Matthias Wissmann: 2012 wird kein Spaziergang, aber ein hartes, realistisches Arbeitsjahr (Bild:

Matthias Wissmann: 2012 wird kein Spaziergang, aber ein hartes, realistisches Arbeitsjahr (Bild: Imago).

von Daniela Hoffmann

BERLIN. Der Pkw-Inlandsmarkt steigt dem Verband zufolge im Gesamtjahr 2011 um rund 8% auf über 3,1 Mio Einheiten. Auch der Exportboom ist ungebrochen. Im Gesamtjahr steuere die Industrie auf ein Export-Rekordniveau von 4,55 Mio Einheiten zu, ein Plus von 7% gegenüber dem Vorjahr. Mit Ausnahme von Südamerika, das mit einem Fünftel Marktanteil stabil bleibt, ist der Markt in allen übrigen Weltregionen gewachsen. In China steigt der Absatz deutscher Konzernmarken mehr als doppelt so schnell wie der Gesamtabsatz. In diesem Jahr werden die deutschen Marken dort erstmals deutlich mehr als 2 Mio Pkw absetzen.

In den USA nimmt der Absatz trotz dortiger Immobilien- und Jobkrise um 28% zu und wächst doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt. In 2011 soll der Weltautomobilmarkt bei rund 65 Mio Einheiten liegen, jedes fünfte Auto weltweit ist ein deutsches Fabrikat. Der Umsatz wächst um 15%: 280 Mrd Euro verdienen die OEMs, ein Plus von 12%, rund 70 Mrd und 13% mehr als im Vorjahr die Zulieferer. In vielen Unternehmen reicht der Orderbestand bis ins Frühjahr 2012 hinein. Die Zulieferer, die in der Wirtschaftskrise ihr Eigenkapital angreifen mussten, konnten von den guten Jahren 2010 und 2011 profitieren. Bei den Zulieferern hat sich die Kapazitätsauslastung im vierten Quartal 2011 um knapp 5 Prozentpunkte auf rund 88% erhöht. Die Hersteller lassen die Produktion dem Absatz folgen. Dabei gelte die Faustformel: Drei Arbeitsplätze im Ausland sichern einen Arbeitsplatz im Inland.

Die Unsicherheit des Finanzmarktes liegt über den VDA-Prognosen. „Die Politik ist gefordert, eine Stabilitätskultur umzusetzen. Wir unterstützen mit Nachdruck ein Sanktionssystem, wie es die deutsche und die französische Regierung wohl implementieren wird“, sagte Wissmann und verwahrte sich gegen Maßnahmen, die Exportüberschüsse abstrafen. Eine Stabilisierung vorausgesetzt, rechnet der Verband mit einem moderaten Wachstum von einem Prozent in Westeuropa, trotz der massiven Rückgänge in Ländern wie Spanien, dort ließ der Absatz um 36% nach. Das Gesamtwachstum wird von den Schwankungen in Europa jedoch nur marginal berührt. Sie machen nur zwischen 0,5 bis einen Prozentpunkt der Weltmarktschätzung aus, meint Wissmann.

Sorgen macht sich der Automobilverband über den wachsenden Protektionismus in den Schwellenländern, der auch in der Türkei und in Russland zu beobachten sei. „Der VDA wird die Flagge des freien Welthandels unbedingt hochhalten. Wenn man schwere Verstöße hinnimmt, legt man die Axt an die Wurzel unseres Weltwirtschaftssystems“, erklärte Wissmann. In 2011 seien mehrere hundert Verstöße verzeichnet worden. Das sei für eine starke Exportnation wie Deutschland ein Grund, „blitzwach“ zu sein.

Als positiv bewertete der Verband die Fortschritte bei der CO2-Minderung. Die Hersteller böten bereits über 400 Modelle mit einem CO2-Wert von weniger als 130 g/km an. Die Anzahl habe sich innerhalb von nur einem Jahr um gut 50% erhöht. „Wir kommen einfach schneller voran als unsere Wettbewerber, obwohl wir im Premiumsegment höhere Herausforderungen haben“, meint Matthias Wissmann.

Bis 2020 soll die Weltautomobilproduktion auf 90 Mio Einheiten im Jahr wachsen. „Die Frage ist nur, in welchen Schüben wir uns dahin entwickeln“, konstatiert Wissmann. Es zeichne die deutsche Automobilindustrie aus, dass sie global aufgestellt ist. „Der hohe Premiumanteil wappnet uns besser, auch im sogenannten Volumensegment“, so Wissmann. Zudem sei der enge Schulterschluss zwischen Herstellern und Zulieferern in Deutschland ein besonderes Merkmal, an dem sich andere Länder gerne orientieren würden. Zudem lobte er, dass die Unternehmen genügend Flexibilität und eine „atmende“ Fertigung hätten. „2012 wird kein Spaziergang, aber ein hartes, realistisches Arbeitsjahr“, so der VDA-Präsident. Der Verband geht unter günstigen Bedingungen von einem Wachstum des Weltautomobilmarktes um 4% aus.