Mit Dr. Reinhold Festge, VDMA-Präsident im Gespräch: Beim MBG wird über sich verändernde

Mit Dr. Reinhold Festge, VDMA-Präsident im Gespräch: Beim MBG wird über sich verändernde Arbeitsplätze, Industrie 4.0 sowie Iran und Russland diskutiert. - Bild: VDMA

Mit Dr. Reinhold Festge, VDMA-Präsident im Gespräch: Beim MBG wird über sich verändernde Arbeitsplätze, Industrie 4.0 sowie Iran und Russland diskutiert.

Produktion: Herr Dr. Festge, Industrie 4.0 ist in aller Munde und ein Mega-Thema beim Maschinenbau-Gipfel. Welche Impulse erwarten Sie?
Reinhold Festge: In vielen Unternehmen existieren noch Unsicherheiten, was die Herangehensweise an und die Umsetzung von Industrie 4.0 betrifft. Mit der ‚Industrie 4.0 Readiness Studie‘ und dem ‚Implementierungsleitfaden Industrie 4.0‘ will der VDMA die deutschen Maschinenbauer auf ihrem Weg unterstützen. Diese Arbeiten, die Vorträge, Diskussionen und Best-Practice-Beispiele werden den Unternehmen helfen, Maßnahmen zu einer erfolgreichen Einführung von Industrie 4.0 zu identifizieren und einzuleiten.

Produktion: Wie treibt der deutsche Maschinenbau Industrie 4.0 voran? Oder fehlt es noch am Mut zur schnellen Umsetzung von Industrie 4.0?
Reinhold Festge: Wir arbeiten mit all unseren Kräften daran, uns so aufzustellen, dass wir diejenigen sind, die bei Industrie 4.0 weltweit den Ton angeben. Dabei profitiert der deutsche Maschinen- und Anlagenbau von seiner Rolle als Anbieter und Anwender von Industrie 4.0-Technologien sowie von seiner Innovationskraft, den hochqualifizierten Fachleuten und vor allem der hervorragenden Prozesskompetenz.

Produktion: Was sind die Herausforderungen?
Reinhold Festge: Viele Technologien für Industrie-4.0-Lösungsansätze sind bereits heute vorhanden. Die Herausforderung liegt darin, realisierbare Entwicklungsstufen von Industrie 4.0 Schritt für Schritt in den Unternehmen umzusetzen.

Produktion: Ein hochkarätig besetztes Gipfel-Gespräch widmet sich der Digitalisierung in den USA, Asien und Europa. Inwiefern brennt dies den deutschen Maschinenbauern unter den Nägeln?
Reinhold Festge: Wichtig ist für die Einordnung, dass das amerikanische Industrial Internet Consortium ein breiteres und weniger tiefes Themenspektrum aufgreift als die Plattform Industrie 4.0. Das IIC befasst sich mit Themen von Smart Grids über autonomes Fahren bis hin zu E-Health auf Big Data-Ebene.

Produktion: Wie unterscheidet sich die Plattform Industrie 4.0 vom Industrial Internet Consortium?
Reinhold Festge: Hingegen hat Industrie 4.0 die Produktion im Fokus. Insgesamt ist klar, dass die Digitalisierung ein globales Thema ist und daher ein wacher Blick über den eigenen Tellerrand hinaus wichtig ist.

Produktion: Ein anderes Mega-Thema: der akute Fachkräftemangel. Auch hierzu will der Maschinenbau-Gipfel Antworten liefern. In welcher Form?
Reinhold Festge: Industrie 4.0 hat auch Auswirkungen auf die Anzahl und die Qualität der Arbeitsplätze sowie die zukünftige Qualifizierung unserer Mitarbeiter. In zwei Foren werden wir uns speziell mit diesem Thema beschäftigen. In seinem Maschinenhaus-Projekt arbeitet der
VDMA mit Hochschulen aus Deutschland zusammen, um die zu hohen Abbrecherquoten in den Ingenieurstudiengängen zu senken. Um mehr junge Leute für technische Ausbildungsberufe zu gewinnen, haben wir gerade unsere Kampagne ‚Talentmaschine‘ gestartet.

Produktion: Die Internationalisierung der Industrieunternehmen ist ein wichtiger Schritt zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. China und Iran stehen in Berlin im Mittelpunkt. Warum ausgerechnet der Iran?
Reinhold Festge: Der Iran ist ein traditionell wichtiger Markt, der in den letzten Jahren stark unter Druck war; unsere Maschinenbau-Exporte sind von fast 1,6 Milliarden Euro auf zuletzt 630 Millionen Euro gefallen. Jetzt steht ein Politikwechsel bevor und darauf reagieren wir. Der Maschinenbau-Gipfel bietet das Forum, wie die Geschäfte mit dem Iran wieder aufleben können.

Produktion: Beim Thema Maschinenbau darf natürlich die Technik nicht fehlen. Mensch und Roboter arbeiten künftig Hand in Hand. Ist das ein realistisches Szenario?
Reinhold Festge: Das ist ein absolut realistisches Szenario! Die Robotik schlägt mit der direkten Zusammenarbeit von Mensch und Roboter ein ganz neues Kapitel auf und macht sich die spezifischen Stärken des Menschen und der Maschine zunutze. Gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel sehen wir hier große Vorteile, wenn Arbeitnehmer durch die Roboterassistenz länger ihre Tätigkeiten ausüben können. Die Roboterhersteller stellen die Sicherheit dabei an die erste Stelle und arbeiten hierzu an weiteren internationalen Normen.

Produktion: Warum lohnt sich aus Ihrer Sicht die Teilnahme am Gipfel? Was haben Sie für sich persönlich aus dem Maschinenbau-Gipfel 2014 gezogen?
Reinhold Festge: Networking, Politikkontakte, Fachvorträge – der Maschinenbau-Gipfel ist das Top-Event unserer Industrie und steht mittlerweile bei vielen Managern fest im Kalender. Auch die Politik hat unseren Kongress als bedeutende Plattform erkannt. 2014 war mein erster Maschinenbau-Gipfel als VDMA-Präsident. Besonders gefreut habe ich mich damals über die Teilnahme von Dr. Abdu Mukthar, CSO der Dangote Group aus Nigeria, denn mir liegt das Thema Afrika sehr am Herzen. Wo wir gerade über das Thema Märkte sprechen: Aus aktuellem Anlass und auf Wunsch unserer Mitglieder haben wir uns entschlossen, 2015 noch ein zusätzliches Forum zum Thema Russland ins diesjährige Gipfel-Programm aufzunehmen.

Vita

Dr. Reinhold Festge ist seit Oktober 2013 Präsident des VDMA. Festge leitet als Geschäftsführender Direktor das Unternehmen Haver & Boecker in Oelde. Nach Abschluss des Medizinstudiums studierte er Betriebswirtschaft und wurde Geschäftsführer von Haver + Beumer in Brasilien.

Maren Kalowsky/Andrea Hecht