Matthias Wissmann

VDA-Präsident Matthias Wissmann: "Der russische Light-Vehicle-Markt wird auf 1,6 Millionen Fahrzeuge einbrechen. - Bild: VDA

„Der Anteil Russlands an den gesamten Pkw-Exporten deutscher Hersteller ist mit 1,3 Prozent sehr gering. Bis Mai haben sich die Exporte nach Russland auf 24 000 Einheiten mehr als halbiert. Für 2015 erwarten wir, dass der russische Light-Vehicle-Markt um gut ein Drittel auf 1,6 Millionen Fahrzeuge einbrechen wird. Diese deutliche Marktschwäche spüren natürlich auch deutsche Hersteller, ihr Marktanteil beträgt knapp ein Fünftel.

Der griechische Pkw-Markt ist mit 71 000 Einheiten (2014) deutlich kleiner. Gerade einmal 0,3 Prozent der gesamten Pkw-Exporte gehen in das Land. Weil unsere Hersteller weltweit positioniert sind, können sie die Schwäche beider Märkte durch Wachstum in anderen Regionen mehr als ausgleichen.

Wir sind trotz mancher Widrigkeiten zuversichtlich. Export und Produktion steigen leicht, weil Westeuropa, USA und China weiter auf Wachstumskurs sind. Besonders erfreulich ist, dass sich in Europa die großen Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien ausnahmslos nach vorn bewegen. Davon profitiert auch der Automobilstandort Deutschland: Jedes zweite Auto, das in Europa neu verkauft wird, zählt zu einer deutschen Konzernmarke. Die Beschäftigung an den inländischen Standorten bleibt mit rund 785 000 Beschäftigten stabil.

Die derzeit gute Konjunktur wird gestützt durch den niedrigen Ölpreis und einen EZB-Leitzins nahe Null. Doch das trägt nicht auf Dauer. Umso wichtiger ist es, nachhaltig die Investitionstätigkeit in Deutschland zu stärken und Maßnahmen zu ergreifen, mit denen die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandortes Deutschland wieder gesteigert werden kann. Sie ist kein Naturgesetz, sondern muss jeden Tag neu erarbeitet werden. Gerade in guten Zeiten muss Vorsorge getroffen werden. Das gilt nicht nur für Unternehmen, sondern auch für die Politik.

Neben steigenden Energiekosten und geringerer Flexibilität am Arbeitsmarkt macht uns vor allem die Entwicklung der Lohnstückkosten Sorgen: Seit einigen Jahren gehen sie wieder nach oben, stärker als bei unseren Nachbarn. Deshalb ist ein neuer Kurs erforderlich, der zusätzliche Belastungen für die Industrie vermeidet und gezielt die Instrumente nutzt, mit deren Hilfe die Standortattraktivität Deutschlands wieder erhöht werden kann.”

Matthias Wissmann, VDA-Präsident