Peter Gerstmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin GmbH. - Bild: Zeppelin GmbH

Peter Gerstmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin GmbH. - Bild: Zeppelin GmbH

Zeppelin erwirtschaftete in den Jahren vor der Ukraine-Krise mehr als ein Viertel des Umsatzes in Russland und der Ukraine. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Konzern aufgrund der anhaltenden Spannungen und den damit einhergehenden Sanktionen einen erheblichen Umsatzrückgang in beiden Ländern.

Die Krim und die Ostukraine waren aufgrund der Annexion sowie der kriegerischen Auseinandersetzungen nicht mehr zugänglich, die massive Abwertung des russischen Rubels und der ukrainischen Hrywnja führten zu einer deutlichen Kaufzurückhaltung der Kunden. Eine Kreditklemme bei den lokalen Banken verschärfte die Situation zusätzlich.

Russisches Geschäft um ein Drittel eingebrochen

Zudem trafen uns die Handelsbeschränkungen der USA und der EU als Händler des amerikanischen Baumaschinenherstellers Caterpillar doppelt. Zum einen durch die Sanktionen, die von der EU erlassen wurden und sich überwiegend auf Ersatzteile beziehen, die der “Dual Use” Regelung unterliegen. Zum anderen durch die Handelsbeschränkungen der USA, die sich u.a. gegen die für uns wichtige Öl- und Gasindustrie richteten. Insgesamt brach für Zeppelin im Jahr 2014 der Markt für Neumaschinen in der Ukraine um 60 Prozent ein, in Russland wurde ein Rückgang um 30 Prozent verzeichnet.

2015 wirkt sich die Marktsituation in Russland unverändert negativ auf den Zeppelin Konzern aus. Verglichen mit dem Quartal des Vorjahres hat sich die Lage sogar verschlechtert. Die Sanktionen wurden verlängert und der russische Markt stellt sich immer mehr auf die Gegebenheiten ein. Der Mittelstand orientiert sich neu, weil er sich letztendlich Produkte aus dem Westen aufgrund des schlechten Wechselkurses Rubel – Euro nicht mehr leisten kann. Gravierend ist für uns der Vertrauensverlust unserer Kunden.

Lokale und asiatische Wettbewerber profitieren stark

Sie stellen sich die Frage, ob sie künftig noch auf ein amerikanisches Produkt von einem deutschen Händler zählen können. Denn unter den gegebenen Umständen kann die reibungslose Belieferung mit Ersatzteilen nicht garantiert werden. Hinzu kommt, dass die russische Regierung die klare Empfehlung ausgesprochen hat, keine westlichen Produkte mehr zu kaufen. Davon profitieren lokale und asiatische Wettbewerber stark.

Der Zeppelin Konzern wird auch weiterhin in Russland investieren und, solange es die politische Situation erlaubt, präsent bleiben. Wir liefern unseren Kunden unverändert Maschinen und Ersatzteile, die nicht von den Sanktionen betroffen sind, soweit das im Rahmen des schwierigen Marktumfeldes und des Wechselkurses überhaupt möglich ist.

Allerdings müssen wir uns darauf einstellen, diesen Markt langfristig zu verlieren. In Folge dessen sind eine Anpassung von Kapazitäten und Personal unumgänglich. Ob man nach der Krise Wege findet, die alten Marktanteile wieder zurückzuholen, das wird man sehen. Im Moment ist das nicht absehbar.”

Über Zeppelin

Der weltweit an 190 Standorten aktive Zeppelin Konzern mit rund 7.900 Mitarbeitern erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro. Der Zeppelin Konzern organisiert seine konzernweite Zusammenarbeit in einer Managementholding und fünf Strategischen Geschäftseinheiten: Baumaschinen EU (Vertrieb und Service von Baumaschinen), Baumaschinen CIS (Vertrieb und Service von Bau- und Landmaschinen), Rental (Mietlösungen für Bauwirtschaft und Industrie), Power Systems (Antriebs- und Energiesysteme) und Anlagenbau (Engineering und Anlagenbau). Die Zeppelin GmbH ist die Holding des Konzerns mit juristischem Sitz in Friedrichshafen und der Zentrale in Garching bei München. Weitere Informationen unter www.zeppelin.de.

Karoline Kopp