STUTTGART (Dow Jones/rm). Die Stuttgarter haben mit dem strauchelnden Hersteller vereinbart, dass im kommenden Jahr der erste Mercedes-Sprinter im GAZ-Stammwerk in Nischni Nowgorod vom Band rollen soll, wie Daimler am Donnerstag mitteilte. Die Deutschen investierten dazu mehr als 100 Mio EUR. Künftig sollen jährlich 25.000 Transporter jährlich das Werk verlassen.

Die Zusammenarbeit soll beiden Partnern Vorteile bringen: Bei Gorkowski Awtomobilny Sawod (GAZ) soll durch die Kooperation mit Daimler nun endlich modernes Know How in das GAZ-Werk rund 400 Kilometer östlich von Moskau am Rande der Millionenstadt Nischni Nowgorod einziehen. Der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller Daimler hingegen kann seine Position auf einem der am schnellsten wachsenden Märkte ausbauen.

Kleintransporter sind in Russland gefragt. Der Bedarf dürfte von derzeit 170.000 auf 275.000 in zehn Jahren steigen, schätzte der Leiter der Mercedes-Transporter, Volker Mornhinweg. Dennoch verkaufen ausländische Hersteller zwischen Kaliningrad im Westen und Kamtschatka im Osten nur wenige Wagen.

Einfuhrzölle, mit denen Moskaus Regierungschef Wladimir Putin die heimischen Autobauer schützt, verteuern Importe von Pkw und Transportern um bis zu einem Drittel. Diese Zölle entfallen, wenn zumindest die Endmontage in Russland erfolgt. Steuernachlässe winken, wenn ganze Baugruppen vor Ort hergestellt werden. Deswegen sollen auch Motoren, Getriebe, Achsen und mehr für die Mercedes-Sprinter lokal gefertigt werden.

Nachdem die erhoffte Übernahme von Opel scheiterte und der Mehrheitsaktionär, Oligarch Oleg Deripaska ein Nachfolgemodell des Chrysler Sebring wegen Erfolglosigkeit einstampfen musste, sucht GAZ händeringend nach Investoren. Neben der Sprinter-Produktion hoffen die Russen auch darauf, ihre Bänder mit der Produktion der Mercedes-C-Klasse auszulasten. GAZ verhandelt zudem mit Volkswagen über eine Auftragsfertigung. Der Autobauer ist der wichtigste Arbeitgeber in der Millionenstadt.