vor allem China, Mittel- und Osteuropa sowie Frankreich, die den Auslandsabsatz beflügelten, was sich auch im laufenden Jahr so fortsetzen wird. Die Hersteller von Montage- und Handhabungstechnik sehen sich gut aufgestellt, weil · neue elektronische Geräte (z.B. Tablet-PCs) und immer schnellere Modellwechsel bei elektronischen Konsumgütern die Elektronik- und Halbleiterfertigung massiv anschieben, · die internationale Arbeitsteilung zu einem Margendruck bei Konsumgütern führt, der durch den Einsatz intelligenter Automatisierungstechnik kompensiert werden muss, · die Ansprüche der Verbraucher an verwendete Materialien, Miniaturisierung, Haptik sowie Funktionsdichte immer weiter steigen und · Anforderungen an Sicherheit und Rückverfolgbarkeit zunehmen. Die Industrielle Bildverarbeitung, die 2010 ihren Umsatz um 32% auf 1,3 Milliarden Euro steigerte, hat damit einen neuen Rekord erzielt. Der Inlandsumsatz erreichte mit einer Steigerung von 23% fast wieder das Spitzenergebnis von 2008. In allen anderen Regionen und besonders in Asien mit China an der Spitze wurden neue Rekordwerte erzielt. Für 2011 wird von den von uns befragten Unternehmen derzeit mit einer Umsatzsteigerung von 11% auf den neuen Spitzenwert von 1,4 Milliarden Euro gerechnet. Die Nachfrage nach Bildverarbeitungslösungen zur Qualitätskontrolle steigt in allen Bereichen. Auch die Hersteller von Kameras in Deutschland konnten mit einem Umsatzplus von 61% punkten. Der Anteil der Automobilindustrie liegt mit etwa einem Viertel unterhalb des Durchschnitts der Robotik und Automation insgesamt, hat aber mit einem Wachstum von fast 70% maßgeblich zu dem guten Ergebnis beigetragen. Auch die Pharma- und Kosmetikindustrie sowie die Druckindustrie haben überdurchschnittlich in Industrielle Bildverarbeitung investiert.

Energieeffizienz ist – in doppelter Hinsicht – Treiber des Erfolgs

Die Fabrik der Zukunft wird darauf ausgerichtet sein, mit einem möglichst geringen Energie- und Materialverbrauch einen maximalen Nutzen zu erzielen. „Gefordert sind Produktionstechnologien, die aus weniger mehr machen. Experten gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren 20 bis 30% Energieeinsparung in der Fertigung realistisch sind“, sagte Wenzel. „Neben besonders effizienter Antriebstechnik und Leichtbau von schnell bewegten Teilen, wie zum Beispiel Roboterarmen und Roboter-werkzeugen, bietet insbesondere die Steuerungstechnik ein großes Einsparpotenzial. Waren bei den Robotern Standby-Modi für Arbeitspausen bislang nicht vorgesehen, erlauben neue Automatisierungskonzepte diese nun und führen zu einer beträchtlichen Energieeinsparung.“ Als positiver Nebeneffekt steigt die durchschnittliche Lebensdauer bestimmter Komponenten, was zusätzlich Kosten senkt. Hinzu kommen Strategien zur energieeffizienten Roboterprogrammierung, die Vermeidung unnötig hoher Beschleunigungen, die Rückführung von Bremsenergie und die Simulation des Energiebedarfs. Energieverbrauch wird auf diese Weise systematisch an vielen Stellen erfasst und im komplexen Zusammenspiel einer größeren Anlage ganzheitlich minimiert. „Die Robotik und Automation ist aber nicht nur selbst energieeffizient, sondern verhilft auch grünen Technologien zum Durchbruch“, betonte Wenzel. „Durch die Optimierung der Produktionsprozesse lassen sich neuartige Technologien wirtschaftlich in großen Stückzahlen herstellen. Dies ist die Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit von erneuerbaren Energien und Umwelttechnologien.“ Auf dem Weg zur Netzparität von Solarstrom hat die Automatisierung der Photovoltaikproduktion mit Robotik, Montage- und Handhabungstechnik sowie Bildverarbeitung bereits große Fortschritte gemacht. „Ein neues Aufgabengebiet ist die Optimierung der Batterieproduktion. Für den Durchbruch der Elektromobilität werden große Mengen leistungsfähiger Batterien benötigt, die sich nur durch Automatisierung wirtschaftlich produzieren lassen“, erklärte der Vorsitzende von VDMA Robotik + Automation. „Roboter, Handhabungstechnik und Bildverarbeitung ermöglichen auch die Serienfertigung von besonders leichten Karosserieteilen aus Faserverbundwerkstoffen und damit besonders sparsame Autos.“